Abende in Croydon, wo weiße Engländer eine Minderheit sind

von Ignatius

 

Ich verbrachte die Weihnachtszeit mit meinem Kind und der Mutter in Croydon, einer mittelgroßen Stadt, die irgendwie und irgendwann mal an London angegliedert wurde und zu «Greater London» gehört. Wer sich an meinen Bericht über die fortschreitende Islamisierung von London noch erinnert, kann trotzdem überrascht werden. Denn obwohl Croydon mit seinen fast 200.000 Einwohnern zu den typischen urbanen Zentren rund um London gehört, wo weiße Engländer jetzt auch eine Minderheit sind, ist diese Stadt nicht zu vergleichen mit Rotherham oder Savile Town, geschweige denn mit Luton. Islamistischer Brennpunkt oder multikulturelle Hölle ist Croyden nicht, obwohl es hier auch typische Probleme gibt, die man mit multikulturellen Gesellschaften hat.

Aber obwohl Croydon keine weiße Mehrheitsgesellschaft mehr vorweisen kann, verbrachte ich die vielleicht christlichsten Weihnachten seit langer Zeit inmitten von afrikanischen Einwanderern aus der Karibik. Die Abende in Croydon waren belebend und positiv überraschend. Denn es zeigt sich, dass eine auch eine starke ethnische Durchmischung noch nicht den kulturellen Tod der Trägergesellschaft zur Folge haben muss, wenn die kulturellen Unterschiede zwischen Zuwanderern und Einheimischen nicht zu groß sind. In Croydon speisten wir in englischen Pubs, die traditionell eingerichtet sind und noch das auftischen und einschenken, was Vater und Großvater konsumiert haben. Der Unterschied besteht nur darin, dass Croydons Straßenbild von dunkelhäutigen Nichteuropäern, aber eben hauptsächlich Menschen aus der Karibik dominiert  wird. Es hat wohl ein wenig was von Kreuzberg minus den islamischen Einflüssen, wenngleich es eine große indische Gemeinde in der Stadt gibt, die aber nicht sehr auffällig in Erscheinung tritt. Muslimische Salafisten, Vollverschleierte und orientalische Gangs waren mir in den Tagen dort nicht aufgefallen. Derlei findet man jedoch sofort, wenn man in London mal abseits des Zentrums spazieren geht. Die kulturellen Unterschiede zwischen Birmingham ( auch bekannt als «Little Pakistan» ), Kent und Croydon sind für mich offensichtlich. Die zwei Städte und die Grafschaft befinden sich in unterschiedlichen Zeitdimensionen und symbolisieren jede für sich eine Momentaufnahme in der Multikulturalisierung Englands. Während jeder mit Geld und weißer Haut nach Kent flüchtet, wenn er das kann, lebt es sich in Croydon gerade noch gut genug im Multikulturalismus, sodass die meisten Einwohner bereit sind die negativen Seiten mit den positiven aufzuwiegen und die weitere Stoßrichtung der Entwicklung als wenig gefährlich zu bewerten. Birmingham oder Luton hingegen stehen bereits am Ende dieser migrationspolitischen Umwälzungen der Demographie Englands. Dort macht Multikulturalismus schon keinen Spaß mehr, weil sich langsam die islamischen Parallelgesellschaften als dominante Träger einer neuen Gesellschaftsordnung etablieren.

Croydon erwies sich kulturell als Schimäre – eine Kreuzung aus linksliberaler Gentrifizierung, christlichem Rest und afrikanischer Ghettokultur. Die jungen Männer waren es, meistens junge afrikanische Typen, die als einzige Störer der Idylle auftraten. Die seien die hauptsächlichen Problemfelder in Croydon – junge Männer mit afrikanischen Wurzeln, aber irgendwie westlich,christlicher Kultur, die meistens ohne Väter aufwachsen und nichts mit ihrer Zeit und ihrer angestauten Wut anzufangen wissen. Vor dem Weihnachtsabend unterhielt ich mich darüber mit einem weißen Anglikaner darüber beim Ale, der mir versicherte, dass Multikulturalismus in Croydon funktionieren würde. Aber als ich ihn fragte, ob er auch ohne Multikulti leben könnte und diese bunte, manchmal angenehme und manchmal unangenehme Mixtur aus englischen Kolonialvölkern gegen eine europäische Idylle wie in Kent eintauschen würde, grinste er nur und fuchtelte mit dem Finger vor meinem Gesicht herum. Ich sei ein «durchtriebener Kerl», sagte er mir und blieb mir eine Antwort schuldig.

Aber manchmal ist Schweigen eben auch eine Antwort.

Hat dir der Beitrag gefallen?

Spendier uns eine Kleinigkeit, um den Blog zu unterstützen:

5,00
Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Spendensumme: €5,00

Bild: Ewan Munro/Flickr

Kommentare deaktiviert.