Männer aus zwei verschiedenen Welten

Vor einer Weile wartete ich in Kreuzberg auf einen Freund und vertrieb mir die Zeit mit dem Beobachten meiner Mitmenschen. Nach kurzer Zeit bot sich mir ein Schauspiel, das ich hier nicht unerwähnt lassen will. Eine junge, deutsche Familie mit Kind hatte ihr Fahrrad mit Anhänger(so ein Kasten aus Holz, wo man Kinder reinsteckt) vor der Fahrertür eines schicken BMW geparkt und war im nahen Laden einkaufen gegangen. Jedenfalls nehme ich das an. Denn als ein bärtiger Neudeutscher in seinen Wagen einsteigen wollte, regte er sich kurz und lautstark in seiner Sprache darüber auf, bevor er kurzerhand das Fahrrad samt Anhänger über den Haufen warf, um sich Platz zum Einsteigen zu verschaffen.

Prompt, aber doch eher zögerlich, trat der junge Vater an den Orientalen heran, der in Körperbreite und Masse, aber nicht in Höhe dem Deutschen überlegen war. Der Deutsche, er trug ein Leinenhemd über der Schlabberhose und seine dünnen Beine standen in Sandalen, fragte wohl sowas wie: «Hey.. Entschuldigung. Was soll denn das?»



Als sich der vermeintliche Jünger Mohammeds von dieser eindrucksvollen Präsentation germanischer Dominanz nicht einschüchtern ließ, fing er an den Nachfahren gotischer Eroberer ordentlich die Meinung zu geigen. Er tat das so, dass kein Zweifel daran bestand, dass jedes weitere falsche, in Unterwürfigkeit und Feigheit ausgesprochene Wort, ihn zur Explosion bringen würde. Seine rechte Hand nahm dabei die Form einer flachen Kante an, die immer wieder kurz vor dem Gesicht des jungen Vaters zum Stillstand kam, während er ihm unterschiedlichste Szenarien körperlicher und verbaler Gewalt erklärte, die ihm drohen würden, wenn er seinen «Arsch» und sein «dummes Fahrrad» nicht sofort wegbewegen würde.

Die wahre Kuriosität ereignete sich aber erst, als die Mutter der Familie herbeieilte, um ihren Mann zu unterstützen. Mit dem Kleinkind auf dem Arm stellte sie sich demonstrativ vor ihren schmalschultrigen Göttergatten, der automatisch auch einen Schritt zurückging, als seine Frau eintraf. Die blond gelockte Dame begann dann wiederum dem Osmanen in ähnlicher Weise über den Mund zu fahren, wie das der Krummsäbelkrieger selbst getan hatte. Witzigerweise folgte darauf eher eine Deeskalation und der Autofahrer beendete seine Tirade mit den Worten: «Sag deinem Mann, er soll sein scheiss Fahrrad nicht vor meinem Auto stellen!» (sic)

Almans und andere

Dem osmanischen Autofahrer ist hier kein Vorwurf zu machen. Er war im Recht und hat die nötigen Mittel gehabt, um sein Recht an Ort und Stelle auch durchzusetzen. Viel amüsanter ist das Verhalten des jungen, deutschen Vaters, der Schützenhilfe durch seine eigene Frau brauchte und sich bei ihrem Einrücken sofort hinter ihre ähnlich schmalen Schultern zurückzog. Etwas ähnliches beobachtete ich letztens mit einem Parteikollegen bei einer Podiumsdiskussion an einem Gymnasium in Tegel. 95% aller anwesenden Schüler waren weiß, privilegiert und kamen wohl auch aus besser gestellten Familien. Auffällig war nur die erste und zweite Reihe während der Diskussion. Dort hatten sich nämlich mehrere junge, sehr hübsche Mädchen mit ihren männlichen Begleitern eingefunden. Es handelte sich wohl um die beliebtesten und hübschesten Mädchen der Schule. Wenn sie eine Begleitung hatten, handelte es sich um türkische, arabische oder afrikanische Jungmannen. Kein einziger Deutscher oder Europäer saß neben den hübscheren Mädchen. Bis auf eine isoliert am rechten Rand (wirklich!) sitzende Schülergruppe aus sportlichen und kantigen Deutschen (die auch bei AfD-Positionen kräftig klatschten), sah ich fast nur weiße Karikaturen unbeliebter Klassennerds. Picklige, zusammen gestutzte und schlaffe Jungs, die mit blonden Löckchen wohl Namen wie Filibert, Noah und Jakob Samuel tragen könnten. Zwischen sehr dick und sehr dünn war hier alles vertreten. Auffällig war ebenfalls, dass die Beschäftigung mit dem Handy und etwaigen elektronischen Geräten auf dem Schoß bei diesen Kandidaten gehäuft auftrat.

 

Navy Seal Dan Crenshaw

Bei einer anderen Gelegenheit stand ich beim Verpflegen mit zwei meiner Bekannten. Einer stammt ursprünglich aus Russland, ging dort mit seinem Vater in den winterlichen Wäldern jagen, kämpfte um die 2000er Jahre noch in Grosny in Tschetschenien gegen die Islamisten und der andere hing die beste Zeit seiner Jugend als DMR mit dem G3 und ZF in Afghanistan ab. Heute ist er selbständig als Trainer und bringt bei 1,90 m Körpergröße Oberarme mit, die in etwa so breit sind wie meine Beine. Beide Männer haben schon mehrere Kinder, einer sogar mit mehreren Frauen.

Zwischen diesen Archetypen und den Filiberts und Noahs der Bundesrepublik, liegen Welten. Die können einander gar nicht verstehen, noch wollen sie mit dem jeweils anderen zu tun haben. Das gleiche Phänomen, das ich als kulturellen Bruch in der Persönlichkeitsentwicklung bei jungen Männern umschreiben würde, gibt es auch im restlichen Westen. Diejenigen, die für Fridays for Future in Köln auf die Straße gehen, ähneln in ihrem Erscheinungsbild denen, die in den USA für den Sozialismus demonstrieren. Umgekehrt sieht man bei Tea-Party Demonstrationen oder Veterans for Trump Umzügen artgleiche Männer und Frauen, die man auch in Europa zumeist eher rechts der Mitte antrifft. Die schwedischen Nationalisten, die Lega oder Rassemblement National bringen ein gänzlich anderes Menschenmaterial auf die Straßen, als Pulse of Europe oder die Linksjugend bzw. Grüne Jugend.

Bild: Screenshot Youtube / American Communists

Die Ästhetik der politischen Richtungen und Bewegungen ist  kontradiktorisch. Eine Figur wie Dan Crenshaw wird man niemals bei der politischen Linken wiederfinden können, weil sein gesamtes Erscheinungsbild und seine Lebenseinstellung dem Linkssein widerspricht.

 

Hat dir der Beitrag gefallen?

Spendier uns eine Kleinigkeit, um den Blog zu unterstützen:

5,00
Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Spendensumme: €5,00

Bild: Foto: Gage Skidmore / CC BY SA 2.0

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.