Weltpolitik im Golfclub

Deutsche Medien, Almans und Sozialdemokraten sind sich sicher, dass Trump jetzt aus Dummheit und seniler Arroganz den Weltkrieg startete, als er den zweitwichtigsten Mann der islamischen Theokratie töten ließ.

Wenn man die aktuellen Berichte und Kommentare liest, dann bekommt man von den Deutschen folgendes Bild, wie sie sich die Situation vorstellen: Trump sitzt oberkörperfrei in seinem Golfclub, während er mit der einen Hand eine Pussy grabbt, um dabei mit der anderen Hand zu twittern. Zwischendurch kommt er auf die Idee, eine Rakete auf Qasem Soleimani zu schießen. So einfach, so simpel. Dabei kann man bezweifeln, dass Trump der alleinige Urheber dieser Idee war. Man darf nicht vergessen: der US-Präsident hat einen dichten Berater- und Generalstab hinter sich und die größten Geheimdienste versorgen ihn mit Informationen. Dieser Schritt war sicherlich nicht einfach nur eine Schnappsidee, sondern wurde im Pentagon und im Weißen Haus ausgearbeitet und mit anderen Alternativen an den Präsidenten weitergereicht, wo dieser dann entschied, wie man auf die vorige Aggression antwortet.



 

Deutsche Medien verschweigen nämlich gerne, dass vor dem Raketenangriff der Iran seine Stellvertreter über Weihnachten die US-Botschaft im Irak angreifen und belagern ließen – seit dem Bengasi-Trauma eher eine schlechte Idee. Man kann vermuten, dass der Iran mit dieser Aktion Druck auf die USA ausüben und eine Drohkulisse aufbauen wollte, schließlich lebt Teheran davon, gefährlich zu wirken. Wahrscheinlich hat auch die schwere innenpolitische sowie wirtschaftliche Lage im Iran selbst dafür gesorgt, dass die Machthaber mit außenpolitischen Spielereien ablenken möchten. Jedenfalls ist man im Iran wohl nicht davon ausgegangen, dass die USA auf diese Weise antworten werden. Neben den öffentlichen Schmähungen war die Iranpolitik von Bush und vor allem von Obama eher “weich”. Vor allem der Vorgänger von Trump war außenpolitisch ein schwacher Spieler und hat sich von einigen Mächten ordentlich auf der Nase tanzen lassen, schließlich fallen Bengasi und Syrien (“Rote Linien dürfen nicht überschritten werden!”) unter seine Ägide.

Mit Trump hat sich das jetzt eindeutig geändert. Natürlich war der Iran für ihn schon immer der Böse Mann im Nahen Osten, wirkliche Konsequenzen außer dem Ende des Atomabkommens gab es ja nicht. Der Iran hat sich jedenfalls jetzt ordentlich verzockt. Ein Krieg wird es nicht geben, denn die Mullahs hätten den gesamten Nato-Block sowie Israel gegen sich. Zudem ist der Iran von sunnitischen Staaten umgeben, die nachts davon träumen, dass das schiitische Regime in Teheran verschwindet. Auch Russland hat kein Interesse an so einem Konflikt – so sind doch die Iraner fleißige Waffenkäufer und ein Krieg oder Regime Change würde das ändern. Selbst China wird sich nicht einmischen, denn die aufstrebende Macht hat Millionen und Milliarden im Iran investiert, die innerhalb eins Krieges verschwinden würden. Und wie schon angesprochen, ist der Iran innenpolitisch und wirtschaftlich unter Spannung.

Seit Monaten gibt es dort Proteste, die Armut und Wut steigt, Nahrungsmittel verteuern sich um das zehn- und hundertfache, während das Regime ebenjene Proteste hart niederschlagen lässt. Keiner der Machthaber im Iran wird also einen Krieg riskieren, der völlig nach hinten losgehen würde. Ebenso haben aber auch die USA kein Interesse an einem Krieg. Trump warb im Wahlkampf mit einer neuen Außenpolitik und weniger Kriegen. Ein offener Konflikt mit Teheran wäre also ein schlechter Deal. 

Was wohl passieren wird? Trump wird sich für diese Aktion einen Orden an die Brust stecken lassen, denn Soleimani war schon lange auf der Liste der unerwünschten Personen, wobei bisher kein Akteur (Mossad, USA, arabische Staaten) den Mut hatte, diesen zu töten. Der Iran kann nur brachiale Vergeltungstöne spucken, mehr aber nicht. Diese kleine Auseinandersetzung hat wohl Trump gewonnen, indem er mit einer überraschenden Konsequenz auf die erste Aggression antwortete.

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