Verschenkte Zukunft

Gastbeitrag von Widergänger:

Berlins Schulanfänger weisen problematische Mängel im motorischen und sprachlichen Bereich auf, wie die vor kurzem veröffentlichte Einschulungsuntersuchung für das Jahr 2017 zeigte.



Dass Berlin im Bildungsbereich eines von Deutschlands großen Sorgenkindern ist, ist kein Geheimnis. Laut dem INSM-Bildungsmonitor von 2017 weist Berlin von allen Bundesländern das schlechteste Bildungssystem auf, und bereits ein Jahr zuvor forderte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, dass leistungsstarke Bundesländer das deutlich zu leichte Berliner Abitur nicht mehr anerkennen sollten. Doch nicht nur Berlins Schulabgänger haben im Vergleich zu Altersgenossen in anderen Teilen Deutschlands große Lücken und Mängel. Wie der kürzlich veröffentliche Einschulungsuntersuchungsbericht für das Jahr 2017 zeigt, können auch die Schulanfänger in der Landeshauptstadt den an sie gestellten Anforderungen nicht gerecht werden – „Schwere Defizite bei Berlins künftigen Erstklässlern“ titelt dazu Der Tagesspiegel.

Festgestellt wurde etwa, dass rund 30% der untersuchten Kindern gravierende Probleme mit einfachen motorischen Aufgaben wie dem Halten des Gleichgewichts, eines Stiftes oder dem Schneiden mit einer Schere haben. Kaum weniger, nämlich ca. 25%, tun sich schwer mit der Vorstellung von Mengen – diese ist allerdings grundlegend, um korrektes Rechnen zu erlernen. Ähnlich problematisch sieht es mit der ausreichenden Beherrschung der deutschen Sprache aus, die jedoch für das Verständnis des Stoffs in jedem weiteren Schulfach Voraussetzung ist. Es fehlt einem großen Anteil der 5- bis 6-Jährigen in Berlin also bereits an den einfachsten Grundlagen, die die Basis zum Erlernen weiterer wichtigster Fähigkeiten sind.

Das Auffällige an den Ergebnissen: Kinder mit arabischem oder türkischem Migrationshintergrund weisen deutlich schlechtere Ergebnisse auf als deutsche Kinder. So waren die Befunde bei jedem zweiten arabischstämmigen Kind auffällig. Dies kommt jedoch nicht überraschend: spätestens seit Beginn der PISA-Studien ist klar, dass Migranten – aus gewissen Kulturkreisen – im Bildungswesen (deutlich) schwächere Leistungen bringen und es erhebliche Mühe kostet, diese dem Durchschnitt anzunähern.

Dass es diesen Kindern an den Grundfähigkeiten mangelt, ist letztendlich ein Versäumnis des Elternhauses und der vorschulischen Erziehung. Dieses Versäumnis ist umso prekärer, als dass die Schulen darauf angewiesen sind, dass die Kinder bereits gewisse Kenntnisse und Fertigkeiten besitzen – denn zusätzlich zum bereits in den Lehrplänen vorhandenen Stoff bleibt den Lehrern wohl kaum die Zeit, einem Viertel ihrer Schüler erst einmal eine Mengenvorstellung oder grundlegende Körperkoordination beizubringen. Sind aber die Grundfähigkeiten nicht vorhanden, ist es schwer bis unmöglich, sich darauf aufbauende Fertigkeiten anzueignen, sodass niemals richtig erlernt werden kann, wie mit komplexeren Problemen oder Situationen umzugehen ist. Es ist also anhand der Einschulungsuntersuchung schon abzusehen, dass ein gewisser Teil der Kinder auf der Strecke bleiben wird, dass man sich also eine übermäßig hohe Anzahl an Bildungsversagern heranzieht.

In dieser Situation eine Lösung zu finden, ist nicht gerade einfach. Ein erster Schritt könnte sein, eine allgemeine 3-jährige Kindergartenpflicht einzuführen, denn wie die Untersuchung ebenfalls zeigte, erbringen Kinder, die länger als zwei Jahre eine Kita besuchten, deutlich bessere Leistungen als ihre Altergenossen mit kürzerem oder gar keinem Kitabesuch. Dieser Lösungsansatz birgt in sich aber wiederum neue Probleme – denn wo sollen Geld, Raum und genug Erzieher herkommen, um solch eine Pflicht umzusetzen? Dass die vorschulische Bildung eine bedeutende Rolle für die Kinder und deren weiteren Bildungs- und Lebensweg spielt, hat auch die Berliner SPD erkannt, zumindest wurde die Stärkung sprachlicher und mathematischer Kompetenzen in der Kita in ein verschiedene Maßnahmen umfassendes Qualitätspaket, das von Bildungssenatorin Scheeres Ende Januar 2019 vorgestellt wurde, aufgenommen. Dass diese sowieso vage formulierten Maßnahmen jedoch nur für alle Kinder greifen können, wenn alle tatsächlich eine Kita besuchen, versteht sich von selbst. Womit man wieder bei obigem Problem der Verwirklichung einer Kindergartenpflicht wäre. Berlin befindet sich hier in einem Teufelskreis.

Die Lage sieht umso finsterer aus, wenn man bedenkt, dass die Gruppe, die die unterdurchschnittlichen Ergebnisse bringt, in den kommenden Jahren und Jahrzehnten durch Migration und Geburtenzahlen zahlenmäßig stark zunehmen wird. Eine krankende Einwanderungspolitik gepaart mit fehlender Integration einiger Volksgruppen und einem auf diese Situation nicht ausgelegten Bildungssystem, für dessen Überarbeitung die Mittel fehlen, verschärft das Problem zunehmend. Auf diese Weise wird nicht nur die Zukunft der betroffenen Kinder, sondern von ganz Berlin, das auf mit gewissen Fähigkeiten ausgestattete Arbeitskräfte angewiesen ist, verschenkt.

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