Archiviert: Aus der Traum von der “Rainbow Nation”

Nelson Mandela ist 2013 gestorben und durfte noch mit ansehen, wie sich der Traum von der ethnischen und sozialen Harmonie in der sogenannten Regenbogennation in Luft aufgelöst hat. Die großen Hoffnungen und ehrlichen Erwartungen, die man an das neue Südafrika gestellt hatte, sind implodiert. Das “Neue Südafrika” ist das “alte Südafrika”. Nur die Farbe wechselte von Weiß auf Schwarz.  Etwa 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid stellt sich heraus, dass das Volk nur eine weiße Oligarchie gegen eine schwarze eingetauscht hat. Am äußersten Ende von Afrika blickt man dem Ende aller Illusionen entgegen.

Regenbogennation

Ein Name, der die ethnische Vielfalt Südafrikas ausdrücken soll. Er ist zum Leitbild der multikulturellen, multiethnischen und multikonfessionellen Gesellschaft geworden. Der feuchte Traum mancher Ideologen. Über 50 Millionen Menschen, davon gut 80% Schwarze und noch knappe 8% Weiße, leben heute in Südafrika. Während die Weißen größtenteils Nachfahren der Briten und Buren sind, welche das Land während des Kolonialismus besiedelten, setzen sich die Schwarzen aus unterschiedlichsten Volksgruppen zusammen. Zulu, Swazi, Tsonga und Basotho um nur ein paar von ihnen zu nennen. Eine harmonische schwarze Urbevölkerung stellen diese Volksgruppen jedoch nicht dar. Konflikte um das Land im Süden Afrikas gab es auch schon vor dem Eintreffen der Weißen. Die ethnischen Spannungen, die zwischen den farbigen Bevölkerungsgruppen herrschen, halten bis heute an. Gewalttätige Übergriffe auf Dörfer, Geschäfte und vor allem Frauen anderer Stämme sind keine Seltenheit. Die Regenbogennation, die die Harmonie zwischen den Rassen zum höchsten Ziel hatte, kämpft mit sich selbst und diesem hohen Ideal. Das Ende der Apartheid brachte die Gleichberechtigung für die Schwarzen und das Ende des staatlichen Rassismus der Weißen. Nicht jedoch das Ende des Rassismus als solchen. Bis zu 2000 weiße Einwohner sollen seit Ende des Regimes in den letzten zwanzig Jahren Opfer von rassistisch motivierten Morden gewesen sein. Die Dunkelziffer könnte tatsächlich noch höher liegen. Südafrika kämpft schon seit Jahren mit einem dramatischem Anstieg von Gewalt in den urbanen Gebieten. Vor allem Mord, Raubmord und Vergewaltigungen haben explosiv zugenommen, seit der ANC die Regierung stellt. Über 900.000 weiße Europäer haben das Land seitdem verlassen und die verbliebene Minderheit schrumpft seither unaufhaltsam. Ansteigen tut dafür der Anteil von Asiaten. Vor allem Chinesen, Inder, Pakistani und Afghanen sind Teil der Rainbow Nation geworden. Sie bilden mit bald 3% eine kleine aber stetig wachsende Minderheit in Südafrika, die erst kürzlich ebenfalls unter heftigsten Übergriffen zu leiden hatte.



Im April erst kam es zum wiederholtem Male zu Aufsehen erregenden Pogromen gegen die neuen Einwanderer.  In Durban sammelten sich große Gruppen der einheimischen Schwarzen zusammen, welche rassistische Parolen brüllten und auf die Geschäfte anderer farbiger Zuzügler losgingen. Somalier, Kongolesen und auch Asiaten aus Südasien wurden mit Eisenstangen, Baseballschlägern und Macheten ermordet und die Geschäfte der Einwanderer wurden niedergebrannt oder geplündert. Dass dies fast der einzige Fall von Lynchmord und Pogromen in Südafrika war, welcher in der deutschen Medienöffentlichkeit bekannt wurde, bleibt dem allgemeinem Desinteresse der Medien geschuldet. Nach dem Ende der Apartheid scheint kein Zwang mehr zu bestehen, auf die Missstände und den grassierenden Rassismus im Land hinzuweisen.

Wie die Maden im Speck 

Die Machtübernahme des ANC hatte vielerorts auf der Welt Hoffnungen geweckt. Aber es zeigt sich heute, dass die Politik und Organisation des Präsidenten Zuma, nach dem Prinzip der Vetternwirtschaft verläuft. Die grassierende soziale Ungerechtigkeit ist nicht gelöst worden. Statt der Angleichung zwischen armen und reichen Südafrikanern, kristallisierte sich die neue Schicht der “Black Diamonds”, der aufstrebenden schwarzen Oberschicht heraus. Ein Job im Beamtenapparat, also beim Staat selbst, wird gönnerhaft von der Regierung an den eigenen farbigen Nachwuchs verteilt. Der ANC wird trotz immer wiederkehrender Korruptionsskandale, massiver Veruntreuung und Vorwürfen der Bestechlichkeit, stets mit großer Mehrheit gewählt. Dabei scheint es keine Rolle zu spielen, dass Präsident Zuma erwiesenermaßen bis zu 20 Millionen an Steuergeld in die eigene Tasche hat fließen lassen und ganze Regierungsapparate das Geld des Volkes an Verwandte in den großen Stammesfamilien weiterreichen. Politik verläuft nicht entlang von Staatsräson, sondern entlang ethnischer Zugehörigkeit.  Die Zulu helfen den Zulu und niemals den Swazi. Es entstehen Wohnblöcke für die Familien und Angehörigen von Ministern und Abgeordneten, während eine Straße weiter die farbigen Mitmenschen einer anderen Ethnie in den eigenen Fäkalien sitzen. Die weiße Elite der Apartheid galt in den 80ern und 90ern noch als notorisch korrupt. Aber auf Platz 72 im globalen Vergleich hat es das Regime damals nicht geschafft. Das ist eine Leistung, die sich der ANC ganz alleine zuzuschreiben hat.

Überhaupt steht es nicht mehr gut um die Demokratie im neuen Südafrika. Die Presse und selbst Künstler leiden zunehmend unter Zensur und müssen teilweise sogar flüchten, da Polizei und Sicherheitskräfte mancherorts eine politische Justiz gegenüber allzu kritischen Stimmen anwenden. Wer auf die Probleme und die Korruption mit dem Finger zeigt, muss damit rechnen verprügelt zu werden oder seine Anstellung zu verlieren. Die Bestechlichkeit der Justiz bis in die höchsten Gerichte hinauf ist derart ausufernd, dass selbst viele ehemalige Veteranen des ANC, wie Ex-Präsident Mbeki, lautstarke Kritik an den Zuständen üben. Eine Kritik, die angesichts der parlamentarischen Mehrheit für den Präsident Zuma, sinnlos erscheint. Dazu kommt, dass viele künstlerische und politische Namen das Land in den letzten Jahren verlassen haben. Die Enttäuschung der Hoffnung ist spürbar. Auch wirtschaftlich. Vor allem weiße Fachkräfte wandern zunehmend aus und suchen ihr Glück in den klassischen Einwanderungsländern Kanada und Australien oder USA. Die neu wachsende Geldelite Südafrikas, welche mehrheitlich aus Schwarzen besteht, zieht ebenfalls um. Jedoch nur in die sogenannten “Gated communities”, welche früher ausschließlich von den Europäern bewohnt wurden. Mit Stacheldraht, Betonmauern und mit eigenen Sicherheitsdiensten abgeschirmte Siedlungen am Stadtrand. Häuser für die reiche Oberschicht, wo private Firmen mit Sturmgewehren und gepanzerten Autos für die Sicherheit ihrer neuen Oligarchie sorgen. In den Kommunen der Reichen, leben schwarze und weiße Menschen tatsächlich in einer Art Harmonie.

Für Südafrika zeigt sich leider, dass zumindest realpolitisch keine Veränderung der Machtverhältnisse eingetreten ist. Eine weiße Oligarchie wechselte lediglich den Platz mit einer neuen schwarzen Oligarchie. Das multikulturelle und soziale Paradies lässt noch auf sich warten. Präsident Zuma, der die Anschuldigungen von Vergewaltigung, Amtsmissbrauch, Korruption und Bestechlichkeit, mithilfe seines hörigen Staatsapparats von sich weisen konnte, regiert weiter. Aber ändern tut sich wenig.

 

 


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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