Wolfgang Natonek – ein liberaler Student im Kampf gegen die SED

Teil 2 unserer “DDR-Widerstand”-Artikelreihe

Wolfgang Natonek wurde am 03.10.1919 in die neue Deutsche Republik hineingeboren. Der Sohn eines Schriftstellers besuchte ein Real-Reformgymnasium und konnte 1938 das Abitur ablegen. Da sein Vater aus einer jüdischen Familie entstammte und fliehen musste, lebte die Familie in Armut. Natonek konnte trotz seiner Herkunft und der sozialen Notlage ein Studium als Tierarzt aufnehmen, wurde aber während des Krieges eingezogen. 1941 musste er aber den Kriegsdienst verlassen und arbeitete als Hilfsarbeiter in einer Fabrik. Schon dort war er politisch, denn er unterstützte drei geflohene Kriegsgefangene aus Russland und half ihnen sich bis zum Kriegsende zu verstecken. Nach dem Krieg begann er so schnell wie möglich ein neues Studium, diesmal in den Studiengängen Germanistik, Anglistik und Zeitungswissenschaft in Leipzig. Der liberale Student engagierte sich schließlich in einer Hochschulgruppe der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands, welche noch nicht von der SED gleichgeschalten wurde. Schließlich wurde er zum Vorsitzenden des Studentenrates gewählt. Zu seiner politischen Aktivität sagte er folgendes:

„Als wir nach einem sechsjährigen Krieg wieder an die Universitäten kamen, glaubten wir, dass nun endlich die Zeit angebrochen sei, dass wir uns wissenschaftlicher Arbeit hingeben könnten. Keiner hatte die Absicht, an der Universität Politik zu treiben, aber noch viel weniger, in eine Partei einzutreten. Wir sehen jedoch, dass es nötig ist, Parteipolitik zu treiben, damit wir nicht von einer anderen Partei majorisiert werden. Wir wissen, was auf dem Spiele steht.“



Die SED sah Natonek immer mehr als “reaktionären Studentenführer” und versuchte ihn politisch kaltzustellen, da er über Leipzig hinaus an Beliebtheit gewann und ein exzellenter Redner war. Zudem verteidigte er mit weiteren liberalen Studenten die Universität vor sozialistischen Eingriffen der SED. Um eine weitere Wiederwahl zu verhindern, ließ die SED-Führung in Leipzig ihn im Jahre 1948 von der sowjetischen Geheimpolizei verhaften. Der Vorwurf galt “Mitgliedschaft einer illegalen Organisation”. Mit ihm wurden weitere Studenten festgenommen und nach Dresden gebracht. Ein Jahr später wurde er von den Sowjets wegen Spionage verurteilt. Bis 1956 saß Natonek in Bautzen und Torgau, bis man ihn freiließ und er in den Westen auswanderte. Dort wurde er Lehrer, bekam viele Würdigungen und konnte 1989 noch den Zusammenbruch der DDR erleben. Fünf Jahre später verstarb er.

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Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1985-0206-422 / Franke, Klaus / CC-BY-SA 3.0

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