2015: Sturm, Drang und die letzten Tage

Im Frühjahr 2015 ging dieser  Blog hier online. Seither sind über fünf Jahre ins Land gezogen und es hat sich sehr viel verändert: in Deutschland genauso wie bei den Autoren von Younggerman.com. Ich erlaube mir daher ein kleines Fazit und werde im Folgenden die letzten fünf Jahre Revue passieren lassen.

 

Sturm und Drang

Die Bundesrepublik Deutschland ist meiner Meinung nach ein Land, das es seinen Landeskindern schwer macht es zu lieben. 2012 zog es mich direkt nach dem Abitur zur Armee, die schon damals nicht mehr die Truppe war, die einen möglichen Kalten Krieg in seiner heißen Phase hätte kämpfen können. Aber in den vielen Soldaten, die teilweise noch aus der Zeit vor 1990 kamen, schwang noch ein Klang der alten Republik mit, den sie uns mit auf den Weg gaben. Klar, dass auch diese letzte Bastion konservativ-patriotischer Werte und Vorstellungen heute ganz besonders im Fokus des (noch) linken Mainstreams steht. Die Auflösung von Teilen des KsK, der Bildersturm und die Hexenjagd auf Soldaten ohne linke oder angepasste Gesinnung sind nur konsequent durchgezogene Ideen, die schon lange im Raum standen. Der politischen Linken sind Polizei und Militär ein ewiger Dorn im Auge, weil ihnen Disziplin, Pflichterfüllung, Patriotismus und eine realpolitischen Weltsicht nicht schmecken und sie darin durchaus zu Recht die Saat einer konservativ-rechten Antithese zu ihrer eigenen Weltsicht erkennen.

In den Jahren 2000 bis 2014 gab es keine echte politische Heimat für Menschen, die heute mehrheitlich bei der AfD zu finden sind (entweder als Wähler oder als Mitglieder). Wer wie ich in der CDU war, konnte diesen traurigen Haufen nur mit viel Bauchschmerzen ertragen. Die Union hat in den letzten zehn Jahren alles immer wieder verraten, wofür sie vorgab zu stehen. Wer heute noch zur CDU/CSU hält und an einen Richtungswechsel bei der Union glaubt, ist naiv. Denn die heutige Union hat rein gar nichts mehr mit der Union der alten BRD zu tun. In der fauligen Haut der CDU/CSU haust ein Gespenst, das seinen eigenen Namen nicht kennt und sich selbst nicht im Spiegel erkennen würde. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass eine CDU/CSU der 70er Jahre die Probleme des heutigen Deutschland auch nicht lösen könnte. Es gibt kein Zurück in die Vergangenheit.

Wie Maximilian Krah (EU-Abgeordneter der AfD) richtig erklärt hat, vermochte es die Union über Jahrzehnte die vielen konservativ-rechten Strömungen der Bundesrepublik in sich zu vereinen und sie zu neutralisieren. Im Grunde ist die CDU, nicht etwa die politische Linke, der Zerstörer der Republik geworden. Echte Rechte, Liberale und Konservative sind doch spätestens seit 2013 politisch heimatlos geworden. Viele waren es seit den 90er Jahren und haben auf dem Weg in die Gegenwart viele Gegenprojekte scheitern sehen – oftmals durch aktive Mithilfe des Parteienstaates, der keine Konkurrenz wünscht. Das frustriert enorm, verhärtet die Fronten und macht klar wie eng doch das politische Netz der Bundesrepublik gestrickt ist.

Als 2008 und 2009 nicht nur die Gegenöffentlichkeit mit Online-Blogs und Youtube an Gewicht zulegte, brach Frau Kanzlerin Merkel das sechste Siegel über Europa. Mit der «Euro-Rettung» (Crash-Verschleppung), die in den Jahren danach bis heute mit der drohenden Schuldenunion fortgesetzt wird, verprellte man schon damals einen guten Teil der eigentlichen Wähler, die normalerweise (mit Bauchschmerzen) CDU und FDP gewählt hatten. Die ungelösten Probleme der Massenzuwanderung aus bildungsfernen Nationen und kulturfremden Kontinenten waren damals schon dramatisch und eigentlich für Jedermann ersichtlich, wenn er nur gewillt war die Augen zu öffnen. Wenngleich kaum ein CDU-Politiker heute noch mit den Positionen seiner eigenen Partei zum Thema Zuwanderung von vor zehn Jahren konfrontiert werden will – es wäre ihm wohl peinlich. Denn schließlich hat die Union einerseits nichts getan, um den Schaden zu beheben, sondern sie hat ihn sogar noch vergrößert. Und heute wäre es ihr auch peinlich, weil sie unbedingt Beliebtheitspunkte bei den bürgerlichen Linken und radikalen Meinungsmachern im Rundfunk sammeln will. Kurzum: die CDU ist für jeden erledigt, der sein Land wirklich liebt. Die WerteUnion und der ganze krümelige Rest rund um Freie Wähler und Co. sind nur fragmentarische Bruchstücke eines epochalen Vernichtungswerks, das die Union an sich selbst angerichtet hat.

Womit wir nun in die Zeit von Sturm und Drang kommen. 2012 und 2013 trat die «Bewegung» ins Rampenlicht. In Frankreich, wo man mit der Erosion des eigenen Landes schon weiter ist als hier (Lesetip: Die Verwilderung Frankreichs, Tichys Einblick), gründete sich die Jugendbewegung von rechts mit dem Ziel Europa zu revitalisieren und die drohende Überfremdung durch Aktionismus zu thematisieren. Das war alles noch vor der großen Asylmigration von 2015. Hier in Deutschland und Österreich folgte man dem Beispiel der Franzosen und schnell entstand hier noch kurz vor der AfD eine außerparlamentarische Bewegung, die nicht links und anti-abendländisch eingestellt war, sondern sich auf ein christliches, heidnisches und europäisches Erbe berief, das an den Kontinent Europa gebunden ist. Demnach sollten die Einwohner Europas (die schon länger hier leben) ein Mitspracherecht in Sachen Zuwanderung und Integration bekommen. Klar ist, dass sich eine solche Bewegung nicht zu  100% Prozent aus Menschen mit erstklassiger bürgerlicher Vita, Staatsexamen und einem Vorgarten nahe Wustermark zusammensetzt, sondern Personen aufgreift, die seit gut 10 Jahren keine politische Heimat haben konnten oder zunehmend mit den etablierten Parteien fremdelten. Erschreckend ist eigentlich nur wie unfair und brutal mit ihnen von Seiten des Establishments umgegangen wurde. Ein kleiner Vorgeschmack auf 2020 usw.

Kurz darauf trat die AfD auf den Plan, die damals noch mit Bernd Lucke an der Spitze schon früh mein Interesse weckte. Eigentlich war der Stab über der CDU von mir schon durch die unvernünftige Euro-Politik gebrochen worden, sodass ein Wechsel nicht lang auf sich warten ließ. Es war sowieso eine unglückliche Beziehung gewesen und viele Weggefährten und Parteikollegen von damals sind mir gefolgt, sind inaktiv geworden oder einfach nur ausgetreten. Obwohl ich mich ja selbst als Nationaliberalen bezeichnen würde, tummelten sich anfänglich in der AfD noch sehr seltsame Positionen, die heute wohl keine Mehrheiten mehr finden würden. Manch ein heute Ausgetretener war sogar der Meinung, dass man doch gut und gerne zehn Millionen afrikanische Migranten in Deutschland aufnehmen könnte, wenn sie doch nur Steuern zahlen. Ein Glück, dass man sich früh von diesen Menschen getrennt hat. Was eine solche Armutsmigration und vor allem kulturfremde Migration für Folgen für das soziale Miteinander hat, sehen wir ja heute. Messermigration ist da nur ein Stichwort, was von der AfD nicht zu Unrecht geprägt wurde. Ein Staat ist eben mehr als die Summe seiner Steuereinnahmen, sondern basiert auf einem gewachsenen, kulturell bedingten Empfinden von Recht und Unrecht, von Miteinander und Füreinander. Dass die Migrationsfrage zur Schicksalsfrage Europas und Deutschlands wurde, wollte ein Herr Lucke damals scheinbar nicht verstehen. Es war richtig, dass er gegangen wurde.

In den folgenden zwei Jahren nahm der Druck im deutschen Kochtopf zu. Die Auswüchse der Massenzuwanderung, der über die Jahre angewachsenen Parallelstrukturen von Migranten in zweiter, dritter und vierter Generation, waren überall zu sehen. An den Bruchlinien der Gesellschaft entstanden Fronten, die durch ganze Familien und Nachbarschaften gehen. Wer nicht Linker ist, gehört in den meisten Kreisen schon zum Feind. Gleichermaßen hat auch die politische Rechte in Deutschland mit der AfD an Selbstbewusstsein gewonnen und kann Räume im Land für sich in Anspruch nehmen, die vorher verbotenes Land waren. Verbale Eskalationen wurden von beiden Seiten gefahren. Ein Bundespräsident bezeichnete die Demonstranten in Dresden als “Pack”, während irgendwo im Osten ein paar der letzten Menschen (Nietzsche) die Kanzlerin als “F*tze” beschimpften und mit der Bierpulle in der Hand gegen ihre Leibwächter anpöbelten. Derweil fingerten und prügelten sich syrische und irakische Männer durch Köln, Duisburg und andere deutsche Großstädte, während Linksextremisten und ein paar Rechtsextremisten ihr eigenes Süppchen kochten. Für jeden Außenstehenden, der die BRD von außerhalb betrachtet, muss eigentlich klar sein, dass dieses Land seit 2015 völlig aus den Fugen geraten ist. Und wahrscheinlich wird es nicht besser werden. Positiv ist wohl auch, dass 2015 vielen unpolitischen Menschen und einigen eigentlich Linken die Augen für die Problematik geöffnet hat. Die Anzahl derer, die im politischen Schwitzkasten der Bundesrepublik in die Mangel genommen werden, weil sie eine “falsche” Meinung haben, nimmt zu. Mehr Freunde macht sich das Establishment damit jedoch nicht. Es beglückt damit nur die Fanatiker in den eigenen Reihen und verstößt alle, die nicht nibelungentreu sind.

In diesen hitzigen Jahren bildete sich auch im Widerstandsmilieu ein problematisches Umfeld heraus, das mit dem Absterben der NPD irgendwo eine neue politische Heimat suchte. Die AfD ist gut beraten, wenn sie auch in Zukunft Personen wie Poggenburg und Gedeon von höheren Ämtern fern hält und immer zeitnah entfernt, wenn sie diese erkennt. Eine noch schärfere Rhetorik und noch krudere Parteitage und Veranstaltungen mit Satire-Charakter werden nach 2018 nicht über die Stammwählerschaft hinaus auf gute Resonanz stoßen. Vernunftpatriotismus, Augenmaß und ein langer Atem jedoch schon. Ehrlicherweise habe ich 2015 noch anders gedacht und war, als dieser Blog online ging, noch von einem größeren Sturm und Drang beseelt als heute. Ich behaupte heute, dass das eins der größten Probleme der politischen Rechten in Deutschland ist – man will häufig mit dem Kopf durch die Wand und glaubt, dass man mit der Maximalforderung, wenn sie nur ehern vorgetragen wird, den Sieg erlangt. Auch das Konzept der politischen Hygiene hat, wenn es nicht vollends übertrieben wird, einen Sinn. Irgendwo zwischen Flügel und AM gibt es noch eine zentristische Position, die funktioniert. Aber man muss eben auch nicht jedem Spinner und 1933-Cosplayer eine Plattform bieten.

 

Die letzten Tage

In den letzten Jahren hat sich in Deutschland im Grunde viel und doch wenig verändert. Viel, weil der Influx von mehreren Millionen meist männlicher Muslime die abendländische Zivilisation vor eine echte Existenzkrise stellt, während die Enteignung der Steuerzahler voranschreitet und die allgemeine Lethargie noch immer anhält, obwohl mittlerweile wohl Hunderte Pegida-Demos ins Land gezogen sind. Wenig, weil es die AfD bisher noch nicht geschafft hat wahrhaftig über einen gewissen Pöbelpopulismus hinauszuwachsen, auch wenn es Tendenzen in die richtige Richtung gibt. Positive Zukunftskonzepte für Deutschland und Europa müssen her, die etwas taugen und mehr als nur Anti-Haltung zum Establishment sind.  Die Probleme sind erkannt, wurden benannt und nun geht es nur noch um das Erringen von politischen Mehrheiten, um noch den gröbsten Schaden abzuwenden und eine Richtungsänderung anzuleiten.

Letztlich ist das auch einer der Gründe, warum dieser Blog so langsam aber sicher zum Erliegen kommt. Die meisten Sachen sind doch schon gesagt, die Probleme sind benannt worden. Es gibt hunderte Blogs, die sich mit tagespolitischen Einzelheiten befassen, die sich im Grunde nur noch wiederholen. Wer sich seinen täglichen Einzelfall reinziehen will, hat ein Dutzend Anlaufadressen, die diesen oder jenen Mord wiederkauen.  Das ist gar nicht negativ gemeint, sondern soll nur darstellen, dass es mittlerweile eine große Auswahl an Gegenöffentlichkeit im Netz gibt.

Neben der Tagespolitik, die uns alle schwer beschäftigt, sollten wir uns in diesen Tagen ernsthaftig Gedanken über das Leben nach 2015 machen und Fragen, was wir noch tun können. Ich empfehle hier ganz ohne Hintergedanken den Althistoriker David Engels, der sich als Mann von Spengler zumindest doch mal dieser Frage gestellt hat, auch wenn einige seiner Antworten mir nicht gefallen. Er hat zumindest ein Konzept vor Augen, wie es sein könnte und was man tun müsste, um dorthin zu kommen.

In den nächsten Monaten werden sich hier noch ein paar der verbliebenen Autoren zu Wort melden und ein paar Sachen abschließend zusammentragen, ehe das Licht ausgemacht wird. Denn die Studentenzeit ist bei unseren Autoren vorbei, alle sind berufstätig und arbeiten entweder für den Steuerstaat oder aber für ihre Familien. Mir persönlich fehlt mittlerweile schlichtweg die Zeit, um hier noch regelmäßig zu schreiben, wenngleich einige sicherlich bemerkt haben, dass ich hier und dort mal für renomierte konservative Druckerzeugnisse geschrieben habe. Nur fehlt mir auch die Lust mich ständig hier auf dem Blog zu wiederholen und Dinge anzusprechen, die andernorts besser oder ähnlich besprochen wurden.

Allen treuen Lesern und hier gewonnenen Freunden sei daher an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön ausgerichtet.

 

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