Und jährlich grüßt der Waldbrand

Der deutsche Meinungsmacher ist stets zur Stelle, wenn es brennt. Aktuell sorgt sich der deutsche Journalist um den brasilianischen Regenwald. Aber auch nur, weil es politisch opportun ist.

Waldbrände sind in der trockenen Jahreszeit unumgänglich. Sei es in Sibirien, in Brandenburg, Kalifornien oder im Amazonas-Gebiet – jährlich brennen rund um die Welt die Wälder. Für den modernen Weltenretter ist das eine Katastrophe. Dieses Jahr interessieren sich die Journalisten aber vor allem für die Waldbrände in Brasilien und können sich dabei gar nicht zurückhalten, wenn es um Kritik am verhassten brasilianischen Staatspräsidenten Bolsonaro geht. Dieser Eifer fällt auf, denn in den letzten Jahren gab es derartige ausführlichen Berichte und Meldungen über Waldbrände im Amazonas-Gebiet nicht. Schaut man sich Daten aus Statistiken, unter anderem von der NASA, an, dann fällt auf, dass die diesjährige Feuerkatastrophe einen “normalen” Verlauf nimmt. Die Brände im Jahre 2016 waren zum jetzigen Zeitpunkt sogar extremer – aber kann sich irgendwer an die hingebungsvolle Berichterstattung damals im August erinnern? Wahrscheinlich nicht, denn kaum eine Redaktion berichtete damals über die schlimmsten Waldbrände in der Amazonas-Region Brasiliens. Davon ganz abgesehen, dass man trotz der vielen Hiobsbotschaften noch meilenweit von den Verheerungen des Jahres 2005 entfernt ist – damals wüteten die bisher schlimmsten Waldbrände im Amazonas-Gebiet. Noch interessanter ist der Fakt, dass die Waldbrände im gesamten Amazonas-Gebiet Südamerikas gerade recht “durchschnittlich” bezüglich der Zerstörungen performen. Die NASA kam vor ein paar Tagen zum folgenden Schluss: “As of August 16, 2019, an analysis of NASA satellite data indicated that total fire activity across the Amazon basin this year has been close to the average in comparison to the past 15 years.”

Warum stehen dann die aktuellen Waldbrände in Brasilien so im Fokus? Aufmerksame Medienkenner werden es wohl wissen – Framing! Es passt einfach perfekt zu der Agenda der deutschen Meinungsmacher. Man kann nämlich perfekt bei der Berichterstattung und in den Kommentaren eine Hassfigur angreifen und Haltung zeigen – und zwar den brasilianischen Präsidenten. Neben Orban, Trump und Putin ist Bolsonaro wohl einer der meistgehassten ausländischen Politiker. Für deutsche Journalisten ist er nämlich das Übliche – rechtsextrem, rechtsradikal, pro-trump, usw.

Man könnte meinen, die durchschnittlichen Waldbrände des Jahres 2019 sind den Journalisten eigentlich egal. Im Fokus steht Bolsonaro, der es wagt, anders Politik zu machen als Prantl und Restle es möchten. Und weil man sich des grünen Daumens der Deutschen bewußt ist, bringt man die durchschnittlichen Waldbrände täglich in den Fokus, damit der Konsument weiß: Bolsonaro bad!

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