Wahnsinn und Verachtung

Erst vor wenigen Tagen versuchte ein Syrer mit einem Messer bewaffnet in die Berliner Synagoge einzudringen. Die Meldung war so schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht war. In Limburg fuhr ein Syrer mehrere Menschen nieder, verletzte neun Personen zum Teil schwer. Von Terrorangriffen will man in beiden Fällen wohl nicht sprechen. Todesopfer gab es nicht – diesmal. Wenige Tage später tötet ein Rechtsextremist zwei Menschen in Halle beim Versuch die örtliche Synagoge zu stürmen und ein Massaker im Stil des Christchurch Attentäters zu verüben. Er scheitert glücklicherweise an seiner eigenen Inkompetenz. Auf die kaputtgesparte und unzureichend ausgebildete Polizei war in diesem Fall kein Verlass. Erst Spezialkräfte konnten den Mann festnehmen.

Wenn die AfD und ihr nahestehende gesellschaftliche Gruppen nun sagen, dass sie sowohl die einen Taten als auch die jüngste verabscheuen und keine davon gutheißen, glaubt man ihr nicht. Dabei überbieten sich die Journalisten, Meinungsmacher und Politiker jeglicher Coleur im Beschuldigen der rechtskonservativen bzw. liberalkonservativen Oppositionspartei. Sie hätte Anteil an der Radikalisierung irgendwelcher Neonazis gehabt und sei für deren Taten verantwortlich. Beweisen sollen das Zitate wie «Vogelschiss» von Gauland im Bezug auf 13 Jahre NS-Herrschaft im Vergleich zur fast tausendjährigen (ja, es ist so) deutschen Geschichte und «Denkmal der Schande» von Höcke im Bezug auf das Holocaustmahnmal(Was soll es auch sonst sein, als ein Mahnmal für die Schande eines deutschen Verbrechens?). Mehr haben die meisten Kommentatoren nicht zu bieten, wenn sie nahelegen wollen, dass eine knapp fünf Jahre alte Partei für die Radikalisierung irgendwelcher Vollversager und Antisemiten verantwortlich sein soll, wenn selbige Proleten wahrscheinlich schon lange vor der Existenz der AfD zum Abschaum der Menschheit gehörten. Auch im Mordfall Walther Lübcke wurde so argumentiert, obwohl der Täter lange, lange, lange vor der AfD bereits ein bekannter und ideologisch gefestigter Rechtsextremist gewesen ist. Solche Leute sehen in der AfD sicherlich nicht ihre Vertretung, sondern höchstens den erweiterten Arm einer ominösen Schattenregierung oder anderer, geheimnisvoller Wirkmächte, die sie irgendwo am Fuße der Turmburg von Zion verorten.



Derweil: Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) droht Polizisten, die sich in der AfD engagieren, mit disziplinarischen Maßnahmen und Peter Tauber von der CDU würde gerne “Rechtsextremisten” die Grundrechte entziehen. Wen genau er damit meint, ist nicht ganz klar. Immerhin rückte er die AfD in eine Ecke mit dem Mörder von Lübcke, wenngleich keinerlei Verbindung besteht. Dennoch bleibt im kollektiven Gedächtnis der meisten Menschen, die Opfer des deutschen Bildungssystems sind und weiterhin zu denen gehören, die ARD, ZDF und Spiegel als seriöse Berichterstattung anerkennen, nur hängen, dass die AfD irgendwie Schuld an rechtsextremen Morden hätte. Dass das nicht stimmt, spielt in der suggestiven Arena der modernen Massenmedien keine Rolle. Bei den meisten Konsumenten, die von den Reportern in der Einkaufsstraße zu Themen des öffentlichen Lebens befragt werden, bleiben sowieso nur Schlagworte und Emotionen hängen.

Zur Verminderung der Konflikte trägt dieses Verhalten nicht bei. Im Gegenteil fachen die Altparteien damit das Feuer an, von dem sie glauben bedroht zu werden. Die Verhärtung der Opposition nimmt angesichts ihrer permanenten Unterdrückung nur zu. Berufsverbote sind längst wieder in Mode gekommen, weil der Verlust des Jobs durch die Folge von sozialer Ächtung wegen einer echten oder vermeintlichen Nähe zur AfD längst einem Berufsverbot gleichkommt. Die Wirkung im Ziel ist die selbe. Auch Bio-Hirse musste schon als Gewächs des Bösen dran glauben. In der polarisierten Gesellschaft der Bundesrepublik nach 2015 gibt es kein Feld mehr, wo kein politischer Grabenkampf ausgetragen wird. Der kulturelle Konflikt ist allumfassend und verschont nichts und Niemanden. Wo SPD, Teile der CDU und die Gesamtheit der Grünen und Linken hinwollen, ist ein völlig anderes Land. Die Zukunftsvision dieser zurecht als Altparteien bezeichneten Organisationen unterscheidet sich grundlegend von dem Land, das die AfD glaubt zurückholen zu können. Dabei vermengt sich BRD-Nostalgie mit Ostalgie und dem Wunsch Staatsvolk, Wohlstand, Industrie und Kultur dieses Landes zu erhalten – und es sei es nur als Rudiment.

In den Reihen der AfD sammeln sich die Menschen, die auch nirgendwo sonst mehr hinkönnen, weil die politische Landschaft am anderen Ufer diesen Wählern und Bürgern de facto den Krieg erklärt und alle Brücken niedergebrannt hat. Sie wollen diese Millionen an Wählern nicht zurück, sie wollen sie im Grunde weghaben. Ihre Geschichte, die von Jobverlust, Ausgrenzung, sozialer Not, Ächtung und dem Erleiden linksextremer bzw. islamistischer Gewalt, erzählt man in den Massenmedien nicht. Da erzählt man nicht von den Schülern, die von ihren Lehrern wegen AfD-Eltern gemobbt wurden oder jenen Studenten, die plötzlich alle “Freunde” verloren haben, weil sie sich schlicht weigerten in den Chor der Verachtung gegenüber der AfD mit einzustimmen.

Auf dem Spielfeld dieser politischen Auseinandersetzung gibt es für viele Meinungsmacher und Wortführer nur noch Freund und Feind. Man ist entweder Teil der große, bunten und irgendwie linken Mehrheit oder eben ein Gegner der Menschheit und Menschlichkeit par ex­cel­lence.

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