Wenn deutsche Kinder es als normal empfinden, wenn sie in der Minderheit sind

Meine Tochter kommt jetzt ins Grundschulalter. Es war also Zeit für mich, eine geeignete Schule für sie zu finden. Dabei bot sich mir die Gelegenheit meine alte Grundschule in Aachen zu besuchen, die ich seit gut 30 Jahren nicht mehr gesehen habe. An sie und meine alten Lehrer habe ich, soweit ich es noch weiß, nur gute Erinnerungen. Ich gehöre leider zu den Menschen, die erst relativ spät gemerkt haben, dass in diesem Land etwas grundlegend falsch läuft. Die demographische Entwicklung holte mich in Aachen wieder ein, als ich den Schulhof mit meiner Tochter an der Hand betrat.

Sie war das einzige hellhaarige Kind auf dem Pausenhof. Überall hörte ich türkische, arabische und paschtunische Wortfetzen. Im Sekretariat angekommen, informierte man mich darüber, dass die Klassen alle überbelegt seien und die Lehrerschaft, die ich von früher kannte, natürlich längst im Ruhestand war. Stattdessen begrüßte mich ein junger Deutschlehrer, ein ganz eigenartig glatt aussehender Kerl, der wirkte, als würde er in seiner Freizeit bei der autonomen Antifa mitmachen. Als ich ihn fragte, ganz vorsichtig, ob es Probleme in den Klassen gäbe, weil der Ausländeranteil hier doch recht hoch schien, verneinte er dies augenblicklich und sehr energisch. «Wir haben hier einen sehr geringen Ausländeranteil», betonte er. Nur die Hälfte der Kinder käme von außerhalb. Und besonders stolz sei er auf das gute Funktionieren mit den wenigen Flüchtlingskindern. Die Sekretärin, eine ältere Dame, warf mir dabei vielsagende Blicke zu und verdrehte die Augen. Ich wusste schon, was sie mir sagen wollte.



Schon nach ein paar Minuten Gespräch mit dem Direktor, ein mir bekanntes Mitglied der Verdi NRW, war klar, dass dies nicht die Schule meiner Tochter werden würde. Man hätte zwar noch Platz für meine Tochter, fragte aber explizit nach meinem «Bedarf». Schließlich müsse man priorisieren, hieß es. Meine Irritation schlug langsam in Verärgerung um und ich empörte mich gegenüber dem Herrn darüber, dass ich mich erklären sollte, warum mein Kind einen Bedarf an Bildung habe. Gäbe es denn nicht eine Bildungspflicht? Ich kam mir wie ein Bittsteller vor, dessen Anfrage als Belästigung empfunden wurde. Wir gingen schnell wieder.

Und als wir schon halb vom Pausenhof runter waren, traf ich eine deutsche Mutter, die gerade ihre zwei Kinder zur Schule brachte. Sie waren wohl in der vierten Klasse und würden bald auf das Gymnasium gehen. Wir kamen sofort ins Gespräch und ich löcherte die Dame natürlich hinsichtlich ihren Erfahrungen mit der Schule, erzählte ihr, dass ich vor Jahrzehnten auch hier unterrichtet worden war. Sie war vorsichtig, ließ aber anmerken, dass sie froh sei, dass ihre Kinder bald auf die Oberschule gehen würden. «Habt ihr viele Freunde hier?» fragte ich die beiden Mädchen der Mutter, die die Frage schnell verneinten. Sie hätten nur ganz wenige Freunde, weil die anderen Kinder sich nicht mit ihnen unterhalten und befassen wollen. Auf die Frage hin, ob es viele andere deutsche Kinder gäbe, mit denen sie spielen würden, gab es fast so etwas wie Kichern von den Mädchen. «Nein», natürlich nicht. Was für eine Frage!  Dass ich überhaupt so eine Frage stellte, schien mich als Dummkopf in den Augen der beiden Mädchen zu brandmarken.

 

Quelle: https://www.staedteregion-aachen.de/fileadmin/user_upload/A_43/Dateien/Bildungsmonitoring/bildung-in-zahlen_1218_final.pdf

 

Die Aussage des Deutschlehrers und die Erfahrungsberichte der Mutter und ihrer Kinder ließen mich nicht los. Es passte nicht wirklich zueinander. Ein kurzer Blick in die offiziellen Statistiken gab zumindest Aufschluss über die zahlenmäßige Zusammensetzung der Demographie in Aachen. Besonders fiel mir dabei ein Satz ins Auge:

«Die hier aufgeführten Daten sind dem Ausländerzentralregister (AZR) entnommen. Im AZR sind alle Personen registriert, die keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Unter den Begriff Ausländer fallen dabei alle in Deutschland lebenden Personen, die ausschließlich einen ausländischen Pass besitzen. Zugewanderte mit ausschließlich deutschem Pass sowie Doppelstaatler und ihre Nachkommen gelten nicht als Ausländer. Quelle: Ausländerzentralregister (AZR) 2018 »

Nun bin ich kein Mensch, der einem gut integrierten Einwanderer das Deutschsein absprechen würde. Im Gegenteil hat die Integration früher in NRW oft gut funktioniert. Italiener, Polen und einige Türken der ersten Gastarbeitergeneration sind ganz selbstverständlich eingedeutscht. Aber mich erschleicht der Verdacht, dass es in der erlebten Realität auf dem Pausenhof keine Pässe gibt, sondern nur tribalistische, ja ethnisch-religiöse Gruppenbildung. Mögen die Kinder mehrheitlich einen deutschen Pass haben, bildet dieser jedoch nicht ihre eigentliche Identität ab. Sie sind augenscheinlich eben nicht deutsch, sondern kulturell vom Elternhaus und der Heimatkultur eben dieser geprägt.

 

 

«Auf Rekordkurs erzielt Aachen bei der Bevölkerungszahl neue Höchstwerte. „Aachen wächst nicht nur, weil wir Flüchtlinge aufgenommen haben, sondern weil wir Anziehungskraft gewonnen haben — hier spielt das Thema Wissenschaft eine besondere Rolle“, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp am Donnerstag beim Neujahrsempfang im Aachener Rathaus.

Dabei nimmt der Anteil der Mitbürger mit türkischem Pass weiter ab, obwohl es insgesamt immer mehr Ausländer in der Stadt gibt. In naher Zukunft rechnet man zudem damit, dass jeder zweite Aachener einen Migrationshintergrund hat. Derzeit ist es nach Schätzungen etwa jeder dritte.» – Aachener Zeitung vom 12. Januar 2017

 

Quelle: https://www.staedteregion-aachen.de/fileadmin/user_upload/A_43/Dateien/Bildungsmonitoring/bildung-in-zahlen_1218_final.pdf

 

Ich habe das selbe dann an jeder anderen Grundschule in Aachen in unterschiedlichen Abstufungen erlebt. Keine einzige Grundschule war von dieser demographischen Entwicklung ausgenommen. Überall bot sich mir ein ähnliches Bild. Kopftuchfrauen warteten am Zaun auf ihre Kinder, die auf allen Pausenhöfen eine gefühlte Mehrheit bildeten und auch nur in Grüppchen unterwegs waren, während ein paar europäische wirkende Jungs und Mädchen in ihren eigenen, wesentlich kleineren Grüppchen abhingen. Meist weitab vom Geschehen. Es gibt eine ethnisch-religiöse Segregationsentwicklung auf unseren Schulen, in denen unsere Kinder mehr und mehr in die Rolle einer Minderheit gedrängt werden. Dass unsere Kinder diesen Zustand als normal empfinden, besorgt mich umso mehr.

Als ich damals zur Oberschule ging, gab es vielleicht zwei oder drei türkische und ein paar polnische Schüler. Wenn ich mich Recht entsinne, ist aus allen etwas geworden und es gab kaum oder keine Probleme bei der Integration. Wir Deutschen waren in der Mehrheit und eine Segregation nach Herkunft, also eine bewusste oder unbewusste Abspaltung der wenigen ausländischen Schüler, gab es einfach nicht. Jetzt, wo die Demographie umgekehrt wurde, scheint aber genau diese Situation Realität zu werden.

Ich fürchte, dass die Zukunft Deutschlands wenig mit der grünen Vision eines multikulturellen Miteinanders zu tun haben, sondern vielmehr den USA oder Südafrika ähneln wird. Wir kriegen eine gespaltene Gesellschaft.

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