“Die Leute sind hier einfach mehr auf Krawall gepolt”

Gastbeitrag von J. Broederbond

“Die Leute sind hier einfach mehr auf Krawall gepolt”

Seit zehn Minuten hören wir auf unserer Fahrt von Fort Collins nach Denver in Colorado “Radio Freedom” und seit mindestens sieben Minuten schlackern uns die Ohren.



Rush Limbaugh lässt sein rhetorisches MG42 rattern und setzt zum Sturmangriff auf die Gräben des “Establishment”, der “Medienlandschaft” und “der Linken” an. Nichts wird ausgelassen und jeder Satz eine einzige Kriegserklärung.Probeweise schalten wir ein paar Sender weiter und tatsächlich: einige Stationen entfernt setzen die Kollegen von der anderen Feldpostnummer ihrerseits zum Generalangriff auf Präsident Trump und die amerikanische Gesellschaft an. Heute im Fokus: das beschauliche Fort Collins, das eindeutig “zu weiss” sei. Die mangelnde Diversität sei für “People of Color” einfach viel zu “verstörend”.

Mein Bruder wiederholt ein wenig gefasster seinen eingangs erwähnten Satz: «Die Leute sind hier einfach viel mehr auf Krawall gepolt als bei uns» – ich kann ihm nur zustimmen. Wir sind auf Verwandten- und Freundesbesuch in den USA und spüren jeden Tag den Riss der durch dieses Land geht. Mag man in den USA auch Politik zu den Dingen zählen, über die man kein Gespräch anfängt – ein jeder hat eine entschiedene Meinung zu Trump, Ocasio-Cortez und Omar. Ein normaler Vorgang könnte man als Bundesbürger meinen, bei uns gibt schließlich auch jeder seinen Senf zur Migrationspolitik dazu.

Der große Unterschied liegt aber in der Intensität. Wo bei uns sich wenigstens die Rechte in sprachlicher Mäßigung übt (die Linke ist bei uns genauso vulgär und unverschämt wie in Übersee), steht die Rechte der Linken hier in nichts nach. Da wird herzlich von “Kriegserklärungen” und “völliger Vernichtung” gesprochen. Die Ursachen dafür mögen auch in der ungebrochenen Traditionslinie liegen, die – anders als bei uns – nie durch einen Krieg unterbrochen wurde, das allein wäre als Erklärung jedoch zu Kurz. Auch in Frankreich und Großbritannien zählt man sich zu den Siegermächten und doch leidet die Rechte auch dort unter massiven Beisshemmungen im täglichen ideologischen Kampf um Köpfe und Herzen.

Auf der Suche nach einem Grund für diesen elementaren Unterschied zwischen hüben und drüben stoßen wir auf einen großen Unterschied: hier wurden die Universitäten nie vollständig aus der Hand gegeben. Immer noch gibt es große, ehrwürdige Universitäten im Landesinneren die als stockkonservativ im besten Sinne gelten können. Wo Studenten mit alten Trucks zur Vorlesung kommen und nicht im Hippie-Beetle oder gar einem Hybrid. Mitverantwortlich dafür ist die Religiösität der Amerikaner. Mag dieses Land auch Heimstatt und Zufluchtsort vieler Religionen und Konfessionen geworden sein, in seiner Kernsubstanz sind die USA immer noch das was sie immer schon waren: ein protestantisches, marktwirtschaftliches Land. Adam Smith und die Bibel sind die Grundpfeiler dieses Landes und das merkt man.

Lebhafte, teils auch gewalttätige Debatten sind aber Grundbestandteil der protestantischen Überzeugung das ein jeder sein Schicksal selbst in der Hand habe und zur Erkenntnis dessen, was falsch und richtig sei, nicht auf eine mächtige Lehrinstanz angewiesen ist.

Der Amerikaner lässt sich ungern vorschreiben, welcher Religion er nun folgen soll und bei Lichte betrachtet ist die Ideologie der Linken auch nichts anderes als eine Religion ohne Gott. Das erklärt den heftigen Widerstand weiter Teile der weissen Mehrheitsgesellschaft gegen eine Ideologie des weissen Schuldkults, des Verzichts und der Beschränkung.

Die Leute sind hier einfach mehr auf Krawall gepolt.

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