30 Jahre Einheit – eine Artikelreihe

Der kommende Herbst wird ruhig verlaufen. Leider. Nicht nur die Bäume werden ihre Blätter verlieren und sich nackt zeigen, sondern auch die bundesdeutschen Politiker. Mal wieder wird sich ihre Geschichtsvergessenheit zeigen und die peinliche Distanz zur deutsch-deutschen Geschichte entblößen. Dieses Jahr ist das dreißigste Jubiläum der Wiedervereinigung. Was in jedem anderen Staate der Welt ein Fest der Freuden wäre – man denke nur an die großen Paraden der Franzosen am 14. Juli oder den Stolz der US-Amerikaner auf ihren Unabhängigkeitstag – wird in Berlin für Totenstille sorgen. Dort weiß man mit dem großen Geschenk des Schicksals nichts anzufangen, zu sehr wäre ein großes Jubiläum ein Fremdkörper in der deutschen Geschichtspolitik. Man munkelt sogar, dass einige Volksvertreter immer noch nicht die Wende 1989 verkraftet haben – “Verrat am Sozialismus! Ausverkauf an den Westen!” spricht der eine oder andere Genosse leise, wenn kein Mikrofon in der Nähe ist. Die Schmach des Untergang des Sozialismus liegt noch tief im Gedächtnis einiger linker Politiker. Aber nicht nur dort! Selbst in – vermeintlich – bürgerlichen Parteien wie der CDU weiß man nicht so recht, wie man mit dem kommenden Jubiläum umgehen soll. Immerhin konnte man sich inzwischen darauf verständigen, dass es eine Feier geben wird. Dabei spricht es Bände, dass man dafür extra beim Finanzminister um besondere Ausgaben anfragen musste, weil man bei der Haushaltsplanung das Jubiläum – zufällig? – vergaß. Auch die Idee der Planung eines Einheitsdenkmals ist mittlerweile ausgegraben wurden. Nachdem es jahrelang wie ein Gespenst durch die Planbüros der Politiker in Berlin geisterte, hat man sich jetzt auf eine modische und moderne “Wippe” geeinigt.

Bei all dem könnte man meinen, dass die Politiker das kommende Jubiläum eher als ein Termin zum Karneval ansehen. Anders kann man sich diesen Zirkus nicht erklären. Dieser Kindergarten reiht sich aber in den Umgang mit der deutsch-deutschen Geschichte ein. Geschichtspolitisch war diese Thematik schon ab der Wende ein Schlachtfeld zwischen Linken und Bürgerlichen. Erstere wollen die Verbrechen der SED-Diktatur unter den Teppich kehren, zweitere waren an einer Aufarbeitung interessiert. Nach dem Untergang der DDR waren die Bürgerlichen eindeutig in der Mehrzahl. Man tat in den 90ern einiges, um Wiedergutmachung zu leisten und die DDR-Archive auszuleuchten. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Immer stärker relativieren linke Politiker die kommunistische Diktatur Ostberlins sowie der Sowjetunion, man behindert die Historiker bei der Arbeit. Das neuste Beispiel: Baberowksi, ein ausgewiesener Kenner des stalinistischen Terrors und Osteuropas, wurde ein Institut zur Forschung an totalitären Systemen an der HU Berlin verwehrt. Warum? Weil er angeblich rechtsradikal sei. Auch anderen Historikern und Kennern der DDR-Geschichte werden Steine in den Weg gelegt. Exemplarisch sei hier an der Stelle an den Fall um Hubertus Knabe erinnert. Dieser war Leiter der Gedenkstätte in Hohenschönhausen und ist ein großer Kritiker der Linkspartei. Er selbst durfte Bekanntschaft mit dem MfS machen – er bekam ein Einreiseverbot, weil er politische Literatur in die DDR schmuggelte und ein IM ihn verriet. Nun wurde er aus der Gedenkstätte rausgeschmissen. War er zu kritisch? Vor allem Klaus Lederer (Die Linke), der Kultusminister Berlins, war auf Knabe nicht gut zu sprechen. Offiziell wurde er wegen falscher Führung entlassen – so habe er sich nicht richtig um die Aufklärung einen Missbrauchsvorwurfs seiner Angestellten gekümmert. Skandalös, aber auch traurig: Die CDU’lerin Monika Grütters hat bei der Farce um die Absetzung Knabes mitgemacht und eine wichtige Rolle gespielt.



Das Fazit lautet: es steht schlecht um eine angemessene Erinnerung an die DDR. Die Geschichtsschreibung rückt immer mehr in die linke Ecke. Diesem Trend will sich Young-German entgegenstellen. Die kommunistische Diktatur auf deutschen Boden darf nicht als ein kleines Kapitel der deutschen Geschichte behandelt oder sogar beschönigt werden. Auch wenn Linke es gerne hätten – ein Vergessen wird und darf nie geschehen!

Aus diesem Grund hat sich das Team von Young-German eine Artikelreihe zum dreißigsten Jubiläum der Einheit ausgedacht. In einer Zeit, in der Konformität und Gleichheit wieder mehr als Standard angesehen wird, ist ein eigener Kopf ein wichtiges Werkzeug. Ein wacher und freier Geist ist der ärgste Feind der Gleichmacherei. Wer in einem totalitären Regime Widerstand zu leisten vermag, handelt mutig und nötigt einem Respekt ab. Wir möchten deshalb wichtige und interessante Personen aus dem Widerstand innerhalb der DDR in den nächsten Wochen einzeln vorstellen und ihnen ein kleines digitales Denkmal schaffen, damit diese nicht in Vergessenheit geraten und eine angemessene Würdigung bekommen. Nur so kann der Geschichtsvergessenheit der Politik und der Relativierungen der Linken einen Strich durch die Rechnung gemacht werden.

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Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0116-013 / CC-BY-SA 3.0

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