So kann (sollte) es mit der NATO nicht weitergehen

Im Syrienkrieg gibt es keine Überraschungen. Die Türkei ersucht ihren geostrategischen Standpunkt zu verbessern und mehr Land im rückwärtigen Raum zu gewinnen, um die Kurden am Aufblühen zu hindern. Das ist nachvollziehbar und strategisch nicht völlig falsch. Verrückt wird es nur, wo US-amerikanische Truppen und türkische Soldaten sich mit gezückten Waffen gegenüberstehen und die gesamte Absurdität der NATO wieder offensichtlich wird.

Seit Tagen kursieren die Bilder von Gräueltaten islamischer Milizen im Netz, die im Fahrtwasser der türkischen Invasion als Hilfstruppen eingesetzt werden. Die Jungs für das Grobe quasi, wobei auch die Türken eine jüngere und ältere Geschichte von Kriegsverbrechen haben. Dabei hätte man diese Invasion kommen sehen können, hätte ahnen können, dass es zwischen Washington, dem heranwachsenden Kurdenstaat und Ankara zum offenen Bruch kommt. Die syrischen Kurden haben geglaubt, dass sie aus dem Chaos des Krieges und dem Zerfall Syriens ihren Teil des Kuchens herausschneiden können. Die USA wollen etwas, das Ankara nicht will – das kann nicht funktionieren. Die europäischen Natomitglieder sind hier ohnehin nur Beiwerk, das im Zweifelsfall unfähig wäre zu handeln. Mehr als poltern und kritisieren kann Deutschland nicht. Der absurde Flüchtlingsdeal, der von Anfang an ein schlechter Handel war, dient nun als Erpressungsmittel für Erdogan gegenüber Europa. Aber wer seine eigenen Grenzen nicht schützt und diese Aufgabe lieber den Türken überträgt, darf sich nicht wundern, wenn dieser schlau genug ist die ihm gegebenen Mittel zu seinem Vorteil zu nutzen. Von Staatsführung kann man in Deutschland und den meisten EU-Ländern nicht mehr sprechen.



Auch die Griechen kriegen ähnlich wie die Zyprioten immer wieder zu spüren, dass die außenpolitischen Interessen der Türkei und der Europäer wie Nordamerikaner auseinandergehen. Die NATO ist ein Relikt des Kalten Krieges, dessen Software seit Jahrzehnten nicht mehr aktualisiert wurde. Erneut darf man also Zeuge werden, wie es zwischen NATO-Mitgliedern kracht. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein und die Schwäche der Allianz immer deutlicher machen. Wege aus dieser misslichen Lage gibt es mehrere: Man könnte die NATO verkleinern und auf jene west- und mitteleuropäischen sowie nordamerikanischen Staaten begrenzen, die immerhin einen Atlantik zwischen sich haben. Dann wäre das Bündnis wieder dort angekommen, wo es dem Namen nach mal herkam. Mindestens die Türkei müsste das Bündnis dann verlassen, was für beide Seiten Vorteile und Nachteile hätte. Die NATO würde auf dem Papier eine große und starke Armee am Schwarzen Meer verlieren, die nach Norden hin gegen Russland Front machen könnte. Aber wirklich erprobt wurde die Standfestigkeit dieser Allianz sowieso nie. Möglicherweise wäre es sinnvoller für die Europäer, wenn sie sich ohne die Türken verteidigen und auf ihre eigene Stärke konzentrieren. Machiavelli hat gewusst, dass diejenigen, die sich auf die Kraft anderer verlassen, sehr schnell alleine kämpfen werden. Ein Wegfall der Türkei im Bündnis könnte endlich zu einem Umdenken der Europäer führen, die dann endlich ihre Armeen zumindest wieder an den Standard heranführen, der noch vor zwanzig Jahren gehalten wurde.

Eine andere Option wäre der Austritt Deutschlands oder jedes anderen Staates, der Mut genug hat zu sagen, dass er in solch fragwürdigen und fragilen Allianzen nicht Mitglied sein will. Anbieten würden sich eine kontinentale Allianz in Europa selbst oder eine politische Neutralität. Für Deutschland mag dies aufgrund seiner Lage und Geschichte vermutlich keine Option sein. Andere Länder könnten aber sehr wohl die NATO wieder verlassen und neutral werden. Beispielsweise Dänemark.

Zuletzt bleibt noch die Möglichkeit der Auflösung der North Atlantic Treaty Organization und der darauf folgenden Gründung einer Nachfolgeorganisation, die die Interessen der USA oder die der Europäer besser wiederspiegelt. Möglich, dass Kanada, die Vereinigten Staaten und Großbritannien besser in einer kleineren, aber ideologisch passenderen Allianz zusammenkommen, während sich Frankreich, Deutschland, Italien und andere europäische Länder untereinander verbünden, um kontinentale Interessen zu vertreten.

Angesichts der politischen Kurzsichtigkeit und Feigheit der deutschen Funktionseliten sind solche Überlegungen hier natürlich reine Spielerei und gut gemeinter Rat.

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