Ein Glück hat diese Jugend keine Waffen

Dieser Tage wird ja viel über die sogenannte «Klimajugend» oder die «Greta-Jugend» geschrieben und gesprochen. An den «Fridays for Future» versammeln sich die ideologisch schon vorgewärmten Jugendlichen, um angeblich für das Klima zu demonstrieren, während sie die Innenstädte in Müllkippen verwandeln, sobald sie wieder abziehen. Mehr als Effekthascherei und billige Polemik kommt dabei nicht heraus. Wenn die beinahe uniformierten Heerscharen der Mädels mit dem Fjaellräven-Rucksack, der Mateflasche und der Haarpalme am Moritzplatz in Berlin stehen, sehen Medien und Politik in ihnen die Streiter auf der richtigen Seite der Moral. Schließlich würden wir alle sterben, wie Al Gore das ja in seinem Film von 2006 behauptete. Die Polarkappen würden schon jetzt geschmolzen und die Eisbären ausgestorben sein. Ganz so dramatisch war es dann doch nicht.

Eigentlich fühlen sich diese Jugendlichen ja als Rebellen, weil sie gegen die bösen, alten und weißen Männer in der vermeintlichen Mehrheitsgesellschaft kämpfen. Dabei kriegt vor allem die AfD in Deutschland auf diesen Protestmärschen regelmäßig ihr Fett weg. Als ich eher zufällig in Berlin am Moritzplatz ausstieg und inmitten einer solchen Demonstration landete, flatterte die Fahne (der JUSOS) ihrer kleinen Formation voran.Links und rechts flankiert von Sojasprösslingen in Menschenhaut, die mit dünnen oder schwabbeligen Ärmchen ihre Plakate oder Fahnenstangen hielten (vom Typ Rayk Anders oder Moritz Neumeier). Dabei fiel mir auf, dass neben vielen sehr jungen Schülern (12-18), einige die Gruppen anführten oder begleiteten, die zu groß und zu alt für Jugendproteste waren. Da waren Lehrer oder Eltern, deren ergrautes Haar Zeugnis davon ablegte, dass sie zwar den 68ern entwachsen sind, aber gerne noch mitgemacht hätten, dies aber nun nachholten. Und da waren solche Mitte 30er Männer und Frauen, die den das Hobby des Aktivisten zum Beruf gemacht haben. Einer fiel mir besonders in Auge. Er trug ein Plakat mit der Aufschrift  «Sozialismus JETZT!» und lief, gekleidet in einen grünen Militaria-Mantel, neben einigen Schülern, die eher mit mäßiger Motivation Parolen riefen, die man auch auf den internationalen Jugendfestspielen oder einem Parteitag der Grünen hören kann. Die erhobene und zur Faust geballte Hand war häufiger zu sehen. Vor allem dann, wenn einige dieser Älteren an der Polizei vorbei spazierten. «Internationale Solidaridät!» war auch so ein Satz, der über dem Protest schwebte und in den blauen Berliner Himmel gerufen wurde.



 

Moritzplatz, Berlin
Bild: Privat

 

Diese ganze religiöse Prozession erinnerte mich ein wenig an die bestialischen Schauspiele der maoistischen Jugend in China, mit denen ich mich vor einigen Jahren ausführlicher befasst habe. Nachdem die künstlich provozierte industrielle Revolution mit dem «großen Sprung nach vorne» krachend gescheitert war und der chinesische Kommunismus gleich ein paar Millionen Menschen mehr umbrachte, entschloss man sich den Volkszorn in eine andere Richtung zu lenken – nämlich die der Kultur. Deshalb ist es auch selbstverständlich, wenn man vom Begriff des Kulturmarxismus Gebrauch macht. Er ist historisch nachweisbar und hat sich über die Jahrzehnte vor allem im Westen ausbreitet. Das alte China, das philosophisch durch den Buddhismus geprägte Reich der Mitte, wurde im Rahmen dieser Kulturevolution nahezu völlig zerstört. Das heutige China ist nur ein blutiger Stumpf der chinesischen Kultur, die diese Zäsur der späten 1960er Jahre nicht ohne Schaden überstanden hat. Tempel wurden zerstört, Artefakte vernichtet, Bücher verbrannt, Menschen und alte Gelehrte massakriert. Alles brannte und blutete, was nicht der religiös anmutenden Parteiideologie widersprach, die wiederum selbst voller Widersprüche war. Für die Maoisten bzw. Kommunisten dienten die jugendlichen Mobs, die man auf die eigene Nation losließ, lediglich als Mittel zum Zweck. So säuberte man nicht nur die Partei, entledigte sich etwaiger Störenfriede, sondern zementierte auch die Machtbasis der kommunistischen Partei Chinas. Denn durch die Zerstörung bzw. Ablehnung des alten Chinas und jedweder anderen Meinung, etablierte die Partei eine politisch-historische Kultur, die sie selbst bestimmen konnte. Denn vor Mao gab es nichts und nach ihm würde es auch nichts geben. Erst langsam entdecken die Chinesen ihr altes Erbe neu, nachdem die Parteilinie sich aufgeweicht hat.

Also ließ man die Jugend, in die Hysterie gepeitscht, auf das eigene Land los. Angeführt und begleitet von «Jugendführern», also älteren Mitgliedern der kommunistischen Partei ( ca. 20-30 Jahre alt), stürmten die Jugendbanden mit echtem Zorn und in ideologischer Totalverblendung die Heiligtümer ihrer eigenen Nation und beraubten sich quasi des Erbes ihrer Vorfahren. Immer in dem Glauben, dass sie damit eigentlich rebellieren würden gegen jene rigide Ordnung (des alten Chinas), die es vorher gab, aber zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr existierte. Sie taten ja das Richtige, so glaubten sie. Die Kommunisten hatten den alten Drachen des Konfuzianismus schon besiegt. Hinzu kommt, dass sie eben für diese Taten während der Kulturevolution noch belohnt wurden. Wenn sie echte Rebellen gewesen wären und wenn es wirklich noch diese bösen Altchinesen gegeben hätte, dann wäre die Revolution nicht so einseitig zu Gunsten der Kulturrevolutionäre verlaufen.

In Deutschland gibt es womöglich ein paar Ähnlichkeiten, wenn auch nur oberflächliche. Es gibt keinen Widerspruch gegen den Furor der Klimajugend und generell der eher links orientierten Jugend, die sich irgendwo zwischen Öko-Sozialismus und Kommunismus einsortieren würde. Bis auf die AfD gibt es keine Stimme, die ihrem Kurs widerspricht und zur Mäßigung aufruft. Dabei entging mir bei einer zuvor erlebten Podiumsdiskussion mit Jugendlichen in genau diesem Alter nicht, dass hier eine unglaubliche Selbstüberschätzung, Arroganz und ein echter Zorn auf «irgendwen» vorhanden zu sein scheint. Dass die politischen Einpeitscher, inklusive Kanzleramt und Bundestag, diesen Zorn zu nutzen wissen, dürfte eigentlich nicht mehr überraschen. Alles wird positiv «geframed» und mit schönen Worthülsen verkleidet. Sie, die Schüler, nehmen nur an der Demokratie teil, wenn sie am Freitag die Schule schwänzen und die Klimaendzeit beschwören.

Dass die Altparteien fast alle ausnahmslos für Senkung des Wahlalters auf 16 oder bald schon 14 sind, ist verständlich. Immer schon war es leichter die Jugend, die von sich glaubt auch fehlerfrei zu sein und sich selbst nicht richtig reflektieren kann, zu instrumentalisieren. Eigentlich gibt es keinen großen Grund zur Sorge. Die deutsche Jugend ist feminisiert, die meisten linken Männer sind völlig entmannte, kraftlose und weichbirnige Ideologen. Von ihnen wird womöglich kaum direkte Gewalt, abgesehen von Antifa-Attacken, ausgehen. Mit den Kulturrevolutionären in China sind sie nur bedingt vergleichbar, wenngleich die Verhaltensmuster ähnlich sind. Gott sei Dank sind sie friedlich. Aber in ihnen, das möchte ich betonen, schlummert die Saat der roten Marodeure Chinas. Was nicht ist, kann ja noch werden.

Ehrlicherweise muss man froh darüber sein, dass die deutsche Jugend weder Waffen hat noch diese einzusetzen weiß. In der demographischen Gruppe der 28-45 jährigen Menschen sieht es politisch hingegen schon deutlich besser aus. Aber da wählt man auch anders.

«Wer in jungen Jahren nicht links ist, der hat kein Herz. Wer es im Alter noch immer ist, der hat kein Hirn.» – Zitat von einem klugen Menschen

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Titelbild: Flickr; Kurt Groetsch / CC BY-NC-SA 2.0

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