Es geht um das Meer – Russland und NATO in der Ukraine

Politische Landkarte und Hintergründe im Schwarzen Meer

Russland strebt schon seit Zeiten von Zar Peter nach dem Besitz von “Warmwasser” Häfen.  Also Häfen, die nicht über den Winter hinweg zufrieren und gangbar bleiben. Im Schwarzen Meer konkurriert Russlands Marine seit Jahrhunderten bereits mit den anreihenden muslimischen Nationen, allen voran den Türken und ihren turkstämmigen Verbündeten. Ende des 18. Jahrhunderts rang Russland dem Khanat der Krim jene Bucht ab, wo später Sewastapol entstehen sollte. Zweihundert Jahre später hat sich am grundlegenden Konflikt kaum etwas geändert. Die Türken bekämpften die Russen im Schwarzen Meer bereits im Ersten Weltkrieg und liefern sich auch jetzt wieder mit ihnen einen Wettkampf um die Oberherrschaft zur See. Aber man muss auch erwähnen, dass hier die Hand des NATO Oberherren USA die tatsächlich wirkende Kraft ist. Sowohl Georgien, als auch Aserbaidschan und nun auch die Ukraine stehen in enger militärischer Kooperation mit der NATO. Georgien ist bereits offiziell der Eintritt in Aussicht gestellt worden und sowohl die Ukraine als auch die Turkvölker von Aserbaidschan stehen mit einem Fuß bereits in der Militärallianz. Beide Länder haben genau wie Georgien bereits Truppenkontingente für den ISAF Einsatz bereitgestellt gehabt und streben ganz offen eine Annäherung an die NATO an. Man muss diese Entwicklung jedoch jetzt aus der Vogelperspektive betrachten. Die politische und militärische Landschaft am Schwarzen Meer verändert sich zu Ungunsten Russlands. Bulgarien, Rumänien und die Türkei sind NATO Mitglieder mit Anbindung und Häfen im Schwarzen Meer, die vom Militärbündnis genutzt werden. US-amerikanische und britische Kreuzer streifen häufiger durch die schwarze See und passieren die natürliche Meerenge am Bosporus. Der einzige maritime Zugang zum Schwarzen Meer, wird komplett durch die Nato kontrolliert. Der Zugang und Ausgang der russischen Flotte ist also direkt abhängig vom Wohlwollen des Pentagon. Ich sage das wertungsfrei. Russland verliert ganz einfach langsam aber sicher die Kontrolle über das Schwarze Meer. Und frei dem Motto des britischen Empire – Wer die Meere beherrscht, der beherrscht auch die Welt. 90% des weltweiten Handelsvolumens geht über das Meer von statten. Wasserwege und die Kontrolle über diese, sind die Lebensader der meisten Staaten und ihrer Ökonomien dieser Welt.

 



Syrien und Ukraine sind Teil des gleichen geopolitischen Ringens

Im Ernstfall, dem diplomatisch-militärischen Ernstfall, ließe sich der Bosporus für russische Schiffe simpel blockieren. Die Marine des Kreml wäre im Schwarzen Meer gefangen. Überhaupt bekommt der Konflikt in Syrien auch eine ganz andere Dimension, wenn man sich ins Gedächtnis ruft, dass Tartus in Syrien der EINZIGE militärische Hafen für die Russen im ganzen Mittelmeer ist. Alle anderen Häfen  verweigern sich der russischen Marine. Nur in Tartus können diese repariert und gewartet werden. Ich möchte den Anstoß geben, dass die geopolitischen Ursachen und Gründe für den Syrien Konflikt, vor allem das Engagement der USA und Russlands, auch darin zu finden sind. Russland stützt Assad, weil es Tartus auf keinen Fall verlieren möchte. Die USA versuchen gleichzeitig ihre Dominanz im Mittelmeer zu festigen, indem sie den einzigen Konkurrenten, die russische Marine, endgültig seiner Operationsbasis berauben. Der ganze Konflikt in der Ukraine ist heute ein Indiz für diese Leseart. Mit dem Sturz des pro-russischen Regimes in Kiew auf dem Maidan, drohte der Ukraine ein pro-NATO Kurs, welcher das Land nach Westen geschoben hätte. Für Putin und die russische Führung handelt es sich hierbei natürlich sowohl soziokulturell und geschichtlich, als auch militärisch, um eine mittelschwere Apokalypse. Kiew ist geschichtlich nicht nur die Wiege Russlands, sondern auch militärisch unerlässlich für den Kreml. Wobei Kiew in diesem Sinne vielleicht sogar außen vor bleibt. Denn die russischen Marinehäfen auf der Krim, dienen der russischen Schwarzmeerflotte, welche ohne diese nicht operieren kann. Sie wäre ohne die logistisch essenziellen Einrichtungen in Sewastapol nicht in der Lage, die Flotte zu warten. In Krasnodar Krai, am östlichen anderen Ende des Schwarzen Meeres, liegt zwar auch ein wichtiger russischer Hafen. Doch dieser kann die industriellen Kapazitäten zum Aufbau und zur Wartung einer Marine nur unzureichend decken. Die Krim und überhaupt die dem Meer zugewandte Seite der Ukraine, ist für Russlands Marine unerlässlich. Die Schiffswerft in Sewastopol ist momentan die Einzige, welche im Stande ist, russische U-Boote und Schiffe zu modernisieren und grundlegend zu reparieren. Zusätzlich beherbergt die Bucht von Sewastopol das Zentrum des zivilen und militärischen Warenverkehrs auf der ganzen Halbinsel. Hinzu kommt, dass auch die russischen Marineflieger auf Sewastopol angewiesen sind. Ohne die Infrastruktur, also das industrielle Gebiet im Donbass, dass durch Schwerindustrie und moderne Rüstungsindustrie glänzt, ließe sich die russische Marine und überhaupt ein großer Teil der russischen Streitkräfte nicht mehr versorgen. Russland hat simpel keinen anderen Partner in der Region, der diese Aufgaben übernehmen könnte und wäre beim Totalverlust der Ukraine an den Westen gezwungen, all die notwendigen Einrichtungen auf dem eigenen Territorium zu errichten. Dies wurde jedoch versäumt. Grund dafür mag wohl der Zerfall der Sowjetunion sein. Denn schließlich gehörte die Ukraine vor 25 Jahren natürlich und selbstverständlich zu Russland. Dass es sich emanzipieren und nach Westen gelockt werden könnte, war damals noch nicht abzusehen. Russlands Engagement im Ukraine-Konflikt ist kein Kraftakt einer sonderlich starken Militärmacht, sondern der Versuch, nicht völlig ins Abseits gedrängt zu werden. Hätte Russland die Krim aufgegeben und wäre die Halbinsel an die souveräne Ukraine und damit vielleicht in ein paar Jahren oder Jahrzehnten an die NATO gefallen, dann hätte Russland im Schwarzen Meer nichts mehr zu sagen gehabt. Gar nichts mehr. Ohne Anlaufstelle und ohne die finanziellen Möglichkeiten einen eigenen neuen Hafen in der Dimension zu errichten, wie man ihn bräuchte, wäre die endgültige Vorherrschaft der Türkei und anderer NATO Länder im Schwarzen- wie im Mittelmeer gesichert gewesen. Ich sage also, dass sowohl der Konflikt in der Ukraine, als auch der in Syrien, zumindest teilweise Stellvertreterkriege sind, welche sich um das selbe Thema drehen. “Wer hat das sagen auf dem Meer?” Es ist eine Fortsetzung des “Great Game” in Europa und Zentralasien.


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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