Orientexpress in Bludenz, Österreich

Am Wochenende besuchte ich mit meiner Freundin Lech in Voralberg, Österreich. Dass es sich um einen eher gehobenen Skiort handelte, wurde mir klar, als ich dort etwas essen wollte. Viele Worte will ich gar nicht über diese schöne Alpenregion verlieren. Außer, dass ich sie als Refugium durchaus empfehlen kann. Hier sah man ganz gut, dass etwas Geld die Sorgen des Alltags besser verträglich macht. Wer sich hierhin zurückziehen kann, kapselt sich ein wenig vom Rest der Welt ab, weil er sich das leisten kann.

 

Lech in Voralberg.


Viel interessanter war die Erfahrung, die wir mit dem öffentlichen Nahverkehr und der Bahn machten. Von der Schweiz aus fuhren wir nach Österreich hinein. Zu meiner Überraschung kamen alle Züge mehr als pünktlich und fuhren ebenso pünktlich ab. Ein Novum für einen deutschen Bundesbürger, der ansonsten nur die Deutsche Bahn als Vergleichswert hat. Vielleicht hatten wir ja einfach nur Glück. Aber auch auf der Rückreise gab es keinerlei Probleme, was den guten Eindruck noch verstärkte. Der kleine Kulturschock kam in Bludenz (Österreich), wo wir umsteigen und längere Zeit auf den Anschlusszug warten mussten. Genug Zeit, um die Gegend zu erkunden. Ohne jetzt etwaigen Bludenzern und Voralbergern zu nahe treten zu wollen: selbst für mich als Berliner war es ziemlich überraschend, wie viele Muslime und außereuropäische Migranten sich selbst in der eher ländlichen Gegend angesiedelt haben.

Als wir in Lustenau auf der Hinfahrt kurz anhielten, um zusteigende Gäste aufzunehmen, fühlte ich mich ein wenig wie im Orientexpress. Die ganze Bahn war voll mit Afghanen, Syrern, Türken bzw. Kurden oder anderen Orientalen. Es war schwer dies nicht zu bemerken, da die Lautstärke im Zug nach dem Halt in Lustenau mich stark an einen Basar in Berlin-Kreuzberg erinnerte. Auf der Rückreise bot sich in Bludenz ein sehr ähnliches Bild, als ausgebreitete Teppiche nahe dem Bahnhofsbereich davon kündeten, dass hier einige Muslime auf offener Straße ihr Gebet verrichteten. Kopftuchfrauen dominierten das Straßenbild zur Mittagszeit, wenn es nicht durch ein paar ältere Österreicherinnen auf Spaziergang aufgelockert wurde. Junge, schwarzbärtige Männer (ich einer von ihnen) mit fremdländischen Gesichtszügen bildeten zumindest an diesem Sonntag eine nicht zu übersehende, wenn auch knappe Mehrheit auf der Straße. Vielleicht gibt es ja ein paar Leser aus Österreich, die mit ihren persönlichen Eindrücken hier etwas beisteuern können. Der letzte Census von 2001 gab die Anzahl der Muslime noch mit 4% für ganz Österreich an. Mittlerweile soll sich deren Zahl verdoppelt haben, wobei Vorarlberg und Wien sogar Spitzenreiter sind. Die letzte offizielle Zahl scheint aber aus dem Jahr 2007 zu stammen und erscheint mir mit 8,4% wenig aktuell und aussagekräftig. Die Realität dürfte heute, über zehn Jahre später, eine gänzlich andere sein.

Da war ich selbst als abgehärteter Berliner aus dem Wedding schon ein wenig irritiert.

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