1. Mai, Kevin Kühnert und die Arbeiterklasse

Kevin Kühnert stand mal neben mir vor dem Abgeordnetenhaus in Berlin und unterhielt sich dort mit einem seiner Bekannten. Die 1,65 m große Erscheinung mit dem Bauchansatz und eher mäßig gepflegten Äußeren ist nicht sonderlich imposant. Umso mehr scheint die Großmannssucht den jungen Kühnert erfasst zu haben, der nun endlich mit harter Hand durchgreifen will – im Namen der Bevölkerung und der Arbeiter natürlich. Er möchte Kollektivieren, obwohl die Geschichte der Arbeiterklasse gezeigt hat, dass gerade die Massenenteignungen und die Überführung der Gehöfte in die Hand von Parteibonzen, Gremien und Räten der vermeintlichen Arbeiterschaft, die Produktivität und den Wohlstand der Arbeiter nicht gemehrt hat. In allen Nationen, in denen der Sozialismus ausprobiert wurde, scheiterte er an allgemeiner Unwirtschaftlichkeit. Das Ziel, nämlich die Arbeiter und Bauern zu befreien, erreichte er nirgends. Überall dort, wo er wirkte, stieg eine kleine Clique von Parteibonzen und Bürokraten zur Spitze auf, wo sie nach unten traten und Zeit ihres Lebens versuchten ihren Platz am sonnigen Strand zu verteidigen. Der real existierende Sozialismus in der Geschichte, nicht die Utopie in den Köpfen der Menschen, hat den Arbeiter überall nur geknechtet und betrogen.

Wenn Kevin Kühnert einem echten deutschen Proletarier begegnen würde, wovon es nicht mehr allzu viele gibt, würde er vermutlich sofort die Flucht antreten. Der durchschnittliche Handwerker in Mitteldeutschland oder in Berlin vertritt eher Ansichten, die wenig politisch korrekt sind. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass er die AfD wählt, ist nicht gering. Aber die deutsche Sozialdemokratie hat schon lang einen Ekel vor dem deutschen Arbeiter kultiviert. Kevin Kühnert ist als körperlich schwächlicher und intellektuell scheinbar eher durchschnittlich begabter Mensch im Grunde prädestiniert, um die Rolle als Gernegroß der SPD auszufüllen. Er hat die Mauer nicht mehr miterlebt und seine Familie, Westberliner, kannten den Sozialismus nicht. In meiner Familienbiographie ließen sich hingegen lange Listen mit denen anfertigen, die Opfer von Repression in ganz unterschiedlichen sozialistischen Ländern geworden sind. Von der DDR, zur Tschechoslowakei und über Vietnam bis China ist alles dabei. In keinem einzigen Land hat der Sozialismus das Ziel erreicht, das er sich auf die Fahne geschrieben hat.

Ein 2009 begonnenes Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin brach er ab und arbeitete anschließend dreieinhalb Jahre lang in einem Callcenter.[3] Von 2014 bis 2016 arbeitete er im Abgeordentenbüro von Dilek Kolat und seit 2016 arbeitet er im Abgeordnetenbüro von Melanie Kühnemann.[4] Ein 2016 begonnenes Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität in Hagen ruht seit seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der Jusos – Quelle, Wikipedia

Die falsche Medizin



Kühnert sieht Probleme mit dem derzeitigen System, die durchaus existieren. Und Kritik an ihnen ist berechtigt. Die Medizin, die er verabreichen will, wird jedoch nicht zur Heilung beitragen, sondern alles nur viel schlimmer machen. Die Massenenteignung von Besitzern und Unternehmern wird nicht zu paradiesischen Zuständen, sondern zur Zerstörung dieser sowieso schon angeschlagenen Volkswirtschaft führen.

Es gibt ungesunde Wucherungen des Kapitalismus. Und der moderne Liberalismus erweist sich leider als viel zu oft autodestruktiv. Er zerstört die Grundlagen der Freiheit durch die Gleichgültigkeit, die er in den Menschen hervorruft. Dagegen hilft nur die Retraditionalisierung und die Rückbesinnung auf die Familie als kleinste soziale Einheit des Staates. Nur von dort aus kann wieder Gemeinschaftssinn entstehen, kann ein Staat sein Fundament ausbauen und soziale Politik gemacht werden. Ein wenig mehr Kommunitarismus und Republikanismus, statt Sozialismus und grenzenloser Freihandel. Denn der Sozialismus enteignet das Volk und knechtet es in einer rigiden Ideologie, während der Ultraliberalismus die nationalen Proletarier schädigt und eine globale Elite fördert, die sich keiner Nation zugehörig fühlt, sondern nur die Sprache des Geldes spricht. Republikanismus und athenisches Ideal des Staatsbürgers, des Familienmitglieds, der Dorfgemeinschaft und des Stadtbürgers, sollten die Werte sein, auf denen eine nationale Ökonomie und damit auch ein Staat fußen. Die Achtung vor dem geltenden Recht geht Hand in Hand mit sicheren Grundlagen für den Aufbau einer Wirtschaft. Der Schutz des Eigentums vor willkürlicher Enteignung gehört dazu, weil die Verallgemeinerung und Vergemeinschaftung des Eigentums einen Zustand erschafft, in dem sich niemand mehr verantwortlich fühlt. Alles kann und wird auf eine schwammige Masse geschoben, die in sklavischer Unterwürfigkeit die Augen gen Volkskammer richtet.

Nein, es ist wichtiger in kleineren Einheiten zu denken und diese zu stärken. Familienbetriebe, Bauernhöfe in den Händen von Generationen von Lehmanns oder Petersens und die Bäckerbetriebe, die nicht aus der Nachbarschaft durch große Ketten vertrieben werden, weil sie als Kleinunternehmen nicht konkurrieren können. Klingt vielleicht sozialistisch, ist aber kommunitaristisch. Automobilwerke und große Firmen fördern, die national verankert bleiben können, weil man sie weder zu Tode besteuert und gleichzeitig Anreize schafft, sich trotz Milliardenumsätzen für das eigene Land und die Angestellten stark zu machen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und kann ohne Gemeinschaft und Identität in keinem gesunden Verhältnis zu seiner Umwelt leben. Er selbst nimmt dabei eine vielfältige Rolle ein. Mitglied der Gemeinschaft ist sowohl der Stahlarbeiter als auch der DHL-Postbote und der Besitzer einer Firma, die 200 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht. Sie alle gehören zu einer Gemeinde, die lokal irgendwo existiert und der sie sich zugehörig fühlen sollten. Kommunitaristen verstehen diese verschiedenen sozialen Personen, die wiederum für soziale Gruppen stehen, nicht als unbedingte Gegner.

Der Sozialist hingegen sieht die Geschichte als eine Abfolge von Klassenkämpfen und umreißt damit gleich das Feld als ein Kriegsgebiet. Zwischen Arbeitern bzw. Bauern und beispielsweise Großgrundbesitzern (heute Immobilienbesitzern) soll und darf es keinen Frieden und keine Verständigung geben. Auf diesen Grundannahmen kann man keine gute Zukunft bauen. Eine intakte Gemeinschaft, mag man sie Volksgemeinschaft nennen, die ihre Freiheit nicht aufgibt und doch soziale Politik für die Eigenen macht, sich als Einheit trotz sozialer Klassenunterschiede versteht, ist der Gleichmacherei und Walze des Kommunismus vorzuziehen.

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Bild: Ben Sutherland / CC BY 2.0

 

 

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