Judge Dredd – Richter und Henker in der postmodernen Dystopie

„Dredd“ heißt der Film aus dem Jahre 2012 mit Karl Urban in der Hauptrolle. Als der aus den Comics berühmt berüchtigte „Judge Dredd“, der in Megacity One Richter und Vollstrecker seiner 400 Millionen Menschen Stadt ist, räumt dieser genetisch modifizierte Retortenmensch in seiner Metropole so richtig auf. Und die hat es auch bitter nötig. In der dystopischen Zukunftsvision von Dredd hat sich der globalistische Traum verwirklicht. Ein großer Teil der Weltbevölkerung lebt in Armut, ist arbeitslos und wird vom Staat mit minimalen Zuschüssen versorgt. Genug um zu konsumieren, zu wenig um aufzusteigen. Arbeit haben nur noch wenige Menschen in dieser Welt, in der sich eine global orientierte Oberschicht in den Megacities etabliert hat. Regiert wird quasi diktatorisch, weil sich in den unteren Leveln der gigantischen Städte das verwirklicht, was Hobbes schon vor Jahrhunderten passend beschrieb: der Mensch ist dem Menschen sein Wolf und es herrscht der Krieg aller gegen alle – bellum omnium contra omnes.

Gewalt, Kriminalität und territoriale Bandenkriege sind an der Tagesordnung. Es gibt keinen Frieden und keine Sicherheit, keinen Komfort und keine Hoffnung, wenn man zur sozialen Unterschicht in Megacity One gehört. Ganz Nordamerika ist eine einzige große Stadt, in der sich die Völker der Welt wie in einer Menschenmühle zermahlen lassen. Kulturen existieren nicht mehr. Nur Zwitterwesen und Überreste von dem, was man heute als Kultur versteht. Multikulturalismus, Neoliberalismus und eine quasi-totalitäre Regierung sind die Lebensrealität für alle Menschen auf dem ganzen Globus. Nach Atomkriegen, die die Überpopulation der Erde nicht merklich bremsen konnten, verbleiben nur diese Makrostädte auf der Oberfläche des Planeten.



In der Welt von Judge Dredd gibt es keine Resozialisierungsprogramme für Kriminelle. Selbst für minimale Vergehen, die für uns banal erscheinen, werden drakonische Strafen verhängt. In der globalisierten Megacity zählt das einzelne Menschenleben nichts. Die militärisch organisierte Justizbehörde beauftragt die sogenannten Judges (Deutsch: Richter) als Hüter über die totalitäre Ordnung – vermutlich, weil anders nicht mehr regiert werden kann. Megacity One ist Mexiko City, Johannesburg oder Chicago auf Steroiden. Die Menschenmassen stapeln sich wie die Insekten in Betontürmen (Megablocks), die wie Bienenwaben bis zu 50.000 Menschen beheimaten können. Wenngleich das Wort «Heimat» angesichts dieser entwürdigen Unterbringung in einem Stahlbetonklotz inmitten von Müllhalden und menschlichen Überresten wie blanker Hohn wirkt. Der Brutalismus als Sendbote der Moderne ist überall präsent. Alles in diesen Megastädten ist quadratisch, quaderförmig und eckig. Platz für Schönheit, Natur, Ruhe, Idylle und Grün gibt es hier nicht. Megacity One ist das Produkt, wenn die Moderne bis zum Ende geträumt wird. Städte, in denen eine halbe Milliarde Menschen leben, aber jeder für sich allein steht und alle einsam sind.

Der de facto diktatorische Staat regiert mit eiserner Hand, weil es anders nicht mehr geht und jeden Tag die entwürdigten Massen der Slums ihre eigene Welt in einer Orgie aus Gewalt und Perversionen ersäufen. Die Judges sind Richter und Henker gleichzeitig, wenn sie auf der Straße das unendlich verwirrende Gesetz vollstrecken.

Manch einer mag beim Anblick der Megacities an Brasilien und genauer an Rio de Janeiro oder Mexiko City denken. Angesichts der dort immer weiter ausufernden Gewalt und Kriminalität, die drüben normal ist und hier erst langsam zur Normalität wird (der alte Kontinent holt in dieser Hinsicht auf), sehnen sich viele Menschen scheinbar nach einer politischen Führungsfigur wie Jair Bolsonaro oder seinem asiatischen Zwilling, Rodrigo Duerte. Männer, die Drogendealern und kriminellen Strukturen der Straße mit der Pumpgun und Kaliber 7,62 mm begegnen wollen, statt Resozialisierungsprogramme und Kummerkästen zu fördern.

Klar ist, dass ohne die drakonische Hand der Justiz die Megacity One in sich kollabieren würde. Diesen fragilen Zustand verdankt sie jedoch dem Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell, auf dem sie fußt. Dredd ist der Alptraum der Linksliberalen. Er ist ein autoritärer, kompromissloser Charakter mit beinahe faschistischen Zügen. In der Welt von Megacity One ist er allerdings eine Notwendigkeit. Man möge darüber nachdenken, ob die Neo- und Linksliberalen nicht letztendlich mit ihrem Wunsch nach Globalisierung, Vermassung und Multikulturalisierung nicht genau die Grundlage für zukünftige totalitäre Regime schaffen, die der von Dredds Welt nicht unähnlich sind.

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Bild: Screenshot aus Dredd (2012) mit Karl Urban in der Hauptrolle als Judge Dredd, Filmposter, Copyright Universum Film

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