Der Wunsch beliebt zu sein

Einige werden das kennen oder es sich hoffentlich gut vorstellen können. Reden wir mal unpolitisch und versetzen wir uns in die Rolle einer kleinen Gruppe von Außenseitern, Geschlecht egal, an einer Oberschule. Diese Außenseitergruppe ist an und für sich schon recht divers. In ihr finden sich unterschiedliche Personen mit verschiedenen Ansichten und Biographien. Sie sind geeint in ihrem Alleinsein und dem Wissen, dass sie in etwa ähnliche Vorstellungen von der Welt um sie herum haben.

Wie an jeder Schule gibt es die anderen Grüppchen, die wesentlich populärer als die Außenseiter und Mauernblümchen. Beispielsweise die jungen Cheerleader oder sportliche Kerle der schulischen Ballmannschaft, die sich vor Aufmerksamkeit der grauen Massen kaum retten können. Die beliebteren Gruppen besitzen die soziale Umwelt in der Schule und genießen den Ruhm, den sie sich zu eigen gemacht haben. Mit Außenseitern wollen sie nicht in der Kantine essen oder gesehen werden. Aber irgendwann bietet sich die Möglichkeit für einen oder zwei aus der Gruppe der Außenseiter, dass sie oder er sich den Beliebten anschließen kann. Überschneidungen gibt es immer. Jetzt hat plötzlich eines der Mauerblümchen aus der Gruppe der Außenseiter plötzlich die Chance mit den vermeintlich cooleren Mädels abzuhängen und sich in den gleichen sozialen Zirkeln zu bewegen. Sie darf in der Kantine neben den Sternchen ihrer sozialen Hierarchie sitzen und fühlt sich geehrt, bis sie den Vorschlag macht ihre Freunde aus dem alten Außenseiterkreis mit in den neuen Kreis zu nehmen.



Diese Idee stößt bei den Etablierten auf keine Gegenliebe und es steht die Frage im Raum, ob sich das Mauerblümchen von ihren einstigen Weggefährten trennt, um sich den Cheerleadern oder Ballspielern anzuschließen, in deren erlauchten Kreis sie nun erhoben wurde. Jetzt hat sie, zunächst nur sie, die Möglichkeit hier mitzuspielen, wenn sie sich nur von ihren alten Freunden lossagt, mit denen sie gemeinsam die Zeit der sozialen Ausgrenzung ertragen hat.

Einige Menschen verspüren diesen Wunsch beliebt zu sein. Sie möchten unbedingt, dass ihr Gesicht mit positiven Adjektiven in der Zeitung ausgeschmückt wird, dass sie mit den Prinzen auf dem Schulball tanzen oder am Tisch der Sonnenverwöhnten speisen dürfen. Sie sind bereit sich dafür zu verbiegen und ihre alten Freundschaften zu kündigen, weil sie glauben, dass man ihnen ihre Biegsamkeit dankt.  Und tatsächlich mögen sie Prestige bei den Sonnenverwöhnten gewinnen, die glauben einen neuen Schoßhund oder einen lustigen Pausenclown gewonnen zu haben. Jedoch verlieren sie dabei den Respekt und die Treue aus der Enge, die sie bei ihren alten Gefährten in Zeiten gemeinsamer Not erlangt haben.

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Bild: Pixabay

 

PS: Der Autor war durchaus ein ambivalenter, sich zwischen verschiedenen durchaus beliebten Zirkeln bewegender Oberschüler.

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