Ein zäher Kampf

Nichts was es wert ist zu besitzen, ist einfach zu erlangen.

Deutschlands politische Situation ist im Grunde leicht zu beschreiben und zugleich unmöglich zu spezifizieren. Die alte Bundesrepublik Deutschland, die noch von unseren Vätern und Vorvätern geträumt wurde, zerfällt. Sie zerfällt in Strömungen, tribalistisch denkende Grüppchen von verschiedenen Interessengemeinden, die ganz und gar unterschiedliche und inkompatible Vorstellungen von der Zukunft dieses Landes haben. Zwischen Grünen und AfD bewegen sich nur die Parteien der Beliebigkeit und des Nichts. Die allermeisten Parteien der sogenannten Mitte, die Erben der BRD, also SPD, CDU und FDP, werden sich mehrheitlich auf die Seiten des neuen, linken Zeitgeistes schlagen. Einige Reibungsverluste mag es noch geben, die ihr Glück woanders suchen. Aber im Großen und Ganzen spielt sich nun fast alles zwischen diesen beiden Grundsatzpositionen ab.



Die Grünen stehen für alles, was die AfD ablehnt und andersherum. Alle Weltvorstellungen der global orientierten Wählerschaft der Grünen (teils auch Linken und SPD), sind absolut inkompatibel mit denen der lokal verankerten Wähler der AfD. Das Phänomen sehen wir überall in Europa und dem übergeordneten Westen als geopolitische Einheit. Einheimische und gut angepasste Migranten der Mittel- und Unterschicht, mit kleinen Zipfeln der Oberschicht, kämpfen politisch gegen die selbstbewussten Minderheitenvertretungen von Migrantenvereinigungen, globale Oberschicht und einen Saum an Mittel- und Unterschicht, die sich noch nicht entschieden haben, ob sie mit absteigen oder lieber aufsteigen wollen. Zwischen diesen Polen wird das alte System zerrieben. Was für eine Generation der Erste Weltkrieg war, der das Ende der alten europäischen Mächteordnung einleitete, ist für unsere Generation in Westeuropa und Nordamerika die rasant fortschreitende, teils forcierte Globalisierung, die alle Bindungen des letzten Jahrhunderts (Familie, Rechtsordnung, Staat) neu bewertet und mitunter zerstört. Wirtschaftkrise und Masseneinwanderung katalysieren die Entwicklung, die bereits seit den frühen 2000ern (und noch früher) absehbar ihren Lauf nahm.

Den patriotischen Parteien Europas muss klar sein, dass sie erst am Anfang eines langen Weges stehen. Sie müssen sich professionalisieren, eigene Gegenöffentlichkeiten fördern, Netzwerke aufbauen und das machen, was die linken Organisationen und Parteien seit Jahrzehnten perfektioniert haben: rechte/konservative/liberale/libertäre Zivilgesellschaft bilden. Eigene Strukturen müssen entstehen, die über das Tagesgeschäft der Parteien beständig bleiben und die Anliegen der potenziellen Wählerschaft artikulieren und konservieren können. Der Sieg der Altparteien, wie man sie zu Recht in Deutschland nennt, ist nie ein Sieg ihrer Parteiprogramme gewesen, sondern lässt sich auf die Nutzbarmachung zivilgesellschaftlicher Strukturen zurückzuführen. Was in Kreisen vieler Protestwähler als Establishment verschrien wird, ist genau das, was den Sieg der heutigen Linken (CDU eingeschlossen) ermöglichte. Die Rechtsparteien Europas müssen den selben Weg durch die Insitutionen gehen, eigene aufbauen, Bildung, Kultur und Medien dominieren, da ihnen sonst auf Dauer ihre Wähler schlicht und einfach erodieren. Sie sterben, rein demographisch, ab. Wenn keine neuen herangebildet werden können, verlieren die Rechtsparteien in den nächsten Jahren immer mehr an momentum und werden kleiner werden.

Es geht nicht darum die eigenen Positionen aufzuweichen, um für jetzt existierende linke Wähler wählbar zu werden. Vielmehr muss der harte und zähe Kampf um die Herzen und Köpfe (Hearts and Minds) der kommenden und jetzt jungen Menschen angetreten werden.

In diesem Abnutzungskrieg auf die etablierten Medien zu setzen und zu hoffen, dass man durch Anbiederung und Abschwächung von diesen Milde  zu erwarten hat, wäre töricht. Die einzige Möglichkeit ist, ein so gewaltiges und mächtiges Netzwerk aus Alternativmedien und Organisationen des öffentlichen Lebens zu errichten, dass die Abnutzungsschlacht ausgehalten werden kann, bis man selbst am Hebel der Macht ist, um dann womöglich die staatlichen Strukturen und zivilgesellschaftlichen Organisationen selbst zu übernehmen. Wer die politische Kultur prägt, die metapolitische Vorarbeit leistet und dies über Jahrzehnte konsequent tun kann, erspart sich den Wahlkampf. Denn seine ideenpolitischen Grundsätze sind bereits in den Köpfen der Menschen verankert, bevor sie überhaupt wählen gehen.

Die AfD und die anderen Rechtsparteien Europas brauchen einen langen Atem und die Zähigkeit, um nicht auf schnelle Erfolge alleine abzuzielen, sondern das «long game» zu spielen.

Hat dir der Beitrag gefallen?

Spendier uns eine Kleinigkeit, um den Blog zu unterstützen:

5,00
Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Spendensumme: €5,00

Bild: Public domain photograph from defenseimagery.mil.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.