Gestorben – Wofür? – Afghanistan watet im Blut

 

Still und heimlich raus – Gesicht wahren

Afghanistan ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Zumindest war es das, bis zu den jüngsten Angriffen der Neo-Taliban auf das Parlament in Kabul. Sie demonstrierten damit eine noch nie dagewesene Stärke oder zumindest Schwäche auf Seiten der kabuler Regierung. Dabei sollte jedem der sich mit der Thematik befasst klar sein, dass seit dem Hauptabzug der Kampftruppen der ISAF letzten Jahres und dem nominellen Ende der Mission, die Taliban unüberraschenderweise zu neuer Stärke gelangt sind. Die Sommeroffensive war jüngst wieder so heftig wie sonst nur in den Jahren 209-12.  Aber der Rückhalt der öffentlichen Meinungen für den Einsatz, dessen Sinnhaftigkeit immer weiter ausgehöhlt wurde, ist im Jahr 2014 nicht mehr vorhanden gewesen. Vor allem nicht auf deutscher Seite. Die Franzosen und andere große Nationen waren schon sehr früh abgezogen und hatten die Sache der NATO, wenngleich sie im Auftrag der UN agiert hatten, im Stich gelassen. Die Afghanische Nationalarmee kann die Taliban nicht aufhalten.

Nur einige Kompanien der USA und Nato Verbündete halten dort in Kabul noch die Stellung und führen die sogenannte Unterstützungsmission weiter. Aber alle Kampftruppen sind abgezogen und der Krieg in Afghanistan wurde für gewonnen erklärt, wenn man den Medien der westlichen Welt glauben schenken will. “So sieht gewinnen aus”, sagte ein amerikanischer General vor einigen Jahren erst und Präsident Obama bestätigte diese Aussage indirekt. Mission acomplished. Der schnelle Abzug aus Afghanistan sollte nun Priorität bekommen. Trotz aller Bitten der afghanischen Armee, die 2014 in einem verhältnismäßig gutem Zustand war, wenn man sie mit 2006 vergleicht.  Allen Warnungen und Beweisen von guten Journalisten zum Trotz, zog man frühzeitig ab. Manche Militärs meinen, dass man das schon 2002 hätte tun sollen. Die Nordallianz und andere starke Männer, statt der notorisch korrupte Karzai, hätten Afghanistan übernehmen sollen. Mit Demokratie, Menschenrechten und parlamentarischer Republik als Ziele für das Land, hatte man sich übernommen. Denn daran besteht kaum Interesse abseits der höheren Bildungseliten der Städte. Stabilität, gute Wirtschaft und ein Leben in Sicherheit sind wichtiger. Aber über die Verfehlungen im Einsatz und um den Einsatz lässt sich viel schreiben. Investigative Journalisten wie Lara Logan, die ungeliebte Blondine der USA mit großer Anhängerschaft, hatte bereits 2013 immer wieder hinaus posaunt, dass die Öffentlichkeit über den wahren Zustand des Krieges und des Landes getäuscht wird. Dass Dokumente bewusst gefälscht, Opferzahlen wegrationalisiert und Berichte geschönigt werden. “The Obama Adminnistration is lying to you!”



Deutsche Soldaten wussten das alles schon lange. Man ging zwar mit einem gewissen jugendlichen Eifer ins Land, ahnte jedoch bald, dass die Aufgaben die man sich in NATO Stäben gestellt hatte, nicht zu bewältigen waren. “Vier Tage im November”, “Die reden und wir sterben” – Bücher von deutschen Soldaten die versuchen die Realität abzubilden. Die Leiden des Sisyphos sind nachzuempfinden. Jede geräumte Mine oder jedes IED liegt nächste Woche wieder im Dorf. Jede aufgebaute Mädchenschule wird attackiert oder gesprengt. Jeder reformwillige Malik ermordet.  Dazu das Unvermögen der Politik den Soldaten sinnvolle Regeln zu geben. Sie schränken mehr ein und hindern an der Auftragserfüllung, als sie helfen. Schließlich sei man ja nicht im Krieg. Aber die Realitätsferne ist seit jeher eine Grundvoraussetzung um Politiker zu werden, so scheint es. Den Soldaten der Bundeswehr und ihrer NATO Verbündeten sind größtenteils keine Vorwürfe zu machen. Sie haben am Ende nur ihre Pflicht mit Mut und Ehre erfüllt. Nach bestem Wissen und Gewissen.

Für die NATO an sich und die Bundeswehr als Organisation war der Einsatz eine Feuerprobe, die man mehr oder minder gemeistert hat. Zumindest unter den Soldaten und auf unterer Ebene, lief die Zusammenarbeit meist sehr gut. Aber das Endergebnis, also Afghanistan im Jahr 2014, ist beschämend und das wusste man in Berlin und Washington und Brüssel schon länger. Heute regieren die Taliban wieder dort, wo westliche und auch deutsche Soldaten für die vermeintlich sonnige Zukunft eines freien und demokratischen Afghanistans gekämpft hatten. Viele sind dafür gestorben. Wenn man sich den Staat Afghanistan heute ansieht, der mehr einem “failed state” ähnelt, fragt man sich doch wofür unsere Soldaten und Kameraden dort gestorben sind. Welcher Politiker und General kann denn einer Mutter und einem Vater eines gefallenen Soldaten heute noch in die Augen sehen und sagen, dass es sich gelohnt hat. Dass sich der Tod ihres Sohnes so fern der Heimat gelohnt hat.

Das wäre eine glatte Lüge.




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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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