Die kommenden Scharmützel im Pazifik und deutsche Hybris

Der alte Kontinent, Europa, spielt keine übergeordnete Rolle mehr. Die zukünftigen (großen) Konflikte der Welt werden sich nicht im westlichen Zipfel Eurasiens abspielen, sondern den Großraum Pazifik als Austragungsort haben. Die Vereinigten Staaten und die Verbündeten versuchen mit einem eng gestrickten Netzwerk die große Wasserfläche abzudecken, in der sie mit der aufstrebenden Großmacht China konkurrieren müssen. General Robert Brown, Kommandeur der U.S. Army im Pazifik, spricht von knapp 85.000 Soldaten, die gerade in Südkorea, Hawaii, Washington und Alaska stationiert sind und zeitnah in einem Rotationsverfahren in das neue Operationsgebiet Pazifik überführt werden sollen.

Derweil dröhnen die Triebwerke der Flieger auf dem Deck der USS Nimitz (CVN-68), benannt nach dem deutschstämmigen Chester W. Nimitz aus Texas. Die USA, Südkorea, Japan, Thailand, Indonesien und etliche weitere Länder beteiligen sich an den gemeinsamen Marineübungen, die scheinbar immer größer und außenpolitisch bedeutsamer werden. Seit Obama nimmt das Engagement der USA im Pazifik wieder merklich zu, weil man sich unweigerlich bewusst geworden ist, dass Chinas Ambitionen nicht nur geträumt werden, sondern auch vom Reich der Mitte möglich gemacht werden können.



Wenn deutsche Politiker wie Annegret-Kramp Karrenbauer davon reden einen eigenen Flugzeugträger für die Bundeswehr zu beschaffen, grenzt das bereits an professionelle Idiotie. Die Bundesrepublik Deutschland ist kaum in der Lage eine kontinentane Streitmacht aufzustellen, noch kann sie mit den Großmächten auf dem Ozean in Konkurrenz treten. Eine umsichtige Politik in Deutschland würde erkennen, dass für die BRD in diesem «Theatre of war» kein Pokal zu gewinnen ist und jeder Versuch sich dort verstärkt auf der einen oder anderen Seite militärisch zu engagieren, zum Scheitern verurteilt wäre. Diese amateurhafte Flottenpolitik im Zeichen einer europäischen Integration und militärischen Zusammenarbeit ist lachhaft und gefährlich. Nicht nur, weil sich die Bundesrepublik damit international stark exponiert und in einem künftigen Konflikt umso leichter hineingezogen wird, sondern auch weil die geopolitische Lage Deutschlands allein schon festlegt welche Rolle es in der Welt einzunehmen hat. Deutschlands Interessen sind mehrheitlich kontinental. Die Bundesrepublik Deutschland ist eine kontinentale Mittelmacht, die gut beraten wäre keine Abenteuer im Pazifik einzugehen.

Die Männer der SMS Emden sollten die letzten Helden zur See sein, die im Pazifik unter deutscher Fahne segeln und kämpfen durften. Zumindest für die nächsten Jahrzehnte.

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Bild: U.S. Air Force photo/Senior Airman Evelyn Chavez

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