Wie die Nationalgarde verheizt wurde

 

 

Etwa 2,2 Millionen US-Soldaten haben im Irak während der Operation Iraqi-Freedom, der chaotischen „Insurgency“ sowie in Afghanistan gekämpft. Viele von ihnen waren jedoch keine Soldaten der Army, Navy oder Airforce, sondern Mitglieder der sogenannten Nationalgarde der Vereinigten Staaten. Im Jahr 2007 und 2008 machten diese Nationalgardisten fast 30% der stationierten Truppen im Irak und Afghanistan aus.

Die Nationalgarde setzt sich aus Soldaten der Bundesstaaten der USA zusammen. Jeder Bundestaat hat eine eigene Nationalgarde, die zumeist für den Einsatz im Inneren zuständig ist. Man denke hier an Hurrican Kathrina oder ähnliche Naturkatastrophen, welche die Nationalgarde auf den Plan rufen. Ihr Aufgabenbereich ist vergleichbar mit dem der Reserve der Bundeswehr. Aber auch bei Unruhen wie in Los Angeles in den 90ern kam die Nationalgarde zum Einsatz. Theoretisch handelt es sich um eine mehr oder minder reine Reservekraft für die Streitkräfte und für den Bundesstaat. Im Krisenfall oder Kriegsfall kann die Nationalgarde mobilisiert werden und dazu gebracht werden die Army, Navy oder Air Force mit Mensch und Material zu unterstützen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Nationalgardisten ihren Dienst auch im Kriegseinsatz verrichten.

Die etwa 450.000 Soldaten der Nationalgarde sind allerdings als Hilfskräfte zu verstehen, deren Ausbildung und Ausrüstung hinter den normalen Streitkräfte zurück bleibt. Sie erhalten eine verkürzte militärische Grundausbildung, generell weniger fachliche Weiterbildungen und nicht immer die modernste Ausrüstung. Der Spruch der Nationalgarde im Volksmund lautet: „One weekend a month and two weeks per year“. Dieser bedeutet, dass im Regelfall die Dienstzeit eines Nationalgardisten nicht mehr als 2 Wochen pro Jahr überschreitet. Einige Einheiten weichen jedoch je nach Dringlichkeit ihres Auftrags davon ab. Allerdings galt dieser Ausspruch bis vor dem 11. September als Daumenregel für den Dienst bei der Nationalgarde.

Der Krieg in Afghanistan und im Irak änderte jedoch so einiges für die Reserve der Army und die Nationalgarde(zwei ähnliche aber doch unterschiedliche „Branches“). Starben im Vietnamkrieg noch gerade mal 94 Teilzeitsoldaten, waren es im Irak und Afghanistan schon über 600. Zehntausende mehr erlitten Verletzungen des Körpers oder der Seele. Vor allem die schlechter ausgebildeten und unzureichend vorbereiteten Nationalgardisten und Reservisten erkrankten häufig an PTSD und kämpften mit den psyschologischen Folgen und Belastungen ihres Einsatzes. Statt den üblichen 10 Monaten maximal Dienstzeit im Einsatz, mussten diese Teilzeitsoldaten aufgrund des hohen Bedarfs des Pentagon, bis zu 18 Monate und länger in den Kriegseinsatz bleiben. Teilweise sogar mehrfach hintereinander und über den Zeitraum von 12 Jahren hinweg. Für weniger Geld, schlechtere Versorgung und bei erhöhtem Risiko. Bis zu 30% der US-Streitkräfte im Irak setzten sich aus Nationalgardisten zusammen, die mit ungepanzerten Humvees leichte Beute für Islamisten wurden. Jeder zehnte tote Soldat seit 2001 war ein Nationalgardist. Bei vielen der gefallenen handelte es sich um bereits verheiratete Familienväter oder Mütter oder um sehr junge Menschen, die den Dienst als Sprunghilfe für die Karriere oder patriotische Pflicht für den Staat empfanden.

Das Pentagon sah sich ab 2006 im Irak jedoch mit einer solch schwierigen Lage konfrontiert, dass die bisher vorhandenen Streitkräfte der Army, also die Bodenstreitkräfte, nicht mehr ausreichten. Die Ranschaffung von hunderttausenden Nationalgardisten als Lückenfüller erwies sich für die Teilzeitsoldaten jedoch als fatal. Zum einen wurde ihre maximale Dienstzeit ohne ihre Zustimmung erhöht und zum Anderen gab es kaum ausreichende Vorbereitung auf den tatsächlichen Kampfeinsatz im Irak oder Afghanistan. Mit teils nur zwei Wochen Grundausbildung, schickte man Nationalgardisten in den Kampf gegen sunnitische Extremisten. Dass die Männer darauf nicht vorbereitet waren, zeigte sich in den hohen Verlusten. Die Nationalgarde der USA, welche eigentlich nur im Notfall zum Einsatz kommen dürfte, wurde regelrecht verheizt. Gemessen an ihrer prozentualen Vertretung im Krieg, war ihr Todesrisiko 35% höher, als das normaler Soldaten. Bis heute warten einige Veteranen noch auf Hilfeleistungen, Entschädigungen und Anerkennung ihrer geistigen Verwundungen durch den Kriegseinsatz.




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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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