Der weiße Elefant im Raum

Muslimischer Antisemitismus im Konflikt mit der freien Gesellschaft

„Frankreichs kämpfende Juden“ titelt das Youtube-Format Volcativ, das sich in einem kurzen Videobeitrag mit den sogenannten „Fighting Jews“ beschäftigt hat. In einem Land, in dem der Antisemitismus beständig zunimmt und der französische Staat an allen Fronten der zerbröselnden Zivilgesellschaft mit verschiedenen Formen des Extremismus, vor allem aber mit dem muslimischen, kämpft, haben sich einige Juden zusammengefunden und einen Kampfsportclub in Paris gegründet. „Betar France“ oder „Betar de France“ nennt er sich, der ein Ziel verfolgt: Jüdisches Leben in Frankreich beschützen und Juden in der körperlichen Selbstverteidigung schulen. Die alte zionistische Bewegung Betar erfindet sich in Frankreich neu, pustet Luft in die Glut junger Juden in der Republik, die sich nicht erst seit den Terroranschlägen von Bataclan und Charlie Hebdo bedroht fühlen, sondern bereits seit vielen Jahrzehnten unter zunehmender Repression zu leiden haben. Beschmierte und zerstörte jüdische Friedhöfe, Mobbing im Alltag, auf dem Arbeitsplatz, in der Schule und Beschimpfungen auf der Straße. „Yair“, der Anführer der Kampfsportgruppe, bildet seine jüdischen Schüler in Krav Maga aus. Ein von den israelischen Soldaten bevorzugte Schule der Selbstverteidigung, die darauf abzielt den Gegner nicht grazil und kunstvoll, sondern brutal und schnell zu besiegen. „Gegen jede Art von antisemitischer Aggression verteidigen“, sagt „Yair“ seinen Lehrlingen, bevor die Fäuste fliegen.

«Wir machen Schluss mit dem Vorurteil vom gebrechlichen und schwächlichen Juden, der immer seinen Kopf einzieht. Während des Zweiten Weltkrieges sprachen die Nazis Deutsch, heute sprechen sie Arabisch.»

Antisemitismus von Rechts ist sicheres Gewässer für die Medien



Überall in Europa beobachtet man das selbe Phänomen, egal ob in Frankreich, Schweden, Großbritannien, Belgien oder Deutschland. Der Antisemitismus  nimmt wieder zu, jedoch nicht unbedingt von Rechts, wo er relativ stabil hoch bleibt. Die allermeisten Medien und Journalisten in Deutschland werden nicht müde auf diese Tatsache hinzuweisen und das Bildnis vom Stiefelnazi am Leben zu erhalten. Das Problem daran ist, dass der Stiefelnazi zwar seine Propaganda verteilt, antisemitische Vorurteile hegt und Beschmierungen und Zerstörungen an jüdischen Einrichtungen vornimmt, aber in der Regel keine Juden mehr tötet. Zumindest noch nicht. Diese Aufgabe ist längst an eine andere Gruppe delegiert worden, die immer aggressiver, brutaler und mutiger in Erscheinung tritt. Wer kann sich überhaupt vorstellen, was in Berlin los gewesen wäre, wenn 3000 Neonazis „Tod den Juden, Tod Israel!“ oder „Juden ins Gas!“gerufen hätten? Die gesamte Macht des deutschen Staates wäre wie ein richterlicher Hammer auf die Glatzköpfe niedergefahren und hätte wahrscheinlich regelrechten Kahlschlag betrieben. Dass es die Antisemiten von Rechts noch gibt, die sich höchstwahrscheinlich auch heimlich über den einen oder anderen Angriff auf jüdische Einrichtungen freuen, kann nicht ignoriert werden. Doch der weiße Elefant im Raum ist keine „Nationale Aktion“ oder „germanische Volksfront“, sondern das real existierende, in das öffentliche Zivilleben vordringende islamische Gespenst. Unterfüttert von dem Nahostkonflikt zwischen Israel und Palästina, brechen in Frankreich, Deutschland, Schweden und überall sonst in Westeuropa, wo es eine substantielle muslimische Bevölkerung gibt, Kämpfe zwischen der jüdischen und der muslimischen Minderheit aus. Gleichzeitig bemerkt man gerade in Frankreich, dass auch Übergriffe auf Christen und kirchliche Stätten zunehmen. Das sind keine Zufälle

Doch der muslimische Judenhass bzw. Hass auf andere Religionen wird fast nur mit der Kneifzange angefasst, aufgrund der Hitzigkeit der Debatte schnell wieder fallen gelassen und nur dann thematisiert, wenn es wirklich nicht mehr anders geht und mal wieder Juden getötet oder verletzt wurden. Der rechte Antisemitismus ist latent nervig, der islamische dagegen häufig tödlich und das auch in Europa. Bereits 2014 hallte auf Pro-palästinensischen Demonstrationen der Schlachtruf: «Jude, Jude feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!» über den Staub deutscher Straßen. Auf diese Worte folgen auch immer wieder Taten. Beispielsweise im März 2018, als die jüdische Mireille Knoll von ihrem muslimischen Nachbarn getötet und im Anschluss verbrannt wurde, als dieser versuchte ihre Wohnung anzuzünden. Die Polizei spricht von einem Verbrechen aus Hass. Die Holocaustüberlebende entkam dem Nazismus, jedoch nicht dem Islamismus. Sie ist nicht das einzige Opfer, welches wegen ihres Glaubens und ihrer Ethnie sterben musste. Bereits 2017 starb Sarah Halimi in ihrer Wohnung, als ein malischer Muslim sie tötete und ihren Körper dann mit dem Ruf „Allahu Ackbar!(Gott ist der größte) aus dem Fenster warf.

Als im Jahr 2012 Mohammed Merah einen terroristischen Anschlag auf eine jüdische Schule verübte, einen Lehrer, drei Kinder und im Anschluss drei Soldaten tötete, waren viele Menschen in der französischen Republik schockiert. Er habe es für Palästina getan, so Mohammed Mera, der nicht einfach nur Menschen tötete. Die Abartigkeit des Hasses müssen wir uns vor Augen führen. Ein junger arabischer Mann, der mit einer Schusswaffe vor eine jüdische Schule geht und zwei kleinen Jungs und einem Mädchen in den Kopf und die kleinen Körper schießt, kann nichts anderes als ein Antisemit sein. Wie konnte es sein, dass 70 Jahre nach dem Nationalsozialismus ein Verbrechen mit dieser Dimension an den Juden in Frankreich verübt werden konnte? Dabei hätte niemand überrascht sein dürfen.

Denn die Sirenen sangen bereits Jahre zuvor, als Illan Halimi 2006 von der „Barbaren-Gang“, einer muslimischen Jugendbande, entführt, verstümmelt und letztendlich ermordet wurde. Die Täter waren der Ansicht, dass Halimi durch sein Jüdischsein automatisch reich sein müsste und deshalb ein hohes Lösegeld angemessen wäre. Ich erinnere mich an die Reaktionen der Presse damals, die in Frankreich das Wort Antisemitismus in den Mund nahm, jedoch nur von einem isolierten Einzelfall sprach. In Westeuropa, auch in Deutschland, wiederholte man dieses Narrativ. Ein tragischer Einzelfall, der jedoch keine Pauschalisierungen zuließe, sondern als isoliertes Phänomen betrachtet werden müsse. Antisemitismus und Rassismus beherrschten die Debatten der nächsten Wochen in Frankreich, verfehlten aber echte Lösungsansätze in der Politik durchzudrücken. Sechs Jahre später starben erneut Juden in Frankreich durch Muslime. Ab diesem Zeitpunkt war nicht mehr zu leugnen, was jedermann klar erkennen konnte, der nicht durch ideologische Scheuklappen geblendet war. Der muslimische Antisemitismus hat eine terroristische Komponente und ist gefährlich für die freie Gesellschaft, die das Zusammenleben aller Ethnien und Religionen ermöglichen will.

Heute, 12 Jahre nach dem Mord an Halimi, ist es einfach nicht mehr ausreichend nur auf den rechten Antisemitismus zu zeigen und zu glauben, dass es sich damit erledigt hätte. Der Rechtsstaat muss gegenüber dem Rassismus absolut farbenblind sein und keine Unterscheidungen zwischen den Tätern aufgrund ihrer Herkunft machen. Die Tatsache, dass die Mörder von Bataclan, Charlie Hebdo und von Illan Halimi und anderen Opfern ebenfalls Migranten, oft eine dunkle Hautfarbe hatten und Muslime waren, darf keinerlei Rolle mehr spielen.

Antisemitismus in diesen Ausmaßen ist ein Warnzeichen. Es ist ein Indikator dafür, dass eine Nation krank ist. Dass es zuerst die Juden trifft, heißt nicht, dass es auf diese Gruppe beschränkt bleiben wird. Die muslimischen Extremisten haben bewiesen, zuletzt bei der Ermordung eines französischen Priesters Jacques Hamel im Jahr 2016, dass ihr Dschihad gegen die Ungläubigen nicht nur gegen die Juden, sondern gegen alle gerichtet ist. Die zwei Täter stürmten mit falschen Bombenwesten die Messe der katholischen Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray, nahmen sechs Personen gefangen und durchschnitten dann unter dem Schlachtruf „Allahu Ackbar!“ die Kehle des 85-jahre alten Priesters.

Im Bataclan starben schwarze, weiße, christliche, jüdische und atheistische Bürger Frankreichs. Es war ein Angriff auf die gesamte französische Republik, die freie und demokratische Gesellschaft, die gegenüber der Intoleranz einer kleinen, aber doch stetig wachsenden aggressiven Minderheit noch kein Mittel gefunden hat und derzeit sehr unruhig zwischen den Stühlen herum rückt. Die französischen Regierenden versprechen der jüdischen Gemeinde in Frankreich immer wieder, dass sie sich um sie sorgt, ihre Ängste ernst nimmt und helfen will, den ausufernden Judenhass im Land zu bekämpfen. An dem gerade stattfindenden Massenexodus von jüdischen Franzosen ändert dies jedoch scheinbar gar nichts. Die Anzahl der Juden in Frankreich nimmt drastisch ab, während die der Muslime durch Zuwanderung und Geburten steigt.

Steve Eisenberg, Mitgründer der Jewish International Connection of New York, einer jüdisch-israelischen Lobbyorganisation, äußert sich folgendermaßen in der NYP: «Es gibt keine jüdische Zukunft hier[in Frankreich]. Du kannst mit der Kippe nicht mehr auf den Straßen von Paris laufen.» Frankreichs jüdische Bevölkerung schmilzt dahin, die der muslimischen Einwanderer, aus denen viele ihrer Antagonisten kommen, blüht gerade erst auf.

In einer Demokratie, die auf Wählerstimmen angewiesen ist, wird sich eine demographische Veränderungen zu Gunsten der Muslime sehr negativ auf die marginalisierte Minderheit derjenigen Israeliten (und bald auch Christen) auswirken, die sich zum Bleiben entscheiden. Das ist eine Milchmädchenrechnung, die keinerlei weiterer Erklärung bedarf.

Die Juden Europas gehen nach Israel. Möglicherweise ist es eine Reise oder Wiederkehr und ein „Shalom, Shalom!“ für immer. In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wollten viele Juden die Warnzeichen nicht sehen und blieben länger als sie konnten. Oft waren sie dann Gefangene der Umstände und es war zu spät zum Flüchten. Diesen Fehler wollen viele Juden nicht wiederholen und ziehen die einzig sinnvolle Lehre aus der europäischen Geschichte. In einem Europa wo ohne Konsequenzen „Tod den Juden!“ gerufen werden kann, entsteht bald das Klima für richtige Pogrome.

Die allermeisten haben die Zeichen der Zeit erkannt.

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