Optimismus kann befohlen werden – warum Europäer immer noch Weltklasse sind

Gastbeitrag von J. Broederbond

Eigentlich ist es seit Jahren das selbe Spiel. Wir lesen die Nachrichten, schauen die Tagesschau oder gucken in unsere “Facebook-Timeline” und sind eigentlich für den Rest der Woche bedient. Morgens früh die neuesten Ergüsse aus dem Augstein-Haus zu lesen ist mittlerweile gleichbedeutend mit einem richtig schönen Schlag auf die Nase. Danach hat man eigentlich auf nichts mehr so richtig Lust. Ausser vielleicht auf Schnaps, flaschenweise.

Weil das den anderen Gesellschaftsmithäftlingen in der realexistierenden BRD genauso geht, verstärkt sich der Effekt natürlich in der Filterblase und wird so zu einer Dauerdepression erster Güte. Sehen wir der Tatsache ins Auge: wir sind alle krankhafte Pessimisten geworden. Das ist verständlich, aber es ist weder gesund noch hilfreich. Pessimisten stecken notorisch in der Defensive. Sie verteidigen verlorene Posten mit dem Mut der Verzweifelten. Dabei gelingen ihnen manchmal sogar Achtungserfolge die aber – Pessimisten eben – sowieso nicht kriegsentscheidend sind. “Geht doch eh alles den Bach runter.”

Dabei gibt es durchaus Grund für Optimismus. Schauen wir hinter die Kulissen von PISA und Konsorten sehen wir weltweit eine junge Generation von Leistungsträgern europäischen Ursprungs. Immer noch prägt unsere Kultur diesen Planeten.

Findet man im Ausland Europäer gehören sie häufig in ihren Gastländern zu einer absoluten Leistungselite – Deutsche gehören häufig sogar zu den absoluten Pionieren wenn neue Ideen und Konzepte eingeführt werden. Wer sich aus seinem Dauerkrisenmodus befreit und für einige Wochen und Monate den bundesrepublikanischen Sumpf hinter sich lässt stellt auf einmal fest: Im internationalen Vergleich sind wir immer noch Spitze.

Andere mögen Rechnen können wie Computer, mögen fleissig sein wie ein ganzer Ameisenbau – an Kreativität, Pionier- und Erfindergeist muss man sich immer noch zuerst an uns messen.

Ich will das an einem Beispiel verdeutlichen. Die Andenrepublik Bolivien gehört größtenteils zu dem Teil der Erdoberfläche auf dem der Durchschnittsdeutsche schnell aus der Komfortzone heraus kommt. Entweder ist es kalt, hoch und sonnenverbrannt oder man schlägt sich mit Hitze, Feuchtigkeit und riesigen Krabbeltieren herum. Keine Strände entschädigen für die Strapazen, kurz gesagt: Bolivien muss man lieben lernen.

In Bolivien also findet sich eine Stadt mit dem schönen Namen “Sucre” (Zucker) und in dieser Stadt sind so manche Hostels und Restaurants zu finden. Die meisten entsprechen an Gastfreundschaft und Komfort der Geographie des Landes. Eines dieser Hostels jedoch sticht heraus. “Kultur Berlin” heißt es und wer es besucht, betritt eine Oase europäischer Effizienz und Sauberkeit. Ein historischer Altbau auf hochglanz renoviert, saubere Zimmer und Sanitäranlagen mit einem Blick für Details. Fragt man nach dem Besitzer stellt sich ein unscheinbarer Deutscher Mitte fünfzig als “Klaus” vor. Man würde ihn eher in einem deutschen Büro als in einer bolivianischen Villa im Kolonialstil erwarten. Bescheiden gekleidet und ruhig im Auftreten, hat Klaus so ganz nebenbei nicht nur das unstrittig beste Hostel des Landes auf die Beine gestellt sondern auch noch ein Restaurant gegründet in dem die High Society der Stadt Tisch an Tisch mit Backpackern in Fleecepullovern hervorragendes Essen schmecken lässt. Man muss sich das einmal vorstellen: Anwälte, Richter am obersten Verwaltungsgericht des Landes, Unternehmer und Politiker im feinen Zwirn lassen in einem Hostel am Ort Tische reservieren um dort Geburtstage zu feiern und weil Klaus das noch nicht gereicht hat, hat er ein Ballett gegründet um bolivianischen Volkstanz zu bewahren und nebenbei hat er den Jungs und Mädels auch noch das Konzept eines Schuhplattlers erklärt. Also bekommt nun die bunte Mischung aus bolivianischem Bürgertum und europäischen Backpackern bei Käsespätzle und bolivianischem “Pique de Macho” eine Tanzchoreographie dargeboten in der auf bolivianische Volkstänze ein kurzer Parforceritt durch alpenländische Feierkultur folgt. Dargeboten von jungen Bolivianerinnen und Bolivianern die so nebenbei ihre Kultur wiederentdecken konnten. Alles Dank eines unscheinbaren Deutschen der einer der größten Arbeitgeber in der Tourismusbranche seiner neuen Wahlheimat geworden ist. Er selbst gibt den Werdegang so wieder: “Naja, ich bin halt hier auf meiner Reise durchgekommen und hab mir gedacht, zu Hause hält mich nix und hier ist ein echter Markt für ein gutes Hostel. Naja und dann habe ich das eben stückweise erweitert.”

Es gibt tausende solcher Leistungsträger die weltweit mit großem Elan und einigem Risiko ihren Weg gehen und so nebenbei die besten Visitenkarten der europäischen Völker sind. Keine Merkel, kein Macron kann das positive Image zerstören, dass diese Männer und Frauen im Ausland aufgebaut haben.

Man findet diese Leistungsträger überall, im australischen Outback genauso wie in Nepal oder Patagonien. Es würde mich nicht wundern, wenn die erfolgreichste Marskolonie eines Tages von Leuten wie Klaus am Laufen gehalten wird. Diese Leute sind Grund für Optimismus. So lange dort noch deutsche Tugenden leben, klassische Musik gehört und Bücher gelesen werden ist noch nichts verloren. Denn es ist am Ende eben doch so wie Gabriele d’Annunzio schrieb: “Ich kann nicht nachvollziehen, warum die heutigen Dichter über die Niederungen unserer Zeit jammern und sich darüber beschweren, nicht früher oder später das Licht der Welt erblickt zu haben. Ich glaube, dass jeder Mann von Welt in der Lage ist, eine wunderbare Fabel seines eigenen Lebens zu schreiben.”

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