Edward Bernays und die Erfindung der modernen Propaganda

von Armin

Aus Sicht der meisten US-Bürger war der 1914 ausgebrochene Krieg eine Angelegenheit des fernen Europas. Um wiedergewählt zu werden, versprach Präsident Wilson deshalb der amerikanischen Bevölkerung im Wahlkampf von 1916, das Land aus dem Krieg herauszuhalten. Etwa ein halbes Jahr später benötigte er allerdings unbedingt die Zustimmung der Massen zum Kriegseintritt. Wie konnte er das bewerkstelligen?



Wilson ließ sich beraten und setzte eine Kommission aus Kommunikationsexperten ein, die eine gigantische landesweite Werbekampagne unter Beteiligung von Prominenten durchführte. Erstmals wurden gezielt Methoden der Massenmanipulation eingesetzt, um die öffentliche Meinung in einem solchen Ausmaß zu beeinflussen. Das Experiment gelang: Innerhalb weniger Monate hatte die Regierung Wilson die gewünschte Zustimmung in der Bevölkerung hergestellt, viele Amerikaner meldeten sich sogar freiwillig zum Kriegseinsatz.

Dieser Erfolg war maßgeblich das Werk von Edward Bernays, Wilsons wichtigstem Mann in der Expertenkommission. Bernays, ein Neffe Sigmund Freuds, kann als Erfinder der modernen Propaganda gelten. „Engineering consent“, Zustimmung herstellen, nannte er das, was gelungene Propaganda tut. Zwar griff er auf bereits bekannte Theorien zurück – etwa Gustave Le Bons „Psychologie der Massen“ –, aber erst Bernays setzte diese Grundlagen als praktische Kunst der Massenlenkung in modernen Demokratien um und perfektionierte sie. Später, als der Begriff Propaganda in Misskredit geraten war, sprach er von „Public Relations“ und machte daraus eines der erfolgreichsten Geschäftsfelder überhaupt.

Der Fernsehsender ARTE hat eine bemerkenswert gute Dokumentation zu dem Thema ausgestrahlt, die den Titel „Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache“ trägt (in der ARTE-Mediathek noch verfügbar bis zum 08.11.2019). Wer verstehen will, wie ein wesentlicher Teil der Metapolitik seit gut einhundert Jahren funktioniert, wie also in unseren Massengesellschaften Zustimmung zu Regierungsmaßnahmen „hergestellt“ wird, sollte sich diesen Film unbedingt ansehen. Die wichtigsten Erkenntnisse: Die manipulativen Mechanismen hinter der Propaganda können sogar offengelegt werden, sie funktionieren weiterhin, und Propaganda kann uns auch dazu bringen, gegen unsere eigenen Interessen zu entscheiden. Sofort fallen einem diverse metapolitische Großkampagnen von „Refugees welcome“ bis „Fridays for Future“ ein, die uns dazu bringen sollen, Maßnahmen für gut und richtig zu befinden, die uns schaden, schwer belasten oder sogar zerstören.

Empfehlung: https://www.arte.tv/de/videos/071470-000-A/edward-bernays-und-die-wissenschaft-der-meinungsmache/

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