Wie die deutschen Medien und Politiker China unterschätzen

Gastbeitrag von Widergänger:

Deutsche mögen Harmonie und Konsens – dabei vergessen sie leider, dass außerhalb ihres Landes die Uhren anders ticken. Ein Kommentar.



Dorothee Bär (CSU) glaubt nicht an Spionage durch Huawai, “China? Ja, Bitte!” titelt das Magazin “Finanz und Wirtschaft“, und die ZEIT schreibt über Misstrauen gegenüber China folgendes: “Die Skepsis lässt sich auf einen Satz verdichten: Wir trauen euch nicht, weil ihr Chinesen seid.” Die Richtung ist klar: Die VR China sei vertrauenswürdig und somit ein Partner, mit dem man zusammenarbeiten sollte. Zumindest denken so viele deutsche Politiker und Journalisten – eine absolut gefährliche Einstellung. Es gibt mehrere Gründe, wieso eine gesunde China-Skepsis absolut richtig ist und nicht Entwarnung gegeben werden sollte.

Ein bisschen Hegel, ein bisschen Marx

Das chinesische Selbstverständnis steht im Gegensatz zum westlichen Denken. Die Lehren von Laotse oder Konfuzius, die kaiserliche Geschichte, die Stellung Chinas in asiatischen Raum – sie alle haben ideengeschichtlich für eine besondere Einstellung gesorgt. China kennt kein universalistisches und individualistisches Denken. Wer in Peking oder Shanghai von Menschenrechten spricht, wird höchstwahrscheinlich belächelt. Die Chinesen interessieren sich nicht für die westliche Moral, vor allem nicht nach der demütigenden Zeit der Kolonialisierung. Peking will seinen eigenen Weg gehen – und der verläuft anders als der Weg des Westens, auch wenn deutsche Denker wie Hegel und Marx einen Einfluss auf China ausgeübt haben. Frieden und Wohlstand für alle Menschen? Ja, aber nur wenn China davon profitiert.

Reich der Mitte 2.0

In China hat die KPCh den absoluten Herrschaftsanspruch. Ihre Interessen sind die Interessen des Staates und des Volkes. Oberste Maxime ist die Festigung des Machtanspruches. Natürlich können diese den Interessen Deutschlands entgegenkommen – aber das kann sich schnell ändern. Chinesische Firmen arbeiten grundsätzlich zu ihren eigenen Bedingungen – und diese werden in den Parteizentralen formuliert. Wenn innenpolitische Überlegungen also eine Änderung des eingeschlagenen Weges erfordern, dann kann schnell die erfolgreiche Zusammenarbeit abgebrochen werden. Der Bau der neuen Seidenstraße durch Zentralasien ist ein gutes Beispiel. Die dortigen strukturschwachen Regierungen sind auf Auslandskredite angewiesen. Vor allem Peking pumpte Geld nach Zentralasien – bis aber innenpolitische Überlegungen die chinesische Außenpolitik änderten. Seitdem die Chinesen am Projekt der Neuen Seidenstraße arbeiten, gibt es die Kredite an zentralasiatische Staaten nur noch zu einseitigen Bedingungen. Verweigern die Regierungen ihre Zustimmung zum Bau neuer chinesischer Bahnstrecken und Pipelines, dreht China den Geldhahn zu. Da aber die meisten Staaten in Zentralasien auf Kredite angewiesen sind, ist das ein empfindlicher Hebel. Letztendlich leihen sich Länder wie Usbekistan aktuell Geld von den Chinesen, um damit chinesische Baufirmen zu beauftragen, eine Pipeline durch ihr eigenes Staatsgebiet zu bauen. Trump würde sagen: “bad deal!“. Freundliche Zusammenarbeit kann also schnell in Zwangslagen enden. Für Deutschland ist so ein Szenario zwar noch unwahrscheinlich, aber eine feindliche Übernahme ist zu erkennen. So kaufen sich chinesische Investoren in wichtige Großkonzerne ein. Zwar sind 10% der Aktien Daimlers in chinesischer Hand und somit in noch keiner Gefahr – aber wer sagt, dass es so bleibt? Man könnte sich überlegen, was passieren würde, wenn die Chinesen mehr Aktien erwerben und es dann zu einer Krise zwischen Berlin-Peking kommt – China hätte dann einen großen Hebel in der Hand, wenn sie große Teile der Aktien deutscher Firmen halten. Deutschland könnte schnell unter die Räder geraten, wenn eine neue Globalmacht China ihre Muskeln spielen lässt.

Sollte man also auf China verzichten? Nein. Aber man sollte chinesische Aktivitäten genaustens beobachten und Angriffe auf neuralgische Positionen abwehren. Huawei ist nicht der einzige 5G-Ausrüster der Welt, genau wenig müssen chinesische Investoren Mehrheitseigner deutscher Konzerne werden. Deutschland muss endlich wieder eine eigene Industriepolitik führen und aufhören, den Chinesen zu romantisieren. Großmächte haben kein Interesse an Moral. Die USA und China zeigen uns das seit Jahrzehnten.

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Bild:Pixabay

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