Trident Juncture 2015 – Hybrider Krieg?

Die Operation “Trident Juncture 2015” wird 36.000 NATO Truppen (inklusive NATO-Partner) in der größten Truppenübung des Militärbündnisses seit Ende des Kalten Krieges zusammenbringen. Sowohl langjährige NATO-Mitglieder, als auch Nationen, denen der Beitritt in Aussicht gestellt wurde, werden an der Großübung teilnehmen. Offizielles Ziel der Übung ist die Optimierung der internationalen militärischen Zusammenarbeit und Verbesserung der Interaktion von Großverbänden. Im Hinblick auf den hybriden Krieg, den man in jüngster Zeit vermehrt in der Ukraine und im Nahen Osten beobachtet hat, wurde durch die NATO ein Übungsszenario entworfen, welches sich ambivalent entweder auf einen kommenden Konflikt mit Russland oder aber islamische Milizen anwenden lässt. Die Ausbildung der schnellen Eingreiftruppe der NATO (NATO Response Force) und ihre Reifung sind Teil der multinationalen Truppenübung, die vor allem im Mittelmeerraum ausgetragen sind. Vom 28. September bis zum 6. November werden die NATO und ihre Verbündeten in Portugal, Italien und Spanien die Zusammenarbeit der Teilstreitkräfte im Rahmen verschiedener Übungsszenarien durchlaufen.



Ersichtlich ist, dass dieses Szenario den momentanen Konflikten auf der Welt nachempfunden ist. Statt großer Schlachten in der märkischen Tiefebene, geht es um einen hybriden Konflikt in einer Krisenregion. Die fiktiven Länder “Cerasa” und “Lakuta”  befinden sich im Krieg um natürliche Ressourcen. Der Zusammenbruch der staatlichen Ordnung, die Unsicherheit der Landesgrenzen und das Auftauchen von Milizen spielen genauso eine Rolle, wie die Behauptung der maritimen Dominanz auf dem Ozean. Massenvertreibungen, ethnische Säuberungen, religiöse Konflikte und Cyber Warfare spielen ebenfalls mit in das Szenario hinein. Trident Juncture 2015 ist die multi-Antwort der NATO auf die Brandherde Europas und seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Es ist keine Übung, die sich gegen China und den Konflikt um die Spratly Islands richtet. Wahrscheinlicher ist, dass die NATO hier Stärke gegenüber Russland demonstrieren möchte und probeweise für weitere Einsätze “Out of Area” übt. Zumindest letzteres wird von den Pressestäben der Allianz klar gemacht. Hier wird für Einsätze außerhalb des eigentlichen NATO-Gebietes geübt. Der sogenannte “Krisenreaktionseinsatz” soll die Allianz über die Grenzen des Vertragsgebietes hinaus zum Einsatz bringen, wie es schon in Afghanistan geschehen ist. Eine mögliche Bekämpfung des IS könnte hier eine Option sein. Allerdings ist wohl nicht auszuschließen, dass Washington das Bedrohungsszenario und damit auch die Einsatzart ambivalent abwandeln könnte, sollte man es im Pentagon für richtig erachten.

Andere NATO Übungen wie “Rapid Trident 2015” bringen große Truppenkontingente in die Ukraine, während BALTOPS über 5600 Soldaten in Skandinavien zu einer Großübung hat antreten lassen. Geübt wird die amphibische Landung von Infanterie und Fahrzeugen, sowie der U-Bootkrieg und die Kontrolle des Luftraums. NOBLE JUMP, SABER STRIKE und weitere Übungen haben in den letzten Monaten stattgefunden oder finden gerade statt. Die NATO ist aktiver geworden. Sowohl offensive, als auch defensive Fähigkeiten werden forciert. Dabei ist auch sichtbar, dass sich die NATO zunehmend um das Baltikum und das Schwarze Meer bemüht. Finnland und Schweden intensivieren die Zusammenarbeit mit den USA, während die Türkei aufgrund ihrer strategischen Bedeutung, für ihre kontroverse Kurden-Politik grünes Licht bekommen hat. Die USA, vormals noch die größten Unterstützer von Kurdistans Nationswerdung, wenden sich wieder von ihren kurdischen Verbündeten ab. Zumindest für den Moment. Die Türkei und ihr riesiges Truppenkontingent sind einfach zu wichtig für die Eindämmung russischer Interessen im Schwarzen Meer.

Die Entwicklung von Europas Sicherheitslage, hin zu mehr Instabilität an den Grenzen als auch im Innern der Staaten, ist auch an der neutralen Schweiz nicht vorbeigegangen. ONEX 2015 wird das Szenario der Schweizer Armee heißen, die den Zusammenbruch der europäischen Sicherheitsordnung zu Thema hat. Europa zerfällt an seinen Grenzen und in seinem Innern. Bürgerkrieg, Terrorismus, Massenmigration und hybrider Krieg fordern die Alpenrepublik heraus. Die Antwort der Schweizer? Abriegeln des gesamten Staatsgebietes. Eine Taktik, die in den letzten 500 Jahren ziemlich gut funktioniert hat. Die Schweiz möchte die kommenden Krisen überstehen, indem sie diese einfach aussitzt.

Bild: Saber Strike 2015

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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