Großbritannien schwelgt in Nostalgie

 

Großbritannien schwelgt in Nostalgie

„English, Welsh und Scots“ – Zusammen mit Nordirland bilden diese Einheiten das Vereinigte Königreich Großbritannien. Bis auf Falkland und Gibraltar und ein paar Zerquetschte ist nichts mehr übrig vom Empire, dass einst den gesamten Globus umspannte und 1/4 der Landmasse der Welt umfasste. Heute ist das einstige Empire auf eine kleine Insel im Atlantik reduziert und führt eine Existenz am Rande der EU. Man möchte nicht wirklich zum Kontinent gehören. Die indigenen Inselbewohner sind zu stolz um einzusehen, dass ihre große Zeit vorbei ist und sie mehr und mehr in die Bedeutungslosigkeit absinken. Damit meine ich nicht, dass Großbritannien kein gutes Land ist. Es ist ein wunderbares Land mit reicher Geschichte und Kultur. Selbst zu Deutschland besteht seit jeher ein ziemlich interessantes, wenngleich schwieriges Verhältnis. „Always good neighbours – never good friends“ heißt der Auspruch um die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Königreich zu beschreiben.

Die Eiserne Lady Thatcher hat tatsächlich als einzige Premier von Großbritannien in den letzten 50 Jahren noch einmal den Union Jack triumphal über den Falklandinseln flattern lassen. Dieser letzte Sieg des Empires ist der glorreiche Abgesang auf eine Nation, die wie keine andere die heutige Welt geprägt hat. Im Commwonwealth of Nations finden sich fast alle ehemaligen Kolonien der Krone vereint. 53 Mitgliedsstaaten haben sich dort zusammengefunden und sprechen historisch bedingt die Lingua franca : Englisch.

Aber mit der Macht Großbritanniens verhält es sich wie mit dem Fußball. Sie haben den Fußball erfunden und müssen heute mit ansehen, wie jedes Land, dem sie das Spiel beigebracht haben, sie darin besiegt.

Die Vereinigten Staaten von Amerika, vor Indien die wichtigste Kolonie der Krone, fiel schon 1783 von ihrem englischen König ab. Die Verhältnisse haben sich um 180° gewendet. Es ist heutzutage London, sowohl unter Tony Blair als auch unter Cameron, das gehorsam der amerikanischen Außenpolitik im Kielwasser folgt und Washington fast jeden Wunsch von den Lippen abliest. So ist der ehemalige „Master“ zum Diener geworden.

Königin Viktoria war vor einiger Zeit noch die Kaiserin von Indien gewesen. Aber Indien ist dem britischen Einfluss längst entwachsen und selbst das vererbte Westminster Modell wird von den nationalistischen Indern zunehmend abgeschafft. Großbritannien spielt vielleicht noch mit seinen ehemaligen Kolonien Cricket. Aber ansonsten hat es kaum noch Einfluss über die Großen unter den Ex-Kolonien.

Und hinzu kommt der beständig wachsende „Backlash“, also der Rückschlag des Imperiums, den die Briten im eigenen Land zu spüren kriegen. Millionen und aber Millionen von Immigranten und Immigrantenkindern, soziale Probleme, ethnische Konflikte, religiöser Fundamentalismus der Muslime und die katastrophalen Niederlagen in Irak und Afghanistan. Die Spanne zwischen Arm und Reich ist gigantisch geworden und die Tatsache, dass der indigene Engländer in einigen seiner Städte schon zur Minderheit geworden ist, kränkt ungemein.

Vielleicht ist das ja der Grund, warum man sich keine englische Dokumentation über die Küche, die Architektur, touristische Attraktionen oder sonst irgendwas anschauen kann. Alle greifen sie weit zurück in die Zeit von Königin Viktoria, Mary oder König Arthus.

Als 1997 in Hong Kong der Union Jack zum letzten Mal eingezogen wurde, gab China dem Königreich Großbritannien eine würdige und ehrenvolle Zeremonie. Aber die Anwesenheit alter weißer Männer mit grauem Haar und ernsten Gesichtern sprach Bände. Die Briten sangen mit stolz. Aber auch mit schütterer Stimme. Sie spürten, dass etwas endgültig zu Ende ging. „Rule Britannia“ ist vorbei. Es geht auf der Insel heute vor allem um die Selbstbehauptung und den Kampf um die eigene Identität. Dass Schottland nach über 300 Jahren wieder aus dem Königreich ausscheren will, ist ein tiefer Schlag in die Magengrube der Briten. Und deswegen zehrt man in Großbritannien an der Substanz und schwelgt in der wunderbaren, ja der glorreichen Erinnerung. Was bleibt denn auch sonst.




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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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