Der Wehretat schrumpft wieder – sehr amüsant und gar nicht unerwartet!

Das Titelthema der aktuellen Loyal (#5/2019) berichtet, dass der Wehretat im Jahr 2020 wachsen, aber in den Jahren 2021-2023 in Erwartung von wirtschaftlichen Turbulenzen wieder sinken soll. (Was machen eure Vorbereitungen für stürmische Zeiten?)

Langjährige Beobachter deutscher Rüstungspolitik überrascht das überhaupt nicht, denn nur wenige Deutsche haben überhaupt ein echtes Interesse an einer funktionierenden Bundeswehr. Genauer und von vorne gedacht: Die wenigsten Deutschen verstehen sich in erster Linie als Deutsche, viele wollen nicht mal Deutsche sein (sondern Menschen, Norddeutsche, Europäer, Anhänger von Subkulturen). Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sie ihre unverdiente Freiheit auch nicht verteidigen wollen, zumal sie diese auch noch nach 70 Jahren Frieden und Wohlstand (ein historischer Ausnahmezustand!) als Naturzustand und bedingungslose Selbstverständlichkeit sehen. Dementsprechend wählen sie Politiker, die Sicherheitspolitik weit hintenan stellen. Diese Politiker haben erkannt, dass der Deutsche primär daran interessiert ist, sein austauschbares Reihenhaus und seinen silbernen Touran zu bezahlen und stellen daher stattdessen Wirtschaftsinteressen in den Vordergrund. 2% des Bruttoinlandsprodukt – eine in der NATO vereinbarte Quote – für vermeintlich Unnötiges auszugeben wäre der Tod für jede Regierung. Langfristig werden wir uns von derzeit knapp 1,5% eher der 1,0% annähern. Ob wir uns mit dieser Art der Verlässlichkeit die Loyalität unserer europäischen NATO-Partner verdienen können?



Am lustigsten fand ich den Satz «damit gefährdet sie ihr Ziel, die Streitkräfte bis Ende 2031 wieder voll einsatzfähig zu machen».

Oh – mein – Gott. Dieses Ziel (knapp über 300 Panzer, unter 200000 Mann) ist historisch gesehen sowieso eine absolute Witznummer. Der Vergleich mit dem Dritten Reich hinkt gewiss aufgrund z.B. der Komplexität der heutigen Waffensysteme und Abhängigkeit von wenigen Zulieferern für bestimmte, wichtige Bauteile und Materialien (z.B. ist Kevlar für Schutzwesten weltweit knapp). Aber ein kurzer Vergleich der Wehrmacht 1933 mit der von 1939 ist höchst beeindruckend und sollte uns zeigen, dass wir selbst in der Zielvereinbarung für 2031 (die doppelte Zeitspanne!) WEIT hinter unseren technischen, monetären und logistischen Möglichkeit stecken sollten! Ob wir damit den zukünftigen regionalen und geopolitischen Aufgaben gerecht werden, wage ich zu bezweifeln. Aber im Endeffekt werden Konflikte vom demjenigen gewonnen, der am wenigsten schwach ist, nicht vom Stärksten.

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Bild: German Soldiers from the 2nd Company Multinational Engineer Battalion of the Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) by river-crossing training on the river Rena with amphibious ferry vehicles M3. Crossing over of surface-to-air missile (SAM) system Patriot from the german airforce. NATO exercise Trident Juncture in Norway, Rena on October 24, 2018. Photo: SGM Marco Dorow, German Army / CC BY-NC-ND 2.0

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