Gastbeitrag: Der chirurgische Eingriff der Politisierung – Das Öffnen der Augen

Gastbeitrag von Alexander Kirton

Wer Menschen politisieren möchte, muss ihnen vorerst die Augen öffnen. Es mag klingen wie ein «Nobrainer», doch eben darin besteht die Kunst der Politisierung. Kontraproduktiv ist das Einschlagen auf den noch Schlafenden mit der eigenen politischen Agenda. Konfrontiert man das Gegenüber mit der vorgefertigten Agenda, in der Hoffnung, dass die Logik dieser ihn von der Wahrheit überzeugen wird, so impliziert man dessen Bereitschaft und Kompetenz die «frohe Kunde» frohlockenden Herzens zu empfangen. Davon auszugehen wäre naiv.



Der Mensch als Angehöriger der breiten Masse ist nicht politisch. Er ist weder politisch interessiert, noch irgendwie geneigt, gegebenenfalls für die eigene Überzeugung zu kämpfen. Er ist vielmehr ein lahmer Körper, dessen Trägheit es gilt zu überwinden. Meines Erachtens besteht darin die Aufgabe des metapolitischen Wirkens.Wird der Mensch jedoch zu abrupt an den Rand seiner Wohlfühlzone gezogen, so resigniert er. Hierbei ist die Macht der Konnotation zu bedenken. Bestimmte Begriffe oder Thematiken gilt es vorerst zu umgehen oder vorsichtig zu umschreiben.

Dieser Vorgang ähnelt einem Verhör, in dessen Verlauf man das Gegenüber zu Handlungen bewegen möchte, zu denen er nicht ohne das geschickte Agieren des Verhörenden gewillt wäre. In anderen Worten: Es handelt sich um Manipulation im eigentlichen Sinne. Stößt man durch bestimmte Terminologien oder durch bestimmte Aktionen das Gegenüber zu stark vor den Kopf, so wird es kaum noch möglich sein, einen Erfolg zu erzielen – so auch im Rahmen einer gezielten Politisierung.

Bevor man Menschen politisieren kann, muss man sie sanft aus ihrem geistigen Trance, aus ihrer Trägheit, aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit(Kant!) befreien. Man muss ihnen die Notwendigkeit des Hinterfragens aufzeigen und ihnen die Furcht nehmen, sich allmählich aus dem Trott der breiten Masse zu entfernen. Man muss ihnen zeigen, dass man einer von ihnen ist, dass man ihre Ängste und Sorgen versteht und ihnen Alternativen darlegen, um sich dem starren Blick auf die Wand der platonischen Höhle zu entziehen. Ist dieser Schritt geglückt, kann eine weitere Politisierung stattfinden.

Niemals darf man dem Irrglauben oder dem Wunschdenken verfallen, dass eine ruckartige Politisierung möglich sei. Immer erst müssen die Augen des Schlafenden behutsam geöffnet werden, um ein nachhaltiges (!) Umdenken zu erzielen. Hierfür eignet sich der Dialog ungemein  – er ist sogar unerlässlich.

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