Republik und Vernunftpatriotismus

Vor einigen Wochen kontaktierte mich ein alter und guter Bekannter. Er dient in höherer Funktion diesem Land, ist gesellschaftlich enorm gut vernetzt, hoch gebildet und doch bodenständig in seinem Naturell. Ein Familienmensch und Bürger, wie ihn jeder eigentlich gern zum Nachbarn hätte. Er sagte mir, dass er bisher mit gutem Gewissen immer die AfD gewählt hatte. Die von ihr angesprochenen Probleme seien schlicht nicht von der Hand zu weisen und ein großer Teil der Staatsdiener, wenn ihnen etwas an ihrem Dienstethos liegt, wissen das auch und wählen dementsprechend. Das sei in seinem Arbeitsbereich ein offenes Geheimnis, sehr zum Ärger der Linken, die sich gerne und oft in ähnlich abstrusen Verschwörungstheorien ergießen, wie einige von Rechtsaußen. Die EURO-Politik, die Migrationsdebatten, Islamkritik und die immer tieferen Eingriffe des Staates in die bürgerlichen Freiheiten – all dies sind Themen, die nur noch von der Alternative für Deutschland im Parteiprogramm überhaupt richtig angesprochen werden. Dennoch schwenkte das Gespräch schnell vom Lob der AfD-Grundpositionen auf dem Papier zur besichtigten Realität um. Er berichtete mir, dass sein kleiner Besuch auf einem Stammtisch in einem berühmt-berüchtigten mitteldeutschen Bundesland bei ihm mehr als nur Bauchschmerzen ausgelöst hat. «Das war beinahe Echsenmenschen und hohle Erde-Niveau, Marsch auf Rom», sagte er mit bedrückter Stimme und ich, pflichtbewusst in meiner Funktion, versicherte ihm, dass das dort erlebte Niveau nicht repräsentativ sei. Insgesamt erlebte er eine frustrierte Gruppe von älteren und einigen jungen Männern, die sich  im Sumpf Selbstbestätigung, Zorn und kruden Verschwörungstheorien mehr und mehr in Rage redeten. Großvaters gebügelter Anzug konnte nicht über die Tatsache hinweg täuschen, dass übelste Parolen und Schimpftiraden die Stimmung auf dem offenen Stammtisch prägten.

Meinem Bekannten konnte ich einigermaßen ehrlich zwar versichern, dass diese Begegnung nur eine Teilrealität darstellte, musste aber gleichzeitig eingestehen, dass die Außenwirkung der AfD oftmals die eines besoffenen und stinkenden Berufsobdachlosen ist, der zufällig das Evangelium verkündet. Der Obdachlose kann noch so viel Recht haben. Kaum ein Passant wird stehenbleiben und sich länger mit dem übelriechenden Zeitgenossen unterhalten.

Patriotismus ist kein Bierkrug

Markige Sprüche klopfen klappt auf Stammtischen im eigenen Dunstkreis, aber damit erreicht man nicht die Mehrheit in der Gesellschaft. Den rhetorisch Harten zu markieren, mag in der eigenen Bande Wirkung zeigen, wird aber Außenstehende nicht in Scharen anlocken und die Schnittmenge der Wählerschaft, die jetzt noch auf der Kippe stehen und sonst bei einem Kemmerich der FDP oder einer im Landkreis gut vernetzten und produktiven SPD ihr Kreuz machen würden, eher abschrecken. Ein Parteitag in Mitteldeutschland mit Fahnenappell und Humpen-Heben mag in der eigenen Peergroup (Gruppe von Gleichgesinnten) für Applaus und helle Gesichter sorgen. Aber derlei wird nicht bei denen verfangen, die von der Union zu Recht enttäuscht sind, aber ihre Hoffnungen in eine mutlose und personell magere Werteunion oder irgendwelche “Freien Wähler” setzen – oder schlimmer, noch mit der geballten Faust in der Tasche die Altparteien wählen. Rechts der AfD ist die Weide abgegrast und dort gibt es nichts zu holen. Demnach ist klar: wer eine echte kulturelle Veränderung in Deutschland haben will und sich wünscht, dass diesem Land nicht nur Selbstbewusstsein, sondern auch Tradition und Wertekern zurückgegeben werden, hat nur eine richtige Wahl.

Die AfD und die JA ganz besonders haben ein Imageproblem. Sie können nicht auf Massenmedien des Öffentlich-Rechtlichen zählen, die den Linken bei jedem Pups zujubeln. Die AfD und die Junge Alternative stehen unter ständigem Verdacht des Diabolischen und über ihnen schwebt das Damoklesschwert des politischen Inlandsgeheimdienstes, der in Deutschland wie in keinem andern Land Europas sogar die politische Opposition gängeln darf und dabei jedes Maß verloren hat, seit Maaßen fort ist.

Die AfD hat alle rechtlichen Schritte eingeleitet, um sich gegen diesen Verdacht zu wehren und man hat bundesweit ebenso Anstrengungen unternommen, um die schlimmsten Auswüchse eines falsch verstandenen Mutes zu Wahrheit zu bändigen. Diese Strategie wird von allen Lagern der Partei getragen, weil der Schaden bei einem Nichterfolg den Tod oder das traurige Siechen der Partei zur Folge haben wird. Das Schicksal der Republikaner zu erleiden, wenngleich in abgeschwächter Form, wäre  fatal für die Entwicklung Deutschlands.

Nicht zum Pariah zu werden (und die AfD ist auf gutem Wege dorthin), muss Ziel der gesamtparteilichen Anstrengungen werden. Gelingt das nicht, wird man der AfD im schlimmsten Fall die Parteifinanzierungen verwehren, sie bald in keine öffentlichen Gebäude von Städten mehr kommen lassen und alle Beamten und Bediensteten des öffentlichen Dienstes müssten notgedrungen der Partei Lebwohl sagen.  Nicht nur die, sondern auch  Unternehmer und alle, die auf Kontakt zum Rest der Gesellschaft angewiesen sind. Tritt das ein, wird es nichts mit den 30 Prozent oder 25 Prozent. Die AfD kommt dann mit Glück vielleicht auf 10 Prozent, wenn sie nicht völlig versumpft und verschwindet. Und dann scheitert das Projekt AfD, dann scheitert erneut eine konservativ, rechte und liberale Partei und dann wären all die Mühen umsonst gewesen.

Aus dem Militärischem noch ein paar Worte für den Weg:

Der Einzelne hat Verantwortung für die ganze Truppe. Das Verhalten und Fehlverhalten eines Einzigen kann der ganzen Gruppe schaden. Ein Anführer hat wiederum die Verantwortung für alle Mitglieder seiner Gruppe. Im Fall der Partei stellt sich das so dar, dass sie für den Lehrer, Beamten, Polizisten, selbständigen und die alleinerziehende Mutter eine Fürsorgepflicht hat, die nicht einfach ignoriert werden kann.  Es ist sehr leicht zu sagen, dass man Konsequenzen zu tragen hat, wenn man sich in der Politik heutzutage engagiert, wenn man selbst nicht in die Lage kommt betroffen zu sein. Ein Jobverlust durch Engagement in der AfD kann ganze Leben zerstören. Dass es sich hier um ein teuflisches Repressionsmittel der Regierenden gegen eine politische Opposition handelt, ist eine Sache. Es zählt was am Ende hinten rauskommt.

Eine politische Partei bzw. Jugendorganisation, die sich nicht aus einem Querschnitt der ganzen Gesellschaft zusammensetzt, sondern lediglich kleine, radikale Randgruppen sehr verzweifelter Leute repräsentiert, kann und wird nicht attraktiv und erfolgreich sein, ohne verhärtet und empathielos zu werden. Deutschland wird nicht gerettet, wenn sich 200 Leute zu Lagerfeuer, Bier und Midsommar im Wald treffen. Erfolg wird nur die ganze AfD haben, wenn sie Hunderttausend Mitglieder hat, die in allen Schichten und Milieus der Republik vertreten und ganz selbstverständlich keine Unberührbaren mehr sind, sondern geachtete und wichtige Persönlichkeiten, die jeder gerne als Nachbar haben will. Sie wird nur Erfolg haben, wenn die Barrieren der Unberührbarkeit soweit runtergebrochen wurden, dass sich Leute ganz selbstverständlich zur Partei bekennen können, ohne, dass es politisch en vogue ist ihnen dann die Tür vor der Nase zuzuschlagen.

Siegen wird man nur, wenn im Vernunftpatriotismus mit den anderen Nichtlinken im Land einen kleinsten gemeinsamen Nenner findet und sich die Republik zu Eigen macht. Dann kann man sich auch vom Rand her den Zuruf gefallen lassen, dass man dann “Systempartei” sei. Aber System ist nur ein Synonym für Ordnung. Und wenn die AfD eines Tages eine eigene Ordnung in der Republik errichten und erhalten kann, die lebenswert und attraktiv ist, ist es O.K. “System” zu sein. Die Bundesrepublik wurde schließlich auch nicht über Nacht grün, links und antideutsch. Sie ist es in Jahrzehnten emsiger Wühlarbeit durch linke Vereine, Parteien und Protagonisten geworden.

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