Mit der SPD am Weihnachtsabend streiten

Zu Weihnachten kehrt meine deutsche Großfamilie im Haus der Eltern ein, um sich zwei Tage zu betrinken und mästen zu lassen. Geschafft haben es dieses Jahr nur drei Kinder von vier, weil das vierte im Ausland arbeitet. Bis auf Weihnachten sieht man sich sowieso nicht mehr, weil jede Familie mittlerweile getrennt voneinander in einer anderen Stadt bzw. einem anderen Bundesland lebt. Die Implosion der traditionellen Familie und damit konservativer Weltbilder hat sowieso nicht so viel mit dem Angriff linker Ideologen zu tun, sondern hängt mit der Mobilität und Veränderung der Arbeitswelt zusammen. Die Zeiten wo alle noch den selben Hof belebt und das selbe Rübenfeld bearbeitet haben, sind einfach vorbei. Drei Generationen in einem Haushalt sind in Westdeutschland außer bei Migrantenfamilien eher eine Seltenheit.

Es war deshalb eine große Freude für meine Mutter, dass sie zwei Enkelkinder dieses Jahr begrüßen durfte. Sie setzte vier Kinder in die Welt und auch mit Ende 30 haben es ihre Kinder nicht geschafft diese Zahl zu verdoppeln. Sie haben sie nur halbiert. So schrumpft unser Geschlecht müde dahin, wie mein Vater zu sagen pflegt. Zum Heiligabend saßen wir im katholischen Gottesdienst, wie das im Ruhrpott noch zur Tradition gehört. Deutschland war noch vor einigen Jahrzehnten ein mehrheitlich katholisches Land – trotz Reformation und Luther. Auch die Zechen gehörten mal wie ganz selbstverständlich zur regionalen Identität. Mittlerweile sind es wohl eher die Spielhallen und Dönerbuden, die das Stadtbild prägen. Am Horizont ragen noch einige alte Ruinen der Kohle- und Stahlindustrie aus dem Boden. Die letzten Zeugen ihrer Zeit, die nur mein Vater noch gekannt hat. Wir, seine Kinder, sind schon mit Arbeitssuchenden, Verzweifelten und Deindustrialisierung aufgewachsen. Die großen Einwanderungswellen der Nutzlosen kamen erst Anfang der 90er Jahre hierher, sodass selbst die vielen integrierten Türken schimpfen, die sich jahrelang im Bergbau den Rücken krumm gearbeitet haben. Rotationseuropäer, mit Kot beschmierte Einkaufswagen von Aldi und schmutzige Matratzen säumen den Weg zur Kirche, die an diesem Abend noch recht gut besucht ist.

Nach dem Kirchenbesuch versammelten sich die Leute noch für einen Glühwein und einen kurzen Plausch auf dem Marktplatz, wo ausnahmsweise kein Merkellego verteilt wurde. Es war überdeutlich, dass der Altersdurchschnitt weit über der 50 lag. SPD-Omas und Opas, wie ich sie nenne. Früher war ich auch Mitglied der Sozialdemokraten. Aber heute erwähne ich das nicht mehr gerne, weil es mir eher peinlich ist.

Meine Schwester, selbst bei der Verdi und grünrot im Geiste, brach einen kleinen Streit vom Zaun, als sie sich daran erinnerte, dass ich mich im Familienwhatsapp öffentlich zur AfD bekannt hatte. «Jetzt haben wir auch einen von der Sorte», sagte sie in der eigentlich bis dahin lustigen Runde. Mein Vater, der sich mir gegenüber als vorsichtiger Sympathisant mit Guido Reil (AfD Kumpel aus Essen) geoutet hatte, schwieg. Er eilte mir nicht zur Hilfe.

Dann ging es los und man tauschte sich aus. Es wurden die üblichen Argumente abgefeuert, die typischen Wortfetzen, die jeder im Werkzeugkasten hat. Vielfalt, historische Verantwortung, Bereicherung durch Einwanderung und Menschenrechte wurden von meiner Schwester und ihrem Mann ins Feld geführt. Ich antwortete mit Einwanderung nach Meriten, der Verbindung von Sozialstaat und Nationalstaat sowie dem Terror, der so bisher nicht zu unserem Leben gehörte. Keiner konnte den jeweils anderen überzeugen und nach zehn Minuten endete meine Schwester mit folgendem Satz, den ich mir Lebzeiten merken werde:

«Wenn Papa und Mama nicht mehr da sind, sollst du dich nicht zu Weihnachten zu uns eingeladen fühlen.  Nazis will ich in meinem Haus nicht.»

Also dann auf ein Weihnachtsfest ohne die SPD-Schwester ab 2030. Oh du fröhliche Weihnachtszeit. Letztendlich kriegt jeder das, was er verdient. Und meine Schwester möchte ein Deutschland haben, das wie eine Müllhalde aussieht und brasilianische Favelas imitiert.

Möge sie es genießen.

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Bild: Pixabay

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