Es ist einfach nicht mehr meine Bundeswehr – und das ist in Ordnung

Gastbeitrag von Sebastian M. – Mitte 30, Hauptmann und Mitglied einer aussterbenden Art. 

Es hat eine Weile gedauert. Aber mittlerweile habe ich meinen Frieden mit der Truppe gemacht. Derzeit erhalte ich eine wunderbare Fortbildung durch den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr und werde demnächst in der freien Wirtschaft arbeiten, wo man dieser Tage gezielt nach Führungskräften aus dem Militär sucht. Ursprünglich hatte ich überlegt Berufssoldat zu werden und den Dienst zur Berufung zu machen, damit alt zu werden. Aber nach fast 15 Jahren ist klar, dass ich dieser Truppe entwachsen bin.



Im Jahr 2004 kam ich in eine Armee, deren erfahrene Ausbilder und Offiziere noch mit dem Ernst und dem Drill des Kalten Krieges groß geworden sind. Unsere Stabsoffiziere waren älteren Jahrgangs und hatten ein anderes Verständnis von der Truppe, vom Soldatsein und dem hohen Ethos des preußischen Offiziers. Die meisten waren in den 70ern und 80ern sozialisiert worden, viele waren auf dem Balkan dabei und verstanden die Bundeswehr als harte, aber pazifistische Verteidigungsarmee.

Unsere Ausbildung war stets hart, immer fordernd und brachte alle Männer (Frauen gab es fast keine) über ihre körperlichen und mentalen Grenzen hinaus. Man wuchs zusammen – vor allem in den Auslandseinsätzen, von denen ich insgesamt sechs Stück mitmachen durfte und die dort gesammelten Erfahrungen nicht missen will.

Aber in den letzten fünf oder sechs Jahren wurde mir klar, dass ich Grabzeuge der letzten Generation der Kalten Krieger gewesen war. Die neuen Jahrgänge waren anders, die Bundesrepublik hat sich verändert. Kulturelle Schwerpunkte von früher gelten heute nicht mehr. Die gesamte deutsche Gesellschaft hat sich verändert und ist multikultureller, atomisierter und vermeintlich progressiver geworden. Alte und traditionelle Werte werden geopfert, die Mentalität der alten Männer wird von den jüngeren Menschen nicht mehr verstanden. Die Bundeswehr, so empfand ich das, veränderte sich und degenerierte. Sie scheint moralisch und materiell dem Ende entgegen zu steuern.

Aber das sind nur die Empfindungen eines Veteranen, der aus der Zeit gefallen ist. Anfänglich habe ich versucht gegen diese nach meinem Gefühl negativen Entwicklungen zu protestieren, habe aber gemerkt, dass gegen den neuen Zeitgeist nicht anzukommen ist, da er auf der Welle einer neuen und erstaunlich Ideologisch gefestigten Generation reitet.

Die neue Bundeswehr der nächsten Jahrzehnte wird eben internationaler, liberalisierter und weniger soldatisch sein. Sie wird eine halbzivile Organisation werden, die eine hybride Rolle zwischen Polizeihilfskraft und internationaler Eingreiftruppe einnehmen wird.

Sie wird keine Armee im herkömmlichen Sinne mehr sein, sondern sich organisatorisch aufweichen. Es ist die logische Konsequenz eines kulturellen Wertewandels in der deutschen Politik und Gesellschaft.

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