Papi, der Sozialdemokrat mit dem VW Beetle Cabrio in der Dachgarage

Sommer 2016. Ich kam gerade aus der OSH-Dresden nach Berlin zurück, um meine damalige (quasi) Freundin zu ihren Eltern nach Brandenburg zu begleiten. Diese lebten in einer mittelgroßen Stadt nördlich von Berlin, also nah am Speckgürtel. Sie ahnen vielleicht wohin sich diese Geschichte bewegen wird. Sie, also die Freundin, ist eine schmale Blondine mit einem fantastischen Körper  und einer naiven, selbstgerechten Sicht auf die Welt. Ein Produkt ihrer Erziehung, ihrer Lehrer, der Medien und daher will ich hier auch keine Schuldzuweisungen machen, noch schlecht über sie reden. Aber der geneigte Leser ahnt vielleicht in welche politische Richtung sie tendierte.

Ihre Eltern sind Sozialdemokraten und waren auch in der DDR Teil der gut versorgten Oberschicht, die sich ziemlich nah an der SED-Spitze eingenistet hatte. Schon beim Besichtigen des Hauseingangs stellte ich fest, dass es sich mit dem VW Beetle Cabrio in der Dachgarage, dem Yoga-Garten und den Jugendstilskulpturen wohl nicht um Hunger leidende Rotfrontkämpfer handelte. Und ganz wie zu erwarten entpuppte sich die gemütliche Stube der Eltern als Haus besser situierter Herrenmenschen, die nicht nur ihren Wohlstand präsentierten, sondern auch die große Regalwand mit den vielen Büchern demonstrativ zur Schau stellten.

Vor allem linke Literatur, aber auch Klassik und all die vielen Zeitungen blieben mir in Erinnerung. Der Vater war scheinbar auch ein Anhänger von Erich von Däniken, glaubte also an Außerirdische, die die Erde besuchten und an Geld, das auf den Bäumen wächst. Er war schließlich Sozialdemokrat, wie er im kurzen Gespräch beim Kaffee betonte. Brille, blondes, kurzes Haar. Schmaler Körper, braune Stoffhose und Karohemd. Die Ehefrau machte mit ihrer Totenmaske, also dem Gesichtsausdruck, nicht den Eindruck, als wäre sie glücklich.

Selbstverständlich stellte sich schnell heraus, dass für den Herrn Sozialdemokrat nicht etwa irreguläre Migration oder Islam ein Problem darstellten, sondern das Aufkeimen eines neuen Nationalsozialismus, der auch Menschen wie mich bedrohen würde. Er betonte das damals, weil er scheinbar nicht hinter meine Augen blicken konnte. Er nahm wohl an, dass ich wegen eines ausländischen Aussehens ihm hier automatisch beipflichten und hechelnd um die leckeren Kekse seiner Zustimmung buhlen würde. Ich widersprach und sagte wohl so etwas wie «Der Feind steht links und bei den Leuten, die den Staat als Beute betrachten.» Ich muss wohl nicht mehr betonen, dass er und ich keine guten Freunde geworden sind und es kurz danach auch mit seiner Tochter und mir endete. Dass ich quasi gerade erst am Morgen davor aus der Uniform gestiegen war, hatte meine damalige Uschi wohl nicht erwähnt. Ich betonte es nicht extra.

Im Regal stand übrigens auch eine Biographie von Ernst Thälmann. Was er wohl zu einer Gestalt wie diesem sozialdemokratischen Papi gesagt hätte? Aber ich will hier wirklich keine Schuldzuweisungen verteilen. Nur aufzählen und erzählen, was ich in meinem Leben beobachte. Wer beim Lesen von Süddeutscher Zeitung und Willy Brandts Büchern, beim Konsum von Pinot Rosé und dem Sichten der Tagesschau zum Schluss kommt, dass die größte Gefahr für Europa der sogenannte «Rechtspopulismus» ist, hat doch im Grunde gar keine Chance gehabt und muss als Kollateralschaden abgehakt werden.

Prosit und auf euch liebe Genossen! Im Abgang schmeckt es besser.

Bild: Pixabay


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