Recherche D – Patriotismus und Ökonomie als Einheit?

Betrachtet man (neu)rechte Publikationen, so erkennt man eine gähnende Leere in einer bestimmten Thematik. Die Ökonomie scheint vielen Neurechten ein Gespenst zu sein, denn außerhalb von Bemühungen des Sezession-Autors Benedikt Kaiser sind explizite Texte zu und über Wirtschaft kaum zu finden. Mit Recherche D hat sich Felix Menzel das Ziel gesetzt, diese Lücke zu füllen. Wir haben die sechste Ausgabe gelesen – lohnt es sich?

 



Patriotisch, klein und fein

Am Beginn erstmal zu den Formalitäten und der Vorgeschichte des Magazins. Felix Menzel ist kein Unbekannter, so hat der fleißige Autor aus Chemnitz einige Bücher zu Themen wie Migration und Metapolitik verfasst. Zudem ist er der Herausgeber der Blauen Narzisse, gewissermaßen also ein »Urgestein« innerhalb der neurechten publizistischen Gesellschaft. Nun hat sich Menzel im Jahre 2018 mit Recherche D ein neues Projekt vorgenommen. Grundlage ist hierbei der »Verein Journalismus und Wissenschaft«. Der Verein selbst bezeichnet sich als »Denkfabrik«, welcher »Denkanstöße für die wirtschaftliche Weiterentwicklung Deutschlands« geben und auch als eine Art Netzwerk fungieren möchte. Explizit wird auf der Homepage darauf hingewiesen, dass man sich nicht mit dogmatischen »Kapitalismus vs. Sozialismus«-Scharmützeln befassen wird. Der Infobrief kommt dabei vier mal im Jahr im DIN A5 Format und 54 Seiten. Übrigens: Das Heft ist werbefrei, es gab nur eine kleine Anzeige vom Hayek-Verein Dresden (ich erlaube hier mal einen kleinen Ausruf – schaut euch mal den Verein an, vor allem, wenn ihr aus Dresden kommt!).So weit, so gut.

Gysi in einem patriotischen Heft?

Schauen wir nun mal rein. Auffallend ist, dass das Magazin sehr hochwertig ist. Man findet einen Farbdruck sowie einige Bilder beim Lesen vor. Auch das Layout bzw. die Gestaltung können überzeugen, ist es doch sehr schlicht und basiert fast nur auf den Farben schwarz, rot und weiß. Wie üblich wird man von einem Editorial begrüßt, danach folgen die drei Rubriken Nation, Fundament und Betrieb. Erstere beleuchtet, wie der Name schon sagt, die nationalen Themen in der Ökonomie, während Fundament metapolitische und theoretische Artikel aufbietet. Abgeschlossen wird das Magazin mit konkreten Artikeln zu Einzelaspekten in der Ökonomie.

In der vorliegenden Ausgabe ist das Leitthema eine Studie über die Problemzonen Deutschlands. Dabei gehen die Studienautoren nicht auf konventionelle Art und Weise an die Thematik heran, sondern definieren ihre eigene Methodik und Lösungsvorschläge. Konkret wird dabei auf Sonderwirtschaftszonen und andere Konzepte eingegangen. So wird vorgeschlagen, die Steuern wirklich an die jeweils vom Staat gebotene Leistungen anzupassen – ein Bürger in einer strukturschwachen Region sollte weniger zahlen als in einer strukturstarken. Ein mangelnder ICE-Anschluss könnte zum Beispiel ein »10% Steuerrabatt« bedeuten. Auf die Studie folgt ein (zu) kurzes Gespräch mit Gysi über linke Politik, Treuhand und den Osten Deutschlands. Erfrischend, dass ein linker Politiker in so einem Heft zu finden ist. Es folgen interessante Artikel zu der Bedeutung von Werte und die Wechselwirkung des »Sozialen Kapitals« und Afrika. Das gute Niveau kann der Autor Martin Stirner mit seinem Verriss nicht aufrecht erhalten. So bemängelt er (richtigerweise) die falsche Finanz- sowie Geldpolitik im Westen, kommt dabei aber auf die typischen Schlussfolgerungen, die man auch in Zeitschriften wie Eigentümlich frei vorfinden kann. Hier sei nur mal der Hinweis gegeben, dass Kritik am Sozialstaat nur Bekämpfung des Symptoms bedeutet. Nicht unser Sozialsystem ist krank, sondern das gesamte globale Finanzsystem. Man muss nur die Geldvermehrung der Banken seit der Deregulation der 80er Jahre in den Blick nehmen. Den Abschluss der Rubrik macht ein kurzer Artikel über den Brexit und das Selbstverständnis der Briten.

Das Handwerk ist patriotisch

In der Betrieb-Rubrik folgt ein sehr informativer und gut zu lesender Artikel über das deutsche Handwerker-System, danach ein Plädoyer für Kernenergie und Atomkraftwerke. Der Autor erklärt die Vorteile des Atomstroms und wieso grüne Lobbyisten gegen ebenjenen vorgehen. Im Anschluss folgt es ein Porträt über einen (leider zu oft) vergessenen Ökonomen, denn Florian Müller schreibt über das Leben und Werk des Jospeh Schumpeter. Es folgen eine kleine Buchbesprechung sowie 7 Thesen zu einer konservativ-ökologischen Wende, womit man auch schon das Impressum auf der letzten Seite sieht.

Wie ist das Fazit? Ökonomisch interessierte Leser aus dem patriotischen Spektrum sollten definitiv dieses Projekt im Auge behalten. Auffällig war das fast durchgehende hohe Niveau und die Sachlichkeit (mit Ausnahme des eher polemischen Artikels von Stirner) der vielen Artikel. Sehr überzeugend war das Versprechen, es nicht zu einem Systemdiskurs Kapitalismus vs. Sozialismus kommen zu lassen. Für ein patriotisches Ökonomie-Magazin gab es oft das Wort »Soziale Gerechtigkeit« zu lesen. Felix Menzel scheint wirklich hier die verkrusteten Grenzen innerhalb des wirtschaftlichen Diskurses aufbrechen zu können, denn wirklich links oder rechts lässt sich dieses Heft nicht einordnen.

Für 26 Euro im Jahr kann man Recherche D hier abonnieren. Das besprochene Heft gibt es für 6,50 Euro hier. Ein fast schon lächerlicher Preis für so viel Information.

Folgt Widergänger auf Twitter, Facebook und Instagram oder schaut doch beim Lesekreis auf Facebook vorbei!

Hat dir der Beitrag gefallen?

Spendier uns eine Kleinigkeit, um den Blog zu unterstützen:

5,00
Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Spendensumme: €5,00

Bild: Screenshot www.recherche-dresden.de

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.