Die oberste Direktive

Eine der beliebtesten Sci-Fi-Erzählungen ist die von Star Trek. In nahezu allen Variationen versetzt uns der Macher von Star Trek, Gene Roddenberry, in eine futuristische Welt in einer nicht so weit entfernten Zukunft, in der die Menschheit es geschafft hat eine Weltregierung zu bilden. Nach einem brutalen Jahrhundert, dem 21. Jahrhundert, das voller furchtbarer Weltkriege war, schlossen sich die verbliebenen Menschen ungeachtet von Ethnie, Religion oder Nationalität zu einer gemeinsamen Super-UN zusammen. Sie gründen eine neue Gesellschaft, in der es weder Geld noch Not gibt. Alle Menschen arbeiten zur Besserung der Menschheit, statt für ihre eigenen, scheinbar egoistischen Ziele. Medizin ist hochentwickelt und kostenlos, Kriege zwischen den Nationen gibt es nicht mehr. Auch Gewalt ist eine Anomalie, die nur sehr selten auftritt. Perfektes Essen kommt aus dem Automaten, alle Mitglieder dieses Utopias sind durchtrainiert, gesund und intelligent. Es ist der feuchte Traum verblendeter Globalisten, der nicht auf der Erde aufhört. Denn die Föderation der Vereinten Planeten, eine Art UN des Universums, vereinigt Dutzende von Alienspezies unter einer Superregierung – eine monströse Bürokratie, die sich dem Fortschritt, aufklärerischen Toleranzfloskeln und dem Frieden verschrieben hat. Die Föderation und die Menschheit in Star Trek sind das, was sich die Generation unserer Eltern und Großeltern nach dem Zweiten Weltkrieg erträumt hat. Die Vereinten Nationen auf der Erde sind eine logische Konsequenz dieses utopistischen Denkens, das auf falschen Annahmen basiert. Es ist ironisch und witzig zugleich, dass Gene Roddenberry viele Jahre später mit der Sci-Fi Serie «Andromeda» eine völlig andere Geschichte erzählt. In Andromeda zerbrach die utopistische Gesellschaft, das Commonwealth, an seinen inneren Gegensätzen und der Schwächung durch einen zu langen Frieden. In Andromeda ist die Galaxis brutal, unzivilisiert und es gibt nur das Recht des Stärkeren. Es scheint fast so, als hätte Roddenberry seine Ansichten über die Menschheit mit zunehmendem Alter geändert. So als wäre er im hohen Alter weiser geworden. Seinen Idealismus, der in Star Trek fortlebt, legte er in Andromeda ab.

Wir brauchen Dinge

In Star Trek: The Next Generation wird die Geschichte der Enterprise mit dem Protagonisten Jean Luc Picard erzählt, der Kapitän dieses Forschungsschiffes ist. Die erfolgreiche Serie macht unmissverständlich klar, dass es sich bei diesem Schiff mit vielen Tausend Menschen und Aliens an Bord, um ein internationales(interspezies) Forschungsraumschiff handelt, das nur mäßig bewaffnet ist und viel ziviles Personal an Bord hat. Überhaupt ist die militärische Ausbildung und Ausrüstung der Menschen im Allgemeinen regelrecht peinlich, wenn man sich die Außenteams der Enterprise ansieht. Man scheint in der Zukunft weder Schutzkleidung zu tragen, noch grundlegende Regeln des Gefechts bzw. Kampfes zu verstehen. Die Föderation der Vereinten Planeten ist eine pazifistische Gummitruppe, die das Weltall erforschen will und dabei die Rolle eines Beobachters einnimmt. Immer wenn sie auf fremde Spezies auf fernen Planeten treffen, versuchen sie das Zivilisationsniveau der Aliens einzuschätzen und abzuwägen, ob die Außerirdischen möglicherweise zivilisiert genug sind, um der Föderation beizutreten.



An sich, und das ist der Witz an dieser Utopie, ist diese Herangehensweise ganz und gar nicht mit dem gutmenschlichen Unterton von Star Trek zu vereinbaren. Denn sie entspringt dem Realismus. Die Crew der Enterprise beobachtet die fremden Völker und fällt ein Urteil über sie, ohne jedoch direkt einzugreifen und den Lauf der Entwicklung der Aliens zu stören. Man nennt dies die «oberste Direktive». Es handelt sich um eine beinahe unumstößliche Regel, die nicht gebrochen werden darf. Selbst der Erschaffer einer futuristischen Utopie, in der eine fast schon kommunistische Weltregierung über Dutzende Planeten herrscht, in der sich alle Mitglieder einem seltsamen Humanismus verpflichtet fühlen, erkennt, dass man nicht jeden Hanswurst aus einer barbarischen Kultur in seinen Club aufnehmen darf. Es ist ganz klar für die Föderation, dass beispielsweise irgendwelche brutalen Kriegervölker, die auf dem technologischen und zivilisatorischen Niveau von Halbaffen stehen, keinen Platz in einer humanistisch orientierten Gesellschaft haben können. Denn würde man sie aufnehmen, dann würde die Utopie an ihren inneren Widersprüchen, denen ihrer Mitglieder, die nicht alle das selbe Weltbild haben, zerbrechen. Diese Idee wird Roddenberry mit den Nietzscheanern in Andromeda fortführen. In seinem späteren Machwerk zerbricht diese utopistische Regierung, das Commonwealth, daran, dass es Mitglieder aufgenommen hat, die nicht in das Halleluja der Friedensfanatiker und Gutmenschen mit einstimmen wollen, sondern in der faulige Degeneration dieser Zivilisation nur Schwäche, die es auszubeuten gilt.

In Star Trek: The Next Generation gibt es eine Folge, wo die Mannschaft der Enterprise auf ein Volk trifft, das sich zwar mit Raumschiffen durch die Galaxis bewegen kann, aber scheinbar diese Technologie von einem anderen, höher entwickelten Volk bekommen hat. Jemand hat also in die natürliche Entwicklung dieser Spezies eingegriffen und ihr vermutlich aus falsch verstandener Freundlichkeit Technologie überlassen, die nicht ihrem mentalen und kulturellen Niveau entsprach. In etwa so, als würde man einem Mann aus der Steinzeit eine Kalaschnikow und einen Atomreaktor in die Hand drücken. Eventuell kann man ihm zeigen, welche Tasten er betätigen muss, um diese oder jene Aktion auszulösen. Aber er wird wohl niemals verstehen, was er da eigentlich tut. So geht es auch den Aliens aus der Folge von Star Trek, die prompt beim Erstkontakt mit den Menschen der Föderation nach «Dingen!» fragen.

«Wir brauchen Dinge!» Das ist der einzige Satz, den die Aliens nicht müde werden zu wiederholen. Sie verstehen nicht was sie eigentlich tun, um durch das All zu reisen. Sie benutzen ihre neuen Waffen, ohne die philosophischen Grundlagen von Zivilisation, Krieg, Völkerrecht oder die bloße Wirkung eben selbiger Waffen zu verstehen. Sie sind einfach Barbaren, die mit der Phasenkanone in der Hand das tun, was Barbaren eben tun. Solche Völker haben keinen Platz in der Vereinten Föderation der Planeten. Daran besteht auch für Picard und seine Enterprise kein Zweifel. Niemals würden sie auf die Idee kommen, eine solch primitive Nation von Fremden in ihre eigene Zivilisation aufzunehmen. Die Folgen wären unvorstellbar zerstörerisch.

 

Die selbe Logik wird überall in Star Trek angewandt. Insofern ist diese Utopie womöglich sogar realistischer, als die der heutigen Gutmenschen. Völker werden nicht einfach durch den Übertritt in ein neues Land bzw. eine neue Gesellschaft zu Trägern der selben Werte und Ideen. Nur weil man die kriegerischen Klingonen, die nur Kampf und Krieg kennen, in die Föderation aufnimmt, werden sie nicht automatisch zu Vertretern eines internationalen Humanismus. Es gibt Zivilisationen, die einfach nicht miteinander kompatibel sind. Und eine friedliche, ja pazifistische Zivilisation mit einer kriegerischen und barbarischen zu vermengen, würde die eigene Vernichtung bedeuten.

Hat dir der Beitrag gefallen?

Spendier uns eine Kleinigkeit, um den Blog zu unterstützen:

5,00
Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Spendensumme: €5,00

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.