Im Furor der Stalinisten – Aufstand der Kronstädter Matrosen

In diesen Tagen wird verstärkt Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gedacht, die 1919 auf Geheiß der damaligen SPD-Regierung getötet wurden. Die Taz und etliche andere Zeitungen berichten wohlwollend über Frau Luxemburg und ihre angebliche Vision eines «demokratischen Sozialismus». Gemeinhin sind Luxemburg und Liebknecht die letzten Figuren des Sozialismus, die noch nicht unter einem Knochenhaufen begraben liegen und daher der Anbetung würdig erscheinen. Anders als Mao, Pol Pot und Stalin, selbst Lenin und Trotzki, gibt es nur wenig, was den beiden an Gewalt anzulasten wäre. Neben ihren Namen erscheinen nicht die unzähligen Namen der im Namen des Sozialismus getöteten, deren Zahl ungleich höher ist, als die der Opfer des Nationalsozialismus.  Die Aufstände, die von ihr und ihren roten Revolutionären mit angestiftet wurden, waren jedoch antidemokratisch und die Vorläufer einer bolschewistischen Revolte in Deutschland. Das kaum beachtete Kapitel der deutschen Geschichte, wenn es um die Gefährdung einer Demokratie geht, waren die Aufstände der Spartakisten, die eine Räterepublik nach Muster der Bolschewisten in Deutschland installiert hätten.

Wohin das führen konnte, zeigte Russland sehr gut1. Die unendlichen Leiden der Bevölkerung unter den Kommunisten waren ungleich größer als die Leiden, die man unter dem Zaren ertragen musste. Dies bedeutet nicht, dass viele der Anliegen der Anhänger der linken Aufwiegler ohne jede Basis waren. Im Gegenteil funktioniert gute Agitation nur dann, wenn im Kern ein Hauch von Wahrheit versteckt ist.



In diesem Zusammenhang möchte ich an die Kronstädter Matrosenaufstände erinnern, die von Februar bis März 1921 stattfanden und von Mitgliedern der russischen Kriegsmarine gegen die Regierung Sowjetrusslands durchgeführten wurden.  Die Rebellen der Marine, die vorher auf Seiten der Bolschewisten gegen die Weißgardisten gekämpft hatten, sahen sich um die eigentliche Revolution betrogen. Schließlich hatte die sozialistische Revolution nicht die Freiheit gebracht, sondern nur einen zaristischen Herrscher gegen einen bolschewistischen Unterdrückungsapparat eingetauscht. Die Kommunistische Partei war in die Rolle des Herrschers über die Beherrschten geschlüpft und verhielt sich um Welten brutaler, als die zaristischen Eliten von einst.  Diese Unterdrückung hatte im Vorfeld schon bei den Bauern zum Tambower Bauernaufstand und anderen, kleineren Revolten geführt. Dass die rote Revolution nicht die Heilsversprechungen halten konnte, die sie gemacht hatte, wurde einigen viel zu spät klar. Das Gleiche wäre auch in Deutschland passiert, nachdem die Kommunisten sich mit ihrer Propaganda einen Vertrauensvorschub bei den Verzweifelten geholt hätten. «Alle Macht den Sojwets – Keine Macht der Partei!» war die Parole der Matrosen, die ihre versprochenen, demokratischen Rechte einfordern wollten.

Als der Aufstand nach wochenlangen Kämpfen niedergeschlagen wurde, endeten die meisten Rebellen in feuchten Gräbern. Erschossen, erhängt oder in die Gulags verschleppt. Die kommunistische Diktatur hatte sich ihrer dummen Mitläufer, die nützlichen Idioten, die für sie gekämpft hatten, entledigt und war auf lange Sicht gefestigt.

Dies sei allen Narren da draußen gesagt, die an eine sozialistische Revolution glauben oder meinen, dass Rosa und Karl die Rechte der deutschen Arbeiter und Bauern gegen einen kommunistischen Bruder in Moskau verteidigt hätten, wenn sie ihre Räterepublik bekommen hätten. Alle Pfade des Sozialismus führten bisher in die Diktatur. Wer heute sozial denken und handeln will, sollte sich einen kleineren Rahmen suchen, statt den der Weltrevolution. Im eigenen Staate für Gerechtigkeit und Ausgleich zu sorgen, ohne in stalinistischen Furor oder neoliberale Kaltherzigkeit zu verfallen, dürfte schon Aufgabe genug sein. Kronstadt war ein Vorläufer für den Terror Stalins. Der Geist der totalitären Besserwisser endet im Lauf einer Pistole.

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1. Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Band 1: Deutsche Geschichte vom Ende des Alten Reiches bis zum Untergang der Weimarer Republik. Beck, München 2000, S. 389.

 

 

 

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