Fünf Jahre Young German – Cundars Fazit

 

Die treueren Leser kennen mich vielleicht noch aus einigen Texten aus der Anfangszeit des Blogs. Seit einigen Jahren war von mir nicht mehr viel zu lesen, was mit meiner geänderten Lebenssituation zu tun und das der Austausch sich auf andere Bereiche verlagert hat. Da ich in meinem letzten Artikel auf rund 15 Jahre Aktivitäten zurückgeblickt habe, will ich hier nicht viel wiederholen, sondern ein Fazit zu diesem Blog ziehen.

 

Als ich vor gut 5 Jahr auf den Blog aufmerksam gemacht wurde – ausgerechnet von einem ehemaligen Mitstreiter, der jetzt bei der »bunten« Fraktion fleißig »Konfetti« aussticht – hat es mich gleich gepackt. Die Artikel wirkten stellenweise noch etwas wild aber vom Ansatz her sehr brauchbar. Einige Monate davor hatten ich und ein paar Autorenkollegen vom „Jungdeutsche“-Blog unsere Tätigkeiten aus beruflichen, persönlichen und strategischen Motiven eingestellt. Trotzdem stieg ich beim »Young German«-Blog unter drei Annahmen ein:

 

Annahme 1: Eigenständiger Ansatz zu aktuellen politischen Entwicklungen

Annahme 2: Wille zur Weiterentwicklung

Annahme 3: Der menschliche Faktor muss passen

 

 

 

Annahme 1: Eigenständiger Ansatz zu aktuellen politischen Entwicklungen

Um 2015 herum war die AfD gerade am groß werden, die Identitäre Bewegung war gerade am deutlichsten herausgebildet und später trat dann auch diese komische Demonstration namens PEGIDA hervor. Während sich jetzt sicher unsere Aufsichtsperson vom Verfassungsschutz die Hände reibt, in froher Erwartung, dass ich jetzt meine rechtsextreme Gesinnung bezeuge: Pech. Die Unabhängigkeit und Republiktreue des Blogs war ein wichtiger Ausgangspunkt des Wirkens. Ich hatte damals gesehen, wie schnell interessante Ansätze vollkommen entarten konnten und dass eine Formbildung noch lange kein entsprechende Wirkung zur Folge haben musste: Egal ob IB, AfD, die FREIHEIT, PEGIDA oder andere, es tauchten oft die gleichen finsteren Gestalten, mit den immer noch gleichen altrechten Gepräge auf. Auch ein Rittergut kann schnell zum Narrenturm werden. Schnell wird aus einem vielfältigen und thematisch relevanten Ansatz ein monothematisches Gebräu aus Ressentiment, Frustration und abgedroschenen Phrasen über Metapolitik.

Allein schon vom englischen Namen »Young German« her, konnte das ein oder andere Signal gegen eine solche Entwicklung platziert werden. Zwar verirrte sich immer mal wieder der ein oder andere Rassist zu uns, bekam aber eben nicht die vorgekauten Häppchen Hass mit dem Löffel verabreicht, sondern eher mal was Nahrhaftes. Der Blog musste Raum bilden für neue patriotische Ansätze, ohne sich gleich all zu gemein machen zu müssen, mit den größeren Playern in dieser Sphäre. Dieser Raum sollte sicherstellen, dass der dringend benötige neue, patriotische Ansatz weiterwachsen kann. Vor allem: Das sich in diesem Raum Patrioten finden können, die sonst wohl bei eher zweifelhaften Netzwerken gelandet wären. Eben auch solchen Deutschen, die eigentlich von Multikulturalisten gegen ihr deutsches Vaterland oder regionalen Identitäten instrumentalisiert werden sollten, weil sie oder ein Elternteil eine »Migrationsgeschichte« aufwies.

 

Fazit: Auch wenn der Blog jetzt klar parteipolitisch ausgerichtet ist, hat er sich in seiner Art und vor allem seiner Ausrichtung thematisch lange und bis heute unabhängig gehalten. Ein eigener Stil, Ausrichtung und Sprache heben ihn angenehm von anderen Angeboten in der patriotischen Bloggersphäre ab.

 

Annahme 2: Wille zur Weiterentwicklung

Deutlich desillusioniert von den vorangegangenen Projekten (zum Beispiel, dass es eben keine große gesamtgesellschaftliche Transformation geben wird, die einen »rechteren« Lebensentwurf sichert), bin ich doch zu einigen Überzeugungen gekommen, die es weiterzuverfolgen gilt. Eine davon ist, dass es nie ein „Zurück“ geben kann, sondern immer eine Weiterentwicklung stattfindet. Deswegen muss auch der Blog sich entwickeln. Das tat er und hat sich durch einige Höhen und Tiefen, durch den starken Einsatz des Blog-Eigentümers, gehalten. Dabei wurden unterschiedliche Formen des Blogs durchlaufen: vom persönlichen Blog eines Studenten, zum Gemeinschaftsprojekt, zum professionellen Blogprojekt, bis hin zu einem ganzen Netzwerk aus verschiedenen Angeboten. Brachte ich am Anfang noch eine erfahrene Rumpfmannschaft und einige bewährte Konzepte mit, damit der Blog in größere Gefilde aufbrechen konnte, wuchs auch die Person hinter dem Blog damit weiter. Das war auch das eigentlich beachtliche: Wie die Form des Schreibens und dann auch des miteinander Schreibens Lebensläufe bestimmen kann. Ich wandelte mich so von einem stellvertretenden Chefredakteur hin zu einer Rolle, die eher als »Coach« zu bezeichnen wäre.

Damit war auch klar, dass dieser Blog eben kein rein »politischer« Blog sein durfte, wie es sie damals sehr häufig gab. Deren Autoren wirkten dadurch schnell unnahbar und entrückt. Was manche gerne als »kalte, rechte Souveränität« (meist vollkommen humorbefreit) inszenierten, wirkte auf Nicht-Szeneangehörige eher klischeehaft und unzugänglich.

 

Fazit: Wie bereits kurz angerissen, ist hier der »springende Punkt« wohl am deutlichsten: Inhaltlich, von den gewählten Kanälen und auch die Entscheidungsprozesse dahinter passten sich soweit an, wie es notwendig war, ohne sklavisch einem Prinzip zu folgen oder sich opportunistisch zu verbiegen. Der Blog war kein Selbstzweck, sondern auch Teil eines persönlichen Entwicklungsprozesses von verschiedenen Menschen.

 

Annahme 3: Der menschliche Faktor muss passen

Auch wenn es immer mal wieder einige Sonderlinge im Team gab, die mal mit einem Knall verschwanden oder sich einfach langsam auflösten, war die wildgemixte Truppe an Autoren doch ein stabiler Haufen, der sich bei den spärlich gesäten realen Treffen doch so verstand, als ob er sich schon länger persönlich kennen würde. Ich denke, dass ist auch ein ganz entscheidender Punkt für die zukünftige patriotische Arbeit: Vertrauen, Ehrlichkeit und Freundschaft müssen die Stützen jedes Zusammenwirkens sein. Wo sich Leute gerne zur „Kampfgemeinschaft“ erhitzen, ist das Wesen der Räuberbande nicht weit, in der sich jeder gegenseitig belauert, wann er mal Räuberhauptmann sein oder etwas mehr vom Raubgut abstauben kann. Was für Werte für Leute, die sich doch eigentlich für Ehre, Tradition und Ritterlichkeit einsetzen!

 

Fazit: Auch waren wir Menschen, die im Leben standen. Die Kontakt mit ihren Familien haben, Ehrenämter bekleiden, sich gesellschaftlich einbringen und nicht nur für eine »Sache«, eine »Partei« oder »Bewegung« lebten. Außenseiter, Sonderlinge und Charakterköpfe vielleicht aber eben keine Versager, die Bismarck- oder Ritter-von-Epp-LARPing und »Patriotismus« als Ausrede für ihre eigene menschliche Unzulänglichkeit hernehmen, sondern entschlossen und redlich an positiven Veränderungen oder dem Erhalten des »Guten« arbeiten. Eben damit beschäftigt, dass die deutsche Geschichte weitergeschrieben werden kann.

 

»Rechts zu sein, nicht aus billiger Überzeugung, aus gemeinen Absichten, sondern von ganzem Wesen, das ist, die Übermacht einer Erinnerung zu erleben, die den Menschen ergreift, weniger den Staatsbürger, die ihn vereinsamt und erschüttert inmitten der modernen, aufgeklärten Verhältnisse, in denen er sein gewöhnliches Leben führt. Diese Durchdrungenheit bedarf nicht der abscheulichen und lächerlichen Maskerade einer hündischen Nachahmung, des Griffs in den Secondhandshop der Unheilsgeschichte.« Botho Strauss 1993, »Anschwellender Bockgesang«

 

Gesamtfazit

Auch wenn zum Ende hin der Blog sehr parteipolitisch wurde, in der Leserschaft sich immer noch einige bräsige Gestalten tummelten und die Rezeption in der »Szene» sehr unterschiedlich ausfiel, ziehe ich im Großen und Ganzen ein positives Gesamtfazit. Eine überwiegend reflektierte und bodenständige Leserschaft, die uns mit Treue und Vertrauen beglückte, dazu immer wieder inhaltliche Übernahmen einiger unserer Positionen an anderen Stellen. Damit wurde ein blühender Garten gesät, der nun Wachsen kann, ohne dass wir ihn beständig über dieses alte Werkzeug »Blog« hegen werden müssen. Wir werden jetzt auf anderen Wegen wirken.

 

Das ganze Projekt »YG« wäre natürlich nicht möglich gewesen ohne den beeindruckenden und unermüdlichen Einsatz des Blog-Eigentümers. Trotz politischer Repression, privater Härten und Gängelung durch »antifaschistische Aktivisten« hat er den Blog konsequent weiterge- und betrieben. Geschliffene und scharfe Analysen und »gesellschaftliche Wettervorhersagen«, die leider viel zu häufig auf die ein oder andere Weise eintraten, wurden in einer Frequenz und Qualität geliefert, die mir Respekt und Bewunderung abringt. Manchmal macht der Ton die Musik und der mittlerweile klassische AfD-Jargon schmälerte zwar etwas das Lesevergnügen des ein oder anderen Textes, aber insgesamt ist das mal vertretbar. Außerdem sind die Tendenzen andere… Ich bedanke mich beim Blogeigentümer und den vielen Mitstreitern ganz herzlich dafür, dass ich Teil dieses Projektes sein durfte!

 

Mit »YG« geht auch die Suche nach meiner politischen Heimat zu Ende. Lustiger Weise war diese eigentlich immer da, gerade im familiären Umfeld, doch oft muss man sie sich die Selbstverständlichkeiten erst neu erschließen. Aus dieser traditionell-katholisch (ja, mit monarchistischem Einschlag), christlich-sozialen und nationalliberalen Sichtweise, sehe ich den patriotischen Weg in Deutschland natürlich als einen weiterhin Holprigen an. Mit YG wurden aber Werkzeuge zur weiteren Begehbarmachung verteilt. Wenn jetzt der noch der passende Überbau dazu kommt, könnten wir wirklich am Anfang umfänglicher Änderungen stehen. Hier schließe ich mich meinem Vorredner an, dass hier ein Blick auf David Engels Hesperialismus zu werfen ist. Zwar teile ich seinen Weg in Richtung einer eigenen Parallelgesellschaft nicht (ganz) aber sehr wohl seine Ansatzpunkte zu Handeln (siehe dazu sein Buch »Was tun?« 2020, Renovamen Verlag). Der Blick auf die Tradition, der Blick auf unsere europäischen Nachbarn, der Blick auf die neuen geopolitischen Bedingungen auf unserem Planeten, wird ein Blick in den Spiegel unseres eigenen Zustandes. Es geht weniger um »Konservative Revolution« als eine »Renaissance« des Abendlandes in seinen verschiedenen Facetten. Nicht durch Hass und Unfrieden, sondern durch Verbreitung von Wissen, Fertigkeiten, Befähigung und Erziehung der Menschen, das Kommende aktiv analysieren und mitgestalten zu können.

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