Das wahre Wesen der Menschen

Hypothese: Die Menschen heute sind in der Masse nicht aufgeklärter, nicht vernünftiger und auch nicht deutlich klüger als im 20. Jahrhundert. Ihr Wesen ist weitesgehend über die Jahrtausende gleich geblieben und ihr Verhalten in der Gemeinschaft folgt Gesetzmäßigkeiten, die Gustave Le Bons in «Pyschologie der Massen» einigermaßen gut umrissen hat.

Wenn mich jemand fragt, wie ich die Mehrheitsgesellschaft, unabhängig von Nation, Epoche oder Staat beschreiben würde, fallen mir immer die leuchtenden Augen der Jünglinge Maos ein, die sein rotes Manifest in die Luft heben und seinen Namen skandieren. Oder die jungen Fräulein vom Bund Deutscher Mädchen, die beim Anblick ihres Führers in Ohnmacht fallen, den rechten Arm zum Hitlergruß heben und sehnsüchtig seinen Namen stöhnen. Die Mentalität des Menschen hat einen Herdentrieb, der nicht immer schlecht ist, aber mit dem 20. Jahrhundert und fortführend eine schreckliche Wirkung entfalten kann, wenn man ihn mit Technologie und der Machbarkeit des Undenkbaren verbindet.

Das wahre Wesen der Menschen hat Verwirklichung gefunden in den Schauprozessen für die Dissidenten in Maos China, in der Verfolgung der «Volksfeinde» im NS und in den Spießrutenläufen für die Andersdenkenden unseres eigenen Staates. Der ausgestreckte Zeigefinger der Kulturrevolutionäre, die voller glühendem Eifer denunzieren und zum Tode verurteilen, existiert heute wieder oder immer noch. Nur die Strafen für Dissidenten sind andere. Erschießungen und Gulags sind verschwunden, soziale und gesellschaftliche Isolation, die Vernichtung der bürgerlichen Existenz und hin und wieder körperliche Gewalt sind an die Stelle der eher drakonischen Maßnahmen von früher getreten. Meinungsverbrecher zu sein, bedeutet nicht den körperlichen Tod, wie das früher der Fall war. Kein Mensch im Westen wird mehr der Hexensenke zugeführt oder im Hinterhof der Lubjanka in Moskau erschossen. Heute überbringt man den sozialen Tod durch Ausgrenzung, mediale Dämonisierung und Schauprozesse in der Arena von Kai Gniffke. Obwohl unsere Gesellschaft weitesgehend frei ist oder gut darin scheint, ein angenehmes Maß an Freiheit zu simulieren, hat sie der Geist des Totalitären nie wirklich verlassen.

In Europa, vor allem in Deutschland, haben sich gegenüber 1933 bis 1945 lediglich die Vorzeichen geändert. Aus national wurde international, aus völkisch wurde antideutsch, aus kämpferisch und durchsetzungsfähig wurden ängstlich und zahm. Aus dem Misstrauen gegenüber Fremden und dem Hass auf andere Völker wurden Fremdenliebe und die Ablehnung des Eigenen. Die Ideologie der Nationalsozialisten wurde über 70 Jahre nach deren Ableben lediglich umgekehrt. Der Autoritarismus der nationalen Sozialisten wurde überwunden. Aber längst wuchert ein neues Geschwür in den Gedärmen unserer Zivilisation. Tatsächlich sollte man nicht überrascht sein, wenn eines Tages aufgrund der zunehmenden Spannung in Deutschland Figuren wie Uwe Tellkamp oder andere Meinungstäter vor ein wütendes Publikum gekniet werden, wo sie ihre sündhaften Thesen widerrufen sollen. Bei Hans Georg Maaßen wurde diese Taktik bereits angewandt. Ihre Wiederholung im großen Stil erscheint mir nicht ausgeschlossen.

 

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