Witcher auf Netflix – seichte Unterhaltung mit ein bisschen “political correctness”

Die TV(Netflix)-Serie zum sogenannten Witcher (dt. Hexer) ist jüngst erschienen. Im Vorfeld wurde innerhalb der Fangemeinde viel diskutiert, ob und wie die Macher aus den USA sich an dem geistigen Werk von Andrzej Sapkowski versündigen würden. Netflix ist bekannt dafür sich sehr an den politisch korrekten Zeitgeist zu hängen und auch die ersten Teaser und Trailer der Serie machten durch die Auswahl der Schauspieler deutlich, dass man sich scheinbar dafür entschieden hat die eher mittel- und osteuropäische inspirierte Welt des Witchers ins Nordamerika oder London des 21. Jahrhunderts zu legen. Aber alles in allem ist die Serie nicht so schlecht geworden, wie viele befürchtet haben. Nur besser hätte man es auch machen können.

Lauren Schmidt Hissrich, die verantwortlichen Produzentin bei Netflix für den Witcher, kann man vielleicht gar keinen Vorwurf machen. Man könnte die Darstellung der Witcher-Welt als eine Art amerikanische Kulturignoranz abspeisen. Frau Hissrich lebt in Los Angelos, stammt aus Ohio und hat scheinbar nicht den blassesten Schimmer wie so eine mittelalterlich inspirierte Welt, die sich stark an europäischen Mythen orientiert und sich aus der gesamteuropäischen Geschichte speist, auszusehen hat. Vielleicht glaubt sie ja wirklich, dass jede dritte Person afrikanische Wurzeln hat und mit einem britischen Akzent spricht. Aber womöglich steckt wie so oft eine Absicht dahinter, wie man an anderen Beispielen aus der Medienwelt sehen kann.



Für das spätmittelalterliche Fantasy-Setting hätte es eigentlich genügend Möglichkeiten gegeben dunkelhäutige Personen einzubauen, ohne dass es nach einer Agenda aussieht. Ferne und fremde Länder gibt es dort auch. Auch in der Welt des Witchers tummeln sich Dunkelhäutige – nur eben nicht im xenophoben Norden, der sowieso schon eine nett verpackte Gesellschaftskritik darstellt. Überhaupt ist spürbar, dass alles was die Werke von Sapkowski und die Spiele von CD-Projekt an literarischer und kultureller Tiefe mitbrachten, in der Serie verloren geht. Die Dialogen fehlt die Würze, gesprochen wird wie aus dem Pausenhof in Südengland und die das Mythische der Welt von Geralt von Rivia ist ebenso abhanden gekommen. Was bleibt sind flache Witze wie aus Avengers oder Deadpool, die dauergeilen Teenagern vielleicht ein Schmunzeln entlocken können, mich zumindest aber völlig kalt ließen. Überhaupt wird spürbar, dass die Serie eigentlich in unserer heutigen Zeit spielt. Nur die Personen hat man in Kostüme gesteckt, die mittelalterlich wirken sollen. Es täuscht jedoch nicht über die Tatsache hinweg, dass die Einpflanzung in die Welt des Witchers dem interessierten Zuschauer nur dann gelingt, wenn er Filme wie Transformers oder Thor wegen ihres Unterhaltungswerts schätzt und schnelle, bunte Bilder mag.

Positiv hervorzuheben ist Henry Cavill als Geralt, der die Hauptrolle wirklich gut ausfüllt, sich deutlich bemüht und scheinbar, wie man Interviews entnehmen kann, sowohl die Bücher gelesen hat als auch ein Fan der Spiele ist. Man merkt, dass zumindest er sich in seiner Rolle als Hexer gut aufgehoben fühlt. Alle guten Stellen der Serie sind Momente in denen Cavill auftaucht und andersherum ist es meistens schlecht, wenn er nicht zu sehen ist. Der Rest des Casts ist austauschbar und es gibt tatsächliche solche Besetzungen, die derartig schlecht sind, dass ich ehrlicherweise mehrmals weiter spulen musste, weil ich mir die filmische Vergewaltigung von mir geliebter Buch- und Spielcharaktere nicht antun konnte.

Und obwohl den Machern mit den Kostümen mehrheitlich eher ein Griff ins Klo gelungen ist, muss man wenigstens festhalten, dass das Sounddesign sehr gut ist. Jeder Schlag wirkt brachial, Metall klingt wie Metall und die fleischig-matschigen Geräusche schaffen es, dass hier eine raue und brutale Welt vermittelt wird.

Die Serie hat trotz allem Potenzial, wenn Requisite und Besetzung einiger Nebendarsteller nochmals überdacht werden. Netflix’ Witcher ist keine Katastrophe, aber auch kein Meisterwerk. Es ist nur noch Unterhaltung für die Massen und bleibt bisher ohne die Tiefe von Büchern und Spielen.

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