Jetzt wird’s persönlich… Oder „Die wilden 20er?“

von Cundar

Mit dem Jahr 2020 verabschiede ich mich nur lebensjahrmäßig endgültig in die 30er, sondern kann auf über 10 Jahre patriotische Tätigkeit zurückblicken. Ein Blick zurück und nach nach vorne.

Für Vaterland

Patriotismus, also die Vaterlandsliebe, war für mich immer ein Einsatz für „das Gute“. Mir ging es also nie primär um eine Ideologie, eine Partei oder einen bestimmten Aspekt des »Deutschseins« sondern das Ganze: Aus Liebe zu handeln und nicht aus Hass auf das »Andere«. Im Vordergrund stand daher lange der Kampf gegen die »Alte Rechte« die Anfang der 2000er noch die Deutungshoheit über alle möglichen Begriffe aus dem patriotischen Raum hatte. Ansonsten war klar: Es ging nicht um »links« oder »rechts«, sondern um Deutschland. Unterschiedliche Ansichten, aber das Wohl des Landes fest im Blick. Es tut gut viele Gleichgesinnte aus dieser Anfangszeit jetzt nicht nur erfolgreich als Aktivisten in Bewegungen, als tragende Mitglieder in Parteien oder einfach als ehrenamtliche Engagierte zu sehen, sondern auch als mitten im Lebend stehend. Meist mit Familie, Beruf und Ansehen.



Für Volk

Bei letzterem Punkt wird es dann auch kritisch: »Ansehen«. Während einige Weggefährten (nah oder fern) den Schritt in die echte Welt taten, mussten einige – wie auch ich – weiter in der Anonymität virtuell tätig bleiben. Was war geschehen?

Die euphorische Anfangszeit, die noch von den Nachwirkungen der fröhlichen schwarz-rot-goldenen Flaggenmeere zur WM 2006 profitieren konnte, fand sich plötzlich in einem vollkommen neuen Umfeld wieder. Antifa-Aktivisten, die noch Anfang der 2010er Jahre eher in randständigen Positionen standen bzw. schrieben, waren mittlerweile zu Redakteuren und gut bezahlten Funktionären in Verbänden oder NGOs geworden. Von dort pressten sie jede neue patriotische Regung durch ihre 90er Jahre Schablone: Alles »rechte« wurde endgültig mit »rechtsextrem« gleichgesetzt. Jede dieser patriotischen Positionen muss letztenendes irgendein ein antidemokratisches, verfassungsfeindliches Ziel haben. Derweilen wurde radikal-egalitäre und sozialistische Ansichten mit »Demokratie« gleichgesetzt.

Das Ergebnis sind jetzt Menschen, die noch bei diversen »linken« Jungaktivisten Anfang der 2010er selber als »Ausländer« bezeichnet wurden, plötzlich »deutschnationale Rassist*innen« sind, weil sie in der JU (!), JA, AfD oder vergleichbaren Politik machen. Die schiere Möglichkeit, dass ein Deutscher auch jemand sein kann, der sich assimiliert hat oder eben »deutsch» großgeworden ist , ohne seine persönlichen Wurzeln zu vergessen, wird hinter einem Denkmantel aus Strohmännern und Schwarz-Weiß-Malerei versteckt.

Während ich auf persönlicher Ebene selbst im beruflichen Umfeld diese Position eines differenzierten, aber eben deutschen Deutschseins, auch weiterhin authentisch vertreten kann, wird es dadurch anderen unmöglich gemacht. Menschen verlieren ihren Job, werden per wilder Steckbriefe als »Nazi« diffamiert oder versinken im sozialen Abseits, da sie ihr bisheriges Umfeld herzlos abstößt.

Erklärte Frau Merkel 2010 Multikulti selber noch als gescheitert, ist es unter ihrer Regierungszeit zu einer Vollendung aller gesellschaftspolitischen Ziele der »Linken« seit der 80er Jahre gekommen: mehr europäische Integration (bei gleichseitiger Entfremdung unter den europäischen Völkern), Deutschland ist endgültig ein »Einwanderungsland«, Engergiewandel, Aussetzung der Wehrpflicht, Förderung »linker« Gegenkultur, »Ehe für alle« etc. KEIN (!) einziges gesellschaftspolitisch rechtes Thema konnte sich in den letzten 10 – 20 Jahren behaupten. Was 2003 noch »Normalität« war, ist Ende 2019 stellenweise rassistisch, sexistisch usw. Auch wenn sich unter dieser »Normalisierung« von links patriotische Gegenstrukturen entwickeln konnten, die längst nicht nur aus »rechten« sondern auch »linken« Personen besteht, gibt es noch keine wirksame Opposition. Trotzdem sprechen viele etablierte Stimmen von einem „Rechtsruck“. Woran liegt das?

Um 2013 beschrieb ich sinngemäß, dass in Deutschland ein oligarchisches System entstanden ist, dass mit technokratischen Mitteln herrscht und auf ochlokratische Strukturen zusteuert. Pöbel statt Volk; Stimmvieh statt Bürger.

Durch die sozialen Netzwerke konnte sich unsere Gesellschaft in nie da gewesener Geschwindigkeit polarisieren. Gleichzeitig verloren die bisherigen Strukturen einen unglaublichen Deutungsverlust: Etablierte Parteien, Verbände und vor allem Medien, mussten Alternativen weichen. Unter diesem Druck und der »Erregung gleich Währung« als eigentliches Ziel, wurde es nicht demokratischer, vielfältiger oder gar in einem konstruktiven Sinn pluralistisch sondern brutal-gegensätzlich, spaltend und entfremdend. Die etablierten Kräfte entwickelten eine verbiesterte Besitzstandswaher-Mentalität. Spaltung, Zersetzung und dann ein An-sich-binden wurde – auf beiden Seiten! – zum vorherrschenden Instrument. Wo die eine Seite ungeniert auf Repression zurückgriff (die AfD z.B. wurde von Anfang an kriminalisiert, bis sie jetzt in dem rechtsextremen Spannungsfeld gelandet ist, in dem einige Autoren sie schon zu ihrer Gründung hingeschrieben haben) greifen andere auf enthemmte Aufwiegelei zurück, wie wir es immer wieder bei diversen PEGIDA-Ablegern und einschlägigen Internetseiten sehen konnte.

Hier sind wir bei einem großen Problem der rechten Gegenkultur: Auch wenn der Stiefelnazi eine Randerscheinung geworden ist, so scheinen einige weiterhin gerne jedes noch so verzerrt gezeichnete Feindbild erfüllen zu wollen. So sind die einen dabei vernünftige, kompetente und ästhetisch ansprechende Arbeit abliefern zu wollen, während einige Sympathisanten, Aktivisten und auch Mitarbeiter durchgehend eskalieren, Lügen sowie hässliche Bilder posten oder sich einfach wie Arschlöcher aufführen. Unter oben genannter Erregungskultur, wird der lauteste Irre zum König – oder eben zum Aushängeschild für den Gegner. Der größte Feind der Patrioten ist zurzeit die Inkompetenz bzw. Undiszipliniertheit in den eigenen Reihen. Den gegenwärtigen Versuch, dies mit einer Verhärtung der eigenen Anhängerschaft zu lösen, kann ich nur als falschen Versuch bezeichnen. Denn wir sehen auf der linken Gegenseite, dass so eine verhärtete Anhängerschaft nichts bringt: Sie kann nicht mehr mit Änderungen umgehen und verfällt in sektiererischen Aktionismus. Derweilen versucht die gegenwärtige »Elite« ein Bild zu zeichnen, dass sehr viel im Griff ist, während geopolitisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich offensichtlich und faktisch die Karten neu gemischt werden. All das bringt eine Atmosphäre des tatsächlichen Scheiterns, bei gleichzeitigen Machbarkeitswahnsinn hervor: Wir können unsere Grenzen nicht schützen, haben unser Gesundheitssystem nicht im Griff, unsere Wirtschaftsoberen sind so inkompetent wie sie korrupt sind aber wir werden mit grünen Innovationsthemen China (!) imponieren, hunderttausende unterqualifizierte Wirtschaftsmigranten integrieren und weltweit die Menschenrechte schützen!

Für mich ist es daher sehr wichtig, sich aus diesen Logiken dieser Kommunikations- und Dikussionsart zu lösen und neue Räume zu öffnen, in der das Spiel der Eskalationsspirale nicht gespielt wird.

Für Gott

Nun kommt eine für viele Patrioten provokante Position: Neben dem Tätigkeitsfeld im patriotischen Bereich, war ich schon sehr im kirchlichen (ja, dem römischen) Bereich aktiv. Mit mittelmäßigen Entsetzen durfte ich dann allerdings feststellen, dass sich zu den allgemeinen Skandalen um Missbrauch und Korruption eben auch noch die Kräfte der Zersetzung der kirchlichen Strukturen bedienten, um ihre Agenda durchzubringen. Die ästhetisch-spirituelle Verelendung die ich in Teilen Nord- und Ostdeutschlands kennenlernen dufte, ist so nichts entgegenzusetzen. Das derzeitig bei einigen Gläubigen angesagte marianisch angestrichene Jakobinertum, wird nicht mehr bringen als die Bestätigung der aufziehenden Bedeutungslosigkeit des Ganzen, während man sich persönlich ermächtigt fühlen kann. Die Rolle als Mittler, als positiver Erzieher und Vorbild, die die Kirche – bei allen Verfehlungen – über die Jahrhunderte und insbesondere nach den Kriegen in Deutschland angenommen hatte, ist abhanden gekommen. Ein weiterer Strukturträger verschwindet. Aufgeben werde ich auch hier nicht: Amt und Institution sind heilig, nicht zwangsläufig deren Träger und Funktionäre.

Ausblick

Ein Deutschland ohne seinen Fetisch um das Auto, den Fußball und seinen Discounter-Katalog – für die es sich gelohnt hat, seine Familie, sein Land und seinen Staat zu opfern. Stattdessen wirkliche Werte, wirkliche Gemeinschaften und wirtschaftlicher Verantwortlichkeit. Das ist ein Bild, dass irgendwann in der Zukunft verwirklicht sein sollte. Die Frage ist nur, wie der Transformationsprozess dahin aussehen wird. Klar ist, dass diese Phase der weiteren Vermassung und technokratischen Herrschaftspraxis einige heiße Ergebnisse hervorbringen wird. Die gesellschaftliche Polarisierung wird auch vollkommen neue Formen der Tribalisierung (im Milieu, der Volksgruppe, der weltanschaulichen Zugehörigkeit,…) erzeugen – ein »zurück« wird es nicht geben. Die Frage wird nur sein, wie man die aufkommende Dynamiken aufgreift und in seinem Sinne wandeln kann? Gut ist, wer dabei Verbundenheit erzeugen wird, damit Freiheit möglich ist und kein gegenseitiger Verteilungskampf jede Grundstruktur der Zivilisation weiter einreißt.

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Bild: Bundesarchiv, Bild 102-12023 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0

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