Völkische Siedler und zerfallende Staaten

Sie pflegen archaische Bräuche, lassen Nationalfarben wehen, pflegen ihre Sprache und ihre Kultur – oder was sie dafür halten. Die Rede ist von völkischen Siedlern. Und wenn Sie kurz an den Wedding, Kreuzberg, Duisburg oder Neukölln und die dortigen ethnisch-religiösen Enklaven muslimischer Migrantengruppen gedacht haben, sei Ihnen verziehen. In jedem Biodeutschen wohnt ja laut implizierter Meinung der Journaille ein heimlicher Nazi.

In der ARD-Kurzdokumentation Grüner Garten, brauner Boden, befasst sich das Erste mit sage und schreibe 800 sogenannten völkischen Siedlern der Anastasia-Bewegung, die sich in Deutschland zu Umtrunk, Picknick und Live-Action Rollenspiel-Veranstaltungen treffen. Vielmehr ist das eigentlich nicht, wird aber größer gemacht, als es in Wahrheit ist. Dahinter steckt womöglich der Wunsch von «Rechtsextremismus-Experten» wie Andrea Röpke, die sich scheinbar 24/7 mit der ganzen rechten Szene befasst. Mir hat man mal gesagt, dass wer eine wissenschaftliche Arbeit über ein Thema schreibt, das ihn laut eigener Aussage  nicht interessiert und fasziniert, ein Lügner ist. Man wünschte, sie wären bedeutender, damit derjenige, der sich damit befasst, umso bedeutender ist.



Abgesehen davon, dass die Wichtigkeit und Gefahr dieser völkischen Siedler völlig überhöht wird, handelt es sich vermutlich nicht um gute Republikaner, also um Anhänger der Bundesrepublik Deutschland. Ein paar seltsame Gestalten, LARPer und Leute, die in Ruhe gelassen werden wollen. Sicherheitsbehörden mögen ein Auge auf sie werfen, sollten aber nicht vergessen, dass es auch andere Felder gibt, die dringlicher bestellt werden müssen.   Und damit hat sich die Geschichte im Grunde auch schon.Aber bereits in den ersten 60 Sekunden schwingt ein abwertender Tonfall bei der Erzählerin mit, wenn sie über deutsches Brauchtum und Tradition spricht, als wäre das per se etwas Böses oder Ekliges.

Bei den völkischen Siedlern handelt es sich um eine klassische Parallelgesellschaft. Aber solche gibt es in diesen Jahren mittlerweile überall in ganz Deutschland. Biodeutsche Hipsterbiotope und arabisch-islamische Ghettos kann man ebenso zu diesen Parallelgesellschaften zählen, wie nationale Siedler und SED-Rentnersiedlungen in Brandenburg, wo die Fahne der Partei noch hoch gehalten wird. All diese Fraktionierungen sind eigentlich Anzeichen für einen zerfallenden Staat bzw. einen dysfunktionalen, der kein einendes, alle mitnehmendes Narrativ mehr anbietet. Eine gemeinschaftliche Erzählung, die alle Bürger anspricht und ihnen das Gefühl gibt, zu etwas zu gehören. Die Bundesrepublik Deutschland in ihrem jetzigen Zustand bietet, wie Bassam Tibi es formulierte, außer «Unterbringung, Alimentierung und Sprachkursen den Neuankömmlingen» nichts an. Das Identitätsangebot fällt jedoch auch für die Einheimischen relativ mager aus. Selbst das Ideal vom Staatsbürger bleibt hier eher flach und ohne Pathos. Kein Wunder also, dass sich die Bewohner dieses Staates ihre eigenen Identitätsenklaven suchen. Jeder seine eigene, kleine Ecke. Für die Gesundheit der Republik verheißt das eigentlich nichts Gutes. Die Bundesrepublik und ihre Führung sollten sich lieber Gedanken machen wie sie diese Zerfallserscheinungen und Fliehkräfte noch bändigen, bevor es zu Rissen im Fundament kommt.

Man darf gespannt sein, wann Frau Röpke in die Sonnenallee geht, um den libanesischen und palästinensischen Clans zu sagen, dass sie hier gefährliche Parallelgesellschaften bilden, wo seltsame Traditionen gelebt werden und Verschwörungstheorien über Juden und Christen zum guten Umgangston gehören.

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