Berlin 24/7 im April – Vom Ende meiner Ruhe

Ein kleines Tagebuch für Berlin, wo ich erzählerisch und rückblickend zusammenfasse, was mir so im Alltag hier passiert, wenn es  subjektive Relevanz für das Politische und Gesellschaftliche hat. Da diese leicht autobiographischen Texte von den Klickzahlen immer recht gut angekommen sind, habe ich mich entschlossen das zur Regelmäßigkeit zu machen und extra dafür Notizen zu führen. Mehr Unterhaltung, als fundierter Sachartikel.

Da stand ich also, als Flüchtling aus dem Berliner Wedding in einem eigentlich ruhigen Eck von Köpenick im Osten. Ich wusste, dass dies hier nicht immer das Refugium bleiben würde und das demographische Veränderungen sich sehr schnell vor meinen Augen abspielten. Bis vor einigen Tagen dachte ich aber noch, dass es noch etwas dauern würde, bevor auch hier das Ende meiner Ruhe käme. Ich sollte mich irren. Als ich vor einiger Zeit, die ersten warmen Tage des Jahres waren gekommen, in Köpenick an einem Spielplatz vorbei ging, fiel ein kleines Traumschloss vor meinen Augen in sich zusammen, das ich mir in den Jahren seit meiner Ankunft hier aufgebaut hatte. Eigentlich hatte ich ja vor hier mal Kinder zu haben, mit meiner Partnerin dauerhaft sesshaft zu werden. Aber als ich zusammen mit einer älteren Deutschen, die sich auf einen Rollator stützte, wie gebannt auf den kleinen Spielplatz schaute, fühlte ich mich ein klein wenig wie William Foster aus dem Film «Falling Down» mit Michael Douglas. Nicht wie einer, dessen Sicherungen durchbrennen! Aber wie ein Mann, dessen Geduldsfaden und Toleranz über alle Maßen strapaziert werden.



Vielleicht kennen Sie den Film ja noch. Er handelt von einem Mann, einem weißen Amerikaner, der durch eine Kette von Ereignissen, die an und für sich nur nervig sind, völlig ausflippt und seine gesamte Existenz in der Gesellschaft in Frage stellt. Im Film fällt es Foster wie Schuppen von den Augen, während er im Stau steht, sich im Großstadtdschungel von irgendwelchen Latinos belästigen lassen muss, dass er einfach aus der Zeit gefallen ist. Er, ein normaler, arbeitender Amerikaner, kann mit dieser urbanen, multikulturellen Dystopie einfach nichts mehr anfangen. Diese Welt ist nicht für ihn, obwohl er hilft sie mit seiner Arbeitskraft und seinen Steuern aufrecht zu erhalten. Am Ende dreht er durch und stirbt. Erschossen ebenfalls von einem weißen Mann, dessen Zeit als Polizist auch abgelaufen scheint. An seinem letzten Tag im Dienst, noch bevor er von einer jungen Latina-Polizistin ersetzt wird, erschießt er den Amokläufer William Foster.

Foster wird angebettelt, abgezockt, lächerlich gemacht und steht irgendwann inmitten einer staubtrockenen Sandinsel zwischen den Hochhäusern des amerikanischen Kapitalismus. Dass er sich auf dem Gebiet einer ausländischen Gang niedergelassen hat, wusste er nicht. Er geht wohl naiv noch davon aus, dass ihm als Bürger zusteht dahin zu gehen, wohin es ihm beliebt, weil er an der Erschaffung dieses Landes einen Anteil hat. Weit gefehlt.

Zuerst versucht William Foster mit den Gangstern, die im Grunde nichts anderes als Invasoren in seiner Heimatstadt sind, einen Kompromiss zu finden. Er bleibt vernünftig, versucht mit seinem Gegenüber eine Verständigung zu erreichen, obwohl klar ist, dass die Krawallbrüder absolut vernunftbefreit sind. Foster ist keinesfalls ein Verrückter, sondern hat durchaus noch die Fähigkeit abzuwägen und rational zu bleiben. Er greift nicht zur Gewalt, um der Gewalt willen, sondern sucht die friedliche Lösung, sofern sich eine bietet. Der Archetypus des weißen Menschen im globalen Westen. Als sich jedoch abzeichnet, dass es keine friedliche Lösung geben wird, schlägt er brutal und unerbittlich zu, bis sein Feind besiegt ist. Dieses Muster zieht sich durch den ganzen Film. Foster, auch wenn er im Verlauf immer verrückter erscheint, versucht erst mit den Menschen zu reden und seinen Standpunkt zu vermitteln.

Zurück zu Köpenick und dem Spielplatz

Da stand ich also wie verzaubert mit einer deutschen Omi, die sich gekrümmt über ihre Gehhilfe stützte und schaute auf die versammelte Gruppe muslimischer Frauen im schwarzen Tschador. Sie aßen Fastfood, um sie herum stapelte sich das Verpackungspapier und im Sand spielten die scheinbar ausschließlich männlichen Kinder mit schwarz lackierten Plastikwaffen, die Klick- und Klackgeräusche von sich gaben, wenn die Kids den Abzug betätigten. Eine der jüngeren Frauen stieß hin und wieder einen seltsamen Schrei aus, der mich an einen erstickenden Indianer erinnerte. Ich kann nicht genau erklären, was das für ein Kriegsgeheul war und wie man es am besten beschreiben könnte. Es war eine Mischung aus Trällern und Indianergeschrei, das sich mit dem Kriegsspiel der Jungen vermengte. Ein paar Meter weiter, hinter den grünen Hecken, standen die Männer, die wohl zu der Frauengesellschaft gehörten. Sie unterhielten sich angeregt und laut in ihrer arabischen Sprache, während sich die Kinder darin übten, die Belagerung von Tripolis oder die Eroberung von Konstantinopel nachzuspielen. Ich habe ja überhaupt nichts gegen Kriegsspielzeug. Aber die Art und Weise, wie die kleinen Araber einander auf den Boden drückten und mit den schwarzen Anscheinswaffen niederstreckten, dabei brüllten und jubelten, weckte in mir kein wohliges Gefühl. Immer wieder rief einer der größeren Jungen: «takbir! takbir!» (Kurzform für Allahu Ackbar. Wenn man Saswawn Chebli glauben schenkt, ist das kein Grund zur Beunruhigung).

Hätte man mir in diesem Moment das Gedächtnis gestohlen und mir dann gesagt, ich wäre irgendwo in Damaskus auf einer zum Spielplatz umfunktionierten Mülldeponie – ich hätte es wohl geglaubt. Jamaikaner, Chinesen, Polen oder Russen – all das stört mich wenig. Ich finde ein gewisses Maß an Vielfalt sogar nicht schlecht. Aber diese Inszenierung von arabischem Tribalismus und Gotteskriegertum bereitet mir Bauchweh.

Anders als William Foster weiß ich mir natürlich noch zu helfen und kann die Energie in positivere Bahnen lenken. Und das rate ich auch allen anderen, die ähnliches erleben und ein gewisses Gefühl des Ärgers oder der Hilflosigkeit angesichts dieser Veränderung unserer Lebensumwelt empfinden.

Hat dir der Beitrag gefallen?

Spendier uns eine Kleinigkeit, um den Blog zu unterstützen:

5,00
Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Spendensumme: €5,00

Bild: Screenshot Youtube

 

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.