Kauft Strohalme, solange es sie noch gibt!

Genau wie die Giraffe, der Eisbär, der Narwal oder der Berggorilla ist der Strohhalm aus Plastik bedroht. Es sind in diesem Fall aber keine neureichen Safaritouristen, die ihn exzessiv bejagen – wobei die Zuschreibung »neureich« wohl trotzdem passt. Statt Tropenhelm tragen die Jäger in unserem Fall Anzug und fühlen sich moralisch im Recht. Sie entstammen der neuen Kaste der Mitläufer und Zuträger und sind ernsthaft der Meinung, den Strohhalm auszurotten wie dereinst den Dodo würde die Weltmeere sauberer machen. Man nennt sie gemeinhin »Eurokraten« und ihr natürliches Habitat scheint im Moment nur marginal bedroht. Sie stellen sich mutig gegen den Terror und lassen sich ihre Lebensweise nicht nehmen (Elmar Brok lässt die Terroristen nicht gewinnen). Und um das alles zu unterstreichen, muss es nun dem Plastik an den Kragen (1). Dabei ist nicht nur der Strohhalm bedroht, doch steht er stellvertretend für ein ganzes Ökosystem aus Plastiktellern, Einmalgeschirr, Wattestäbchen und Trinkbechern. Sie alle sind mutmaßlich an der Verschmutzung der Weltmeere schuld.

Von der Weltrettung berauscht

Doch wie immer, wenn es im (junckerschen) Rausch zu schnell vorwärts geht, übersieht man rote Ampeln und Fußgänger. Aber dafür hat man zum Glück einen Dienstwagen mit Fahrer und kann so unbeschwert den Untergebenen die Köpfe waschen. Und dieser Aufwasch hat es in sich, zieht er doch Nachahmer magisch an. Diese kommen am liebsten aus dem fortschrittlichsten Land der Welt, dem unseren. Umweltministerin Schulze (SPD) sieht die Gunst der Stunde und will gleich auch die Tabakindustrie am Aufräumen weggeworfener Filter beteiligen. Wie daraus resultierende Preissteigerungen beim selbststopfenden Klientel in Bottrop oder Bochum ankommen, scheint den Steinmetzen am Projekt 5% egal. Aber zurück nach Europa. Ein Fußgänger, den man mit solchem moralingesäuerten Aktivismus plattwalzt, ist die Industrie. Eine Industrie, die mit 1,5 Mio. Angestellten 350 Milliarden Euro umsetzt. Auch wenn die zum Glück nicht alle Strohhalme herstellen – Blessuren wird man aber trotzdem davontragen.

Nüchtern betrachtet sind Fakten egal



Die rote Ampel sind hingegen die Fakten der Welt, und die kümmern sich bekanntlich nicht um Gefühle oder Moral. 90% des Plastikmülls in den Ozeanen kommen aus 10 Flüssen (Link). Keiner davon liegt in Europa. Gleichzeitig haben wir in praktisch allen EU-Staaten geschlossene Abfallkreisläufe. Man zeige mir das Entsorgungsunternehmen, welches Plastikmüll legal an der Küste ins Meer kippt. Ein solches existiert nicht. Es geht, wieder einmal, nur darum Vorbild zu sein vor Nationen wie Indien und China, die sich bestenfalls einen Dreck um unser moralisch überladenes Verhalten kümmern oder uns dafür schlicht als Baizuo bezeichnen.

Bunkert Strohhalme!

Zur Zeit der Prohibition war nur Herstellung und Transport sowie der Verkauf alkoholischer Produkte in den USA illegal. Wer jedoch Alkohol, der vor Inkrafttreten des 18ten Zusatzartikels hergestellt wurde, an Gäste ausgab handelte nicht illegal. Eine Reihe New-Yorker Herrenclubs konnte daher damit aufwarten, genug Stoff für 50 Jahre Prohibition eingelagert zu haben. Ich empfehle jedem Strohhalmtrinker und Plastikbesteck-an-Kindergeburtstagen-Benutzer das Gleiche zu tun.

Oder wehrt Euch.

Oder wir machen es endlich wie die Franzosen und fangen an, uns gegen diese rabiat zunehmende Bevormundung bei gleichzeitiger Untätigkeit in den wichtigen Bereichen zu wehren.

 

 

Hat dir der Beitrag gefallen?

Spendier uns eine Kleinigkeit, um den Blog zu unterstützen:

5,00
Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Spendensumme: €5,00

Bild: Pixabay

Kommentare deaktiviert.