Die Meere der Welt – Da wo Amerika noch groß ist

 

In dem auch heute noch populären Lied „Rule Britannia“ heißt es, dass Großbritannien die Meere und sogar die Wellen beherrscht. Und vor einem Jahrhundert stimmte das ohne Zweifel. Aber längst ist die einstige weltumspannende Dominanz des Empires auf wenige Inseln im Atlantik und Pazifik reduziert und von der ehemaligen britischen Armada ist

Heute ist nur noch ein Rest geblieben. Spanien hatte einst den Ozean regiert, ehe die Engländer ihnen dort den Rang abgelaufen hatten. Heute hat sich die Situation erneut verändert und sowohl Großbritannien als auch Spanien können nur sehnsüchtig auf ihre glanzvolle Erinnerung zurückblicken.

Denn Amerika beherrscht die Meere und daran besteht in der Weltpolitik und vor allem in Washington kein Zweifel. Allein die geographische Lage Amerikas macht es ihr beinahe unmöglich keine dominante Rolle auf den Ozeanen der Welt einzunehmen. Der errungene Sieg in der Schlacht von Midway über die kaiserliche japanische Marine katapultierte die ozeanische Macht der USA in bis dato ungeahnte Höhen bzw. Breiten. In der Tat kann es keinen Zweifel am Machtanspruch der US Navy über die lebenswichtigen Schifffahrtsrouten geben. Die letzten 20 Jahre haben den Schwerpunkt des Pentagon aus Europa und damit aus dem Kontinent heraus verlegt. Zwar drängt man trotzdem mithilfe der NATO immer weiter nach Osteuropa und Zentralasien vor. Allerdings liegt doch der wahre Fokus Washingtons auf China und der Krisenregion von Morgen: Der Pazifik.

Mit über 320.000 Soldaten und annähernd 500 zumeist hochmodernen Schiffen, ist sie die schlagkräftigste Marine der Welt. Das wird auch daran deutlich, dass sie 20 Flugzeugträger führt, deren Unterhaltung alleine Unsummen an Dollar verschlingt. Selbst China, dass sich anschickt ebenfalls im Pazifik Stärke zu zeigen, kann nur mit einem russischen Flugzeugträger aufwarten, der zudem mit einigen technischen Problemen zu kämpfen hat. Und obwohl Nordkorea und China rein quantitativ mehr Schiffe besitzen, wiegt deren Anzahl vermutlich nicht die allgemeine Rückständigkeit auf.

Aber warum ist die Marine von so großer Bedeutung für die USA? Diese Frage kann auf unterschiedliche Arten beantwortet werden und soll Thema dieses Artikels sein.

Die geographische Lage der USA

Wie oben bereits erwähnt ist der ausschlaggebende Punkt für die maritime Dominanz der USA ihre Lage auf der Weltkarte. Denn die Grenzen der USA reichen vom Pazifik bis zum Atlantik und wenn man die außerhalb des nordamerikanischen Kontinents liegenden Territorien hinzu zählt, dann reicht der lange Arm des Pentagon bis nach Mikronesien in den asiatischen Pazifik. Hinzu kommen etliche Militärbasen und Marinestützpunkte, die sich wie eine Perlenkette über den ganzen Globus ziehen. Wenn man sich diese globale Präsenz ins Gedächtnis ruft, wird deutlich, dass die meisten dieser Gebiete und Stützpunkte durch Wasser verbunden sind und entweder auf anderen Kontinenten oder kleinen Inseln im Nirgendwo liegen. Und dann muss man sich klar machen, dass 90% des Welthandels über Wasserwege stattfindet. Die ganze Globalisierung des Handels findet vor allem auf dem Ozean statt. Amerika ist davon genauso abhängig wie fast jedes andere Land der Erde. Es hat also wie alle Staaten ein natürliches Interesse an der Sicherheit der maritimen Handelsrouten. Um diese Sicherheit zu garantieren benötigt es selbstverständlich eine starke Marine. Denn in Washington weiß man selbstverständlich, dass der Wohlstand und die Macht der USA an ihre Kontrolle oder zumindest an ihre Teilhabe am Seehandel geknüpft ist. Die USA sind nicht wie Europa mit Asien und Afrika via Land verbunden und sind daher tatsächlich noch abhängiger vom Meer als Kontinentaleuropa oder Asien. Da die meisten Länder ebenfalls einen direkten Zugang zum Meer haben und jene die ihn nicht haben, dennoch von ihm abhängig sind, teilen alle Nationen der Erde das Bedürfnis nach Teilhabe am Handel zur See.

Strategische und psychologische Bedeutung der Marine

Die Kontrolle über die strategischen Meerengen bringt den jeweiligen Besitzern nicht nur Einkommen, sondern auch Macht durch potenzielle Blockade. So würde beispielsweise eine Blockade der Straße von Hormus, die den Golf von Oman mit dem persischen Golf verbindet, etwa 40% des weltweiten Erdölhandels unterbinden. Zudem gesellt sich die Fähigkeit überall auf der Welt Militäroperationen durchzuführen. In Verbindung mit Flugzeugträgern und Militärbasen in fremden Ländern hat Amerika schon mehrfach unter Beweis gestellt, dass es rein logistisch in der Lage ist zehntausende von Soldaten und Unmengen an Kriegsmaterial an jeden Ort der Welt zu bringen. Diese strategische Fähigkeit zementiert den Machtanspruch der USA gegenüber dem Rest der Welt. Denn aus der Reihe tanzende Regime wie zuletzt der Irak oder das Gadaffi-Regime können auf diese Weise schnell abgestraft werden. In diesem Zusammenhang wird auch klar, dass jeglicher Verlust dieser Dominanz über die Meere der amerikanischen Souveränität grenzen setzt und die Supermacht schwächt. Daher richtet man den Blick in Washington schon seit einigen Jahren voller Sorge auf das erwachende China und versucht mit einem komplexen System aus Allianzen und Abhängigkeiten den roten Drachen zu zähmen. Das Peking genau wie die USA im Pazifik Einfluss nehmen will, schmeckt dem Pentagon nicht.

Aber neben der unverkennbaren strategischen Wichtigkeit der US-Navy gibt es auch einen sehr emotionalen Grund für die häufigen Manöver der US-Navy im Südchinesischen Meer, im Schwarzen Meer und im Atlantik. Dort können die USA der Weltöffentlichkeit und ihren Verbündeten noch zeigen, dass sie die unangefochtene Weltmacht sind. Die Demonstration militärischer Unbesiegbarkeit. Auf dem Ozean lebt der Nimbus amerikanischer Unverwundbarkeit weiter. Es ist neben der Herrschaft über die Luft auch die einzige Domäne geworden, über die man im Pentagon noch gebieten kann. Und auch dort verlässt man sich zunehmend auf die Unterstützung pazifischer Staaten und etwaiger NATO-Länder um die Last der Verantwortung überhaupt noch stemmen zu können. Und dabei hatte mit dem Ende der sowjetischen Kriegsmaschinerie der amerikanischen Hegemonie nichts mehr im Wege stehen dürfen. Aber trotz des Sieges im Golfkrieg gegen Saddam Hussein, konnte Amerika keinen festen Stand mehr auf dem Boden bekommen. Der Landkrieg, der zunehmend asymmetrisch geworden ist, macht der Supermacht Probleme. Sowohl der Irakkrieg ab 2003 als auch der Afghanistankrieg haben sich für die Landstreitkräfte der westlichen Länder zum Debakel entwickelt. Hier versagte amerikanische Macht und Unverwundbarkeit wie schon in Vietnam. Damit ist nicht gemeint, dass die Westmächte Schlachten verloren hätten. Tatsächlich haben die allermeisten Konfrontationen mit Aufständischen immer mit dem totalen Sieg der westlichen Truppen geendet. Allerdings konnte man nicht die eigentlichen Ziele des Krieges durchsetzen und der Verfall der mit Billionen an Steuergeldern aufgebauten Drittweltländer beschämt die Führungsmacht. Eine politische als auch moralische Niederlage. Der Landkrieg gegen irreguläre Truppen erweist sich für Amerika als Nemesis.

Und genau deshalb ist es umso wichtiger für die USA ihre Präsenz auf den Ozeanen zu fokussieren. Denn das Meer ist blau, der Horizont leuchtet rot und die Wellen schäumen weiß. Auf dem Ozean hält der Pax Americana noch man versteht sich als “Global Force for Good”. Außerhalb der westlichen Welt gerät diese Ansicht zunehmend in die Kritik und der Pax Americana bekommt Risse.

Bild : Foto: USS Peleliu participates in RIMPAC 2014, Official US Navy Page on Flickr


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Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

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