Öl, Revolution und Raketen

Die Lage im persischen Golf eskaliert immer mehr. US-Präsident Trump sorgte mit seinem Angriffsbefehl, den er letztendlich doch noch zurückzog, für eine klare Demonstration seiner Macht und seines Willens. Deutsche Medien verstehen dieses Spiel der Macht auf der internationalen Bühne allerdings nicht.

«Wir standen heute Nacht an der Schwelle einer Eskalation», sagte der Politikwissenschaftler Markus Kaim in der Tagesschau zu Trumps Befehl, einen Angriff auf den Iran einzuleiten. In den dazugehörigen Kommentaren waren sich alle einig: Der dumme US-Präsident Trump spielt mit dem Feuer. Während Außenminister Maas durch die Region tourte und diplomatische Lösungen ansprach, löste Trump fast einen Krieg aus. Tat er das wirklich? Die Lage im Iran ist eindeutig komplizierter, als deutsche Medienmacher sie gerne darstellen. Klar ist, dass der Iran unter den wirtschaftlichen Sanktionen leidet. Ein einfaches Mobiltelefon kostet das Monatsgehalt eines iranischen Durchschnittsangestellten, 80% der benötigten Medikamente sind knapp. Die Regierung in Teheran ist also nicht nur außenpolitisch durch die Weltgemeinschaft und die USA sowie ihrer Verbündeten unter Druck, sondern auch innenpolitisch. Der teure Jemenkrieg und die vielen Verstrickungen in regionale Konflikte belasten neben den Sanktionen die heimische Wirtschaft und somit die iranische Bevölkerung. Die Frage ist, ob bei der aktuellen Lage der iranischen Gesellschaft ein Krieg eher für eine neue innere Einigung oder einen Zerfall sorgen würde.



Das Weiße Haus weiß um die Lage, dass ein Krieg für Teheran ein unberechenbares Risiko bedeuten könnte. Militärisch gesehen hat zwar der Iran mit seiner regulären Armee (“Artesch”) und der Revolutionsgarde (“Pasdaran”) zwei kampfstarke Truppen, wobei diese technologisch gesehen mit den US-Amerikanern absolut nicht mithalten können. Die Artesch besitzt noch amerikanische Kampfpanzer, welche unter dem alten Schah importiert wurden. Einzig und allein in der Raketentechnologie können die Iraner gegenüber ausländischen Invasoren mithalten. Letztendlich wäre aber die Strategie der Iraner ein asymmetrischer Krieg wie beim iranisch-irakischen Krieg in den 80ern.

Nun stehen mit Washington und Riad dem Iran zwei Mächte entgegen, gegen die die Ajatollahs nichts ausrichten können – die Iraner werden zwar teilweise von den Chinesen und Russen unterstützt, wobei dies vernachlässigbar ist. Die USA und der Iran wissen um die jeweiligen Schwachpunkte des Anderen. Donald Trump kann nur schwer eine neue Invasion im Nahen Osten auslösen, muss aber seinem Verbündeten Saudi-Arabien Bündnistreue erweisen und die Stärke einer Weltmacht demonstrieren. Die Iraner wollen ihren Standpunkt bezüglich der Sanktionen verbessern und ihre Macht im regionalen Raum ausbauen und dabei das eigene Volk beruhigen. (Im Syrienfeldzug waren sie relativ erfolgreich. Der Sieger des langen Irakkrieges war indirekt ebenfalls der Iran)

Wie sind also die letzten Vorkommnisse zu verstehen? Wollen beide Parteien den Krieg? Nein, aus den oben angesprochenen Gründen definitiv nicht. Was man gerade beobachten kann, ist das dem Deutschen allgemein abhanden gekommene Spiel der Machtpolitik. Die Iraner haben womöglich mit ihren Angriffen auf Öl-Tanker ihre Möglichkeiten ausgetestet – unter Obama war Teheran viel erlaubt, nun wollten die Iraner mit ihren Aktionen wahrscheinlich Trump testen. Und Trump hat dementsprechend reagiert – aber man kann sich sicher sein, dass er keinesfalls einen Militärschlag wirklich plante. Es war quasi ein Bluff, es war eine Stärkedemonstration vom Pentagon und dem Weißen Haus gegenüber den Iranern, dass man keinesfalls so nachgeben wird wie die Obama-Regierung. Dass Trump seine Entscheidung sofort öffentlich auf Twitter verbreitete, zeigt doch, wie taktisch dieser Schritt war. Warum sollte sonst eine Regierung einen abgeblasenen Militärschlag offenbaren, wenn nicht zur Demonstration der eigenen Macht und Einschüchterung?

Man kann sich sicher sein, dass der Iran in den nächsten Monaten wieder in ruhigeres Fahrwasser wechseln wird, da die Reaktion des Weißen Hauses klar die Grenzen der Ajatollahs aufzeigte. Einen neuen Krieg wird es nicht geben.

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