Der stille Sieg Frankreichs in Mali – Den Dschihad stoppen

 

Am 11. Januar 2013 beginnt die “Operation Serval”. Frankreich hat das “Ok” der malischen Regierung eingeholt und mit der UN Resolution die Legitimation zur Intervention erhalten. Der sonst so blasse Francois Hollande gibt als Präsident der französischen Republik den Befehl zum Angriff auf die Islamisten Malis.

Hintergründe

“Movement for Oneness and Jihad in West Africa” (MOJWA), Ansar Dine (Verteidiger des Glaubens) sowie Al-Kaida Kämpfer hatten im nördlichen Mali die schlecht ausgerüsteten/ausgebildeten und unmotivierten Truppen der Regierung vertrieben und einen Gottesstaat samt Scharia errichtet. Der weltweite Ruf zum Dschihad erging von den Islamisten aus und richtete sich gegen die eigene muslimische Regierung. Das Ziel der Islamisten war jedoch nicht nur die Schaffung einer gottgefälligen Ordnung, sondern auch die Etablierung einer Transitstrecke von Nordafrika bis an die Goldküste. Islamische Kämpfer sollten so Bewegungsfreiheit im ganzen Westen und der Mitte Afrikas erhalten. Der Vorstoß richtete sich nicht nur gegen das schwarze Afrika, dessen Bewohner von den arabisch geprägten Islamisten meist als minderwertige Sklaven betrachtet werden, sondern auch gegen Europa. Die Schaffung einer Bruthöhle von potenziellen Terroristen und Schleuserbanden für das Mittelmeer konnte Frankreich nicht tolerieren. Hinzu kamen die vergleichsweise engen Wirtschaftsbeziehungen zu Mali und die Frankophonie. Mali ist eine ehemalige Kolonie des Mutterlandes und hängt kulturell, auch wenn es unglaublich erscheint, enger mit Paris zusammen als man glauben mag.

Die Operation beginnt

Ohne das Eingreifen der Franzosen, so waren sich alle internationalen und nationalen Stimmen einig, wäre Mali gefallen. Das wussten auch die Einwohner. Französische Truppen wurden in der ehemaligen Kolonie wie Befreier begrüßt und “Vive la France” ertönte von überall her. Die einzigen Gegner der Intervention, waren europäische Linke und internationale Anti-Kriegs Organisationen, die eine furchtbare Eskalation befürchteten und Frankreich koloniale Ziele unterstellten. Ägyptens damaliger Präsident Morsi (Muslimbruder) verteufelte die Franzosen natürlich und ging sogar soweit, die Islamisten im Norden zu loben. 96% der Malier hingegen befürworteten die französische Hilfe und bejubelten die Soldaten der Grand Nation wie Helden.



Aber die Kampagne sollte schon in einem Jahr vorbei sein und Frankreich sollte am 15. Juli 2014 alle Kampfoperation für beendet erklären. Von den bis zu 10.000 islamischen Kämpfern waren möglicherweise bis zu 2000 gefallen. Der Rest verstreute sich wieder oder ging in der Bevölkerung auf. Frankreichs eigene Verluste betrugen 9 tote Soldaten und einige zerstörte Fahrzeuge.

Nach dem Sieg kam es auch nicht zu einer Überstülpung französischer Hegemonie, sondern zur Kooptierung der benachbarten afrikanischen Nationen und der malischen Bürger. Die kriegsfähigen Soldaten des Tschad und weitere afrikanische Länder beteiligen sich bis heute an der Stabilisierungsoperation im Norden. Frankreich selbst ist teilweise abgezogen und hinterlässt eine lokale und afrikanische Truppe zur Sicherung des Landes, die von etwa 3000 Franzosen unterstützt werden. Operation Serval war ein strategischer Erfolg. Dass Mali dennoch nicht zur Ruhe kommt, zeigt sich in nachfolgenden kleineren Kampagnen und wiederholten Kämpfen zwischen verstreuten Islamisten und Regierungstruppen. Bisher zeigt sich jedoch, dass die Beteiligung anderer afrikanischer und teils auch muslimischer Länder einen mäßigenden Einfluss auf die ganze Region ausgeübt hat. Der totale Zusammenbruch wurde verhindert. Die Errichtung eines “Terrorist-Highways” fand nicht statt und die afrikanischen Nationen haben die Kontrolle über die Grenzen größtenteils zurück erlangt.

Wenn man sich vergleichende amerikanische Interventionen in Lybien, Irak und Afghanistan anschaut, wo der totale Kollaps aller Ordnung und das völlige Chaos eingetreten sind, könnte man Frankreich zu Mali beglückwünschen. Dass Mali nun nicht zu einem Leuchtfeuer der Demokratie geworden ist, wie sich das Bush für den Irak gewünscht hat, ist klar. Die Ziele der Franzosen in Mali sind jedoch auch keine generelle Umkrempelung der kulturellen und sozialen Ordnung dort. Es sind machtpolitische Ziele. Grenzschutz, Wirtschaftsinteressen und Terrorismusbekämpfung.

Man darf vielleicht vorsichtig hoffen, dass Mali kein Irak wird. Die Franzosen haben früh erkannt, dass die Beteiligung der Nachbarländer, der Stammesstrukturen und kulturellen Identitäten wichtig zur Stabilisierung des Landes ist.  Dennoch könnte sich Mali ähnlich wie Afghanistan zum Sammelpunkt islamistischer Kräfte entwickeln, wenn die Franzosen bleiben.


Bild: Assisting_the_French_in_Mali_130121-F-MS171-200 – Wikicommons


Hat dir der Beitrag gefallen? Wir auf YOUNG GERMAN stecken viel Arbeit und Herzblut in unsere Artikel und wollen uns dauerhaft als alternatives Medium etablieren. Du kannst dich bei uns bedanken, indem du auf Facebook, Twitter oder Minds.com dein “Like” hinterlässt, uns einen Kaffee spendierst oder ein monatlicher Unterstützer auf Patreon wirst. Mit deiner Hilfe wollen wir wachsen und ein unabhängiges alternatives Medium zu den Massenmedien anbieten!


Buy Me A Coffee at Ko-Fi.com

https://www.patreon.com/Younggerman https://www.facebook.com/TheYoungGerman https://www.minds.com/Younggerman

Geboren in Berlin und aufgewachsen im Wedding und Moabit.
Young German ist der Initiator und Hauptautor unseres Blogs. Ein Vielschreiber mitte 20, dessen Hauptfokus auf Außen- und Innenpolitik sowie militärischen Themen liegt. In seiner Freizeit treibt er gern Sport und verbringt viel Zeit in der Natur, sofern er das als Städter einrichten kann und das Studium es erlaubt. Wie viele seiner Generation sucht er die Entspannung auch gerne mal in Form von Games, SciFi und Fantasy.

Schreibe einen Kommentar

Kommentareingaben werden zwecks Anti-Spam-Prüfung an den Dienst Akismet gesendet. Gespeicherte IP-Adressen werden nach 7 Tagen gelöscht. Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Angaben und Hinweise zum Widerrufsrecht finden sich in der Datenschutzerklärung.