Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben

Vor einer ganzen Weile hatte ich Besuch aus Südkorea, Seoul, wo ein Bekannter von mir lebt. Er ist Südkoreaner und arbeitet wie viele dort in der IT-Branche des Landes. Es war seine erste Reise nach Deutschland, die mit hohen Erwartungen angetreten wurde. Deutschland – für ihn war das ein Land voller Verheißungen des Fortschritts. Im Asien überwiegt augenscheinlich, auch bei meinen Verwandten, ein positives Vorurteil über die heutige Bundesrepublik als derzeitige Inkarnation Deutschlands. Hier wäre das Land von Wissenschaft, Philosophie, Forschung, Technologie und Eleganz. Das Land von Goethe, Schiller, Kant und Mendel. Deutsche stehen teilweise noch im Ruf besonders fleißig, sittsam und ernst zu sein. Auch der Zivilisationslevel sei hier besonders hoch, glauben viele, die hier noch nicht oft waren oder sich nur innerhalb der touristischen Zonen bewegt haben. Und selbst dort wird das Narrativ vom hochentwickelten Technologie- und Philosophieland gebrochen. Klischees eben, die aber einem wahren Kern entsprangen. Deutschland war einst, auch zu Weimarer Zeiten, eine Führungsnation in der Welt. Deutsche Wissenschaftler und Literaten heimsten einen Preis nach dem anderen ein. Hier wurden innovative Technologien entwickelt und perfektioniert. Das ist zwar auch heute noch durchaus der Fall, aber längst nicht mehr die Regel. Unter den 1000 umsatzstärksten Unternehmen weltweit befinden sich nur noch 44 deutsche. Nur Volkswagen schafft es überhaupt noch auf Platz 25. Die obere Ränge werden nur noch zwischen Nordamerika und Ostasien aufgeteilt. Es gibt noch viele weitere Indikatoren für einen langsamen und zähen Abstieg der deutschen Industrienation. Zuletzt eine verfrühte und planwirtschaftlich befohlene Energiewende, die den Industriestandort Deutschland weiter schwächen und den Wohlstand hier mindern wird.

Zurück zu meinem Bekannten aus Seoul. Er war zunächst in München, ehe er mich in Berlin besuchte. Ich zeigte ihm die Stadt und sparte auch nicht die Ecken aus, die einen schlechten Ruf haben. Warschauer Straße bei Nacht, Kotti und meinen Wedding. Wir nutzten ausschließlich Bahn, Bus und unsere Füße, um uns im letzten Spätsommer durch die Großstadt zu bewegen. Nach zwei Tagen, am Ende unserer Rundreise, saßen wir zusammen beim Bier und ich fragte ihn, was er nun von Deutschland hält, wo er es gesehen hat.

Ein Sud aus Verachtung und Schmutz



Die Antwort war nicht überraschend. «Nothing works», resümierte er und holte aus zum Rundumschlag gegen verspätete Züge, verdreckte Wagons, kaputte Fahrkartenautomaten, ruinierte Bahnhöfe, Bettlerhorden aus Rumänien und vollgepisste Punks, die Menschen auch Potsdamer Platz schon belästigen. Auch der beißende Uringestank an einigen Plätzen kam zur Sprache. Überhaupt störte ihn die hohe Konzentration von Müll und linker Subkultur, die durch alle Poren dieser Stadt suppt. Kriminalität, beispielsweise Drogendealer, würden offen vor den Augen der desinteressierten Polizei ihrem Geschäft nachgehen. Absolut undenkbar in Seoul, obwohl es sich auch dort um eine fast vollständig verwestliche und liberalisierte Gesellschaft handelt. Es war klar, dass er für die multikulturalisierten Städte Westeuropas nach seinem Kurztrip nur Verachtung übrig hatte. Knapp zusammengefasst empfand er die Hauptstadt und München gleichermaßen als Städte, die auch sonst überall in Brasilien oder an der Westküste der USA stehen könnten. Weder vom Völkergemisch noch von der städtischen Fassade gäbe es hier große Unterschiede. Demnach, wenn diese Städtebeispiele soweit zukunftsweisend für Deutschland sind, wäre unser Land nichts weiter als eine Verwaltungseinheit in einer globalen Länderunion, die Heimat für alle Menschen dieser Erde ist. Dass es sich noch um deutsche Städte handelt, steht dann nur noch auf dem Papier.

Mein Bekannter ist kein K-Pop-Star mit femininen Gesichtszügen und dem Auftreten eines Transsexuellen. Er diente bei der südkoreanischen Marine und arbeitet unter anderem auch mit regierungsnahen Organisationen im IT-Sicherheitsbereich zusammen. Er sieht nicht aus wie ein Linker. Und das sage ich einfach deshalb, weil man den Menschen ihre politische Einstellung häufig ansehen kann. Als ich vor einer Weile auf den Fridays for Future landete und mir die deutsche Jugend ansah, die dort hüpfend und trällernd für Weltfrieden, Klimakult und Massenmigration auf die Straße ging (ja, diese Themen werden dort vermischt), wurde mir wieder klar, dass man diese Demonstrationsgruppe auf gar keinen Fall an einen anderen Ort auf der Welt (mit Ausnahme des globalen Westens: USA, Kanada, Australien, England, Japan, Südkorea usw.) setzen könnte, ohne für Irritation zu sorgen. Diese Kinder und jungen Menschen würden in Mosambik, Vietnam, Libyen oder anderen Ländern der sich noch entwickelnden Welt deplatziert wirken. Sie sind Produkte einer völlig demoralisierten, in sich zerrütteten und am materiellen Überfluss degenerierten Gesellschaft, die alle natürlichen Werte in ihr Gegenteil verkehrt hat

Auferstehen

Nun soll die Klimajugend nicht wieder Thema, noch erneut der kulturelle, wirtschaftliche und politische Abstieg Deutschlands beschworen werden. Warnungen wurden genügend ausgesprochen. Es geht mir um etwas anderes.

Nämlich darum, dass ich nicht gerne höre, wie sich fremde Länder über mein Heimatland lustig machen und es schlecht reden. Es ist etwas anderes, wenn wir selbst Kritik an uns und den Zuständen in unserem Vaterland üben. Wohl weiß ich, dass die Zeiten und Umstände schlecht sind. Und das mit der weiteren Negativentwicklung die Dinge kaum besser werden. Aber den Kopf in den Sand zu stecken und sich dem Zeitgeistempfinden von vielen Rechten gemäß Spengler entsprechend zu fügen, also den Untergang des Abendlandes hinzunehmen, ist keine erhabene Position. Niemand will gerne mit den deprimierten, alten Männern abhängen. Was es braucht ist ein neues Ethos, alte Ideale im neuen Gewand, die mit Elan, Pathos und Vernunft vorangetragen werden. Wir wissen wohl, die wir die Zustände im Jetzt so stark kritisieren, dass Deutschland in den letzten Jahren viele gute Chancen verpasst hat. Ich ahne stets nur, was aus diesem Land hätten werden können, wenn wir nicht um die frühen 2000er Jahre falsch, nämlich linksgrün und schwarz, abgebogen wären. Ich weiß auch, wie Deutschland noch in meiner Kindheit war und welch Potenzial darin lag. Alles, was wir hätten werden können, wenn die Dinge sich anders entwickelt hätten. Aber es bringt nichts in der Vergangenheit zu leben, noch den Toten ewig nachzutrauern.

Wir sehen was möglich ist, wenn Politik, Medien, Bildung und Kultur in den Händen ähnlich denkender Menschen das Land über Jahrzehnte prägen können. Für uns ist diese linke bzw. kulturrelativistische und marxistische Prägung negativ. Und wenn dies wahr ist, ist das Gegenteil ebenso wahr und möglich. Was alles machbar wäre, wenn der politische Wind aus der anderen Richtung wehen würde – selbst im jetzigen Zustand der Nation, wäre noch nichts verloren. Und so muss man jeden Tag neu an die Dinge herangehen. Die Jugend, zu der die Autoren hier ebenfalls zählen, ist nicht der Feind, sondern die Zukunft unseres Landes. Sie ist nicht aufzugeben, sondern zu gewinnen. Nicht indem man dem falschen Narrativ hinterher rennt, sondern durch Standhaftigkeit und Idealismus zum Wahren und Schönen. Die meisten der älteren Menschen werden nicht mehr zu überzeugen sein. Sie und ihre Weltsicht ist fest – wir haben sie entweder auf unserer Seite oder eben nicht. Die jungen Menschen hingegen haben noch ein langes Leben vor sich, in dessen Verlauf sich viel verändern kann.

Erst vor einigen Wochen traf ich mit einem Mann zusammen, den man wohl als Unterstützer der ersten Stunde der Grünen bezeichnen könnte. Ein Mann, der mit den heutigen Grünen Eliten häufig an einem Tisch saß. Und selbst er gestand, dass er die AfD gewählt hat und es wieder tun wird.

Auszug aus der WELT:

In diesem Sinn formulierte Albert Matthäi 1922 einen pathetischen Jahresspruch in Anlehnung an die von Johann Gottlieb Fichte nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon 1808 gehaltenen “Reden an die Deutsche Nation”:

“Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben, an Deines Volkes Auferstehn. Laß niemals Dir den Glauben rauben, trotz allem, allem, was geschehn. Und handeln sollst Du so, als hinge von Dir und Deinem Tun allein Das Schicksal ab der deutschen Dinge, und die Verantwortung wär Dein.”

In diesem Sinne gehen wir in die Sommerpause.

Hat dir der Beitrag gefallen?

Spendier uns eine Kleinigkeit, um den Blog zu unterstützen:

5,00
Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Spendensumme: €5,00

Bild: Pixabay

 

.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.