Das MG3 – Mythos und Kulturgut. Eine Huldigung.

Anlässlich der bevorstehenden Ausmusterung möchte ich hier die technischen und kulturellen Seite des ikonischen Maschinengewehrs MG3 verfassen.

Die Tochter der Hitlersäge – roh und brutal

Zur Geschichte und allgemeinen technischen Details dieser Waffenfamilie zu schreiben hieße Eulen nach Athen zu tragen. Deswegen hier nur subjektive Eindrücke: Das MG3 ist eine Männerwaffe. Sie ist kalt, brutal, schwer und braucht KRAFT um sie zu benutzen. Gerade Frauen schaffen es teilweise auch mit Übung nicht, die Waffe angesichts der starken Schließfeder zu spannen. Dafür schießen sie diese Waffe meistens besser, da sich jeder kleinste Schießfehler bei dieser Waffe dramatisch auswirkt. Es ist überraschenderweise nicht die rohe Kraft, die den Unterschied macht! Aber man braucht sie, um diese 23 Pfund schwere Waffe erstmal bis ins Gefecht zu tragen. Man braucht geduldiges Fleisch. Entweder werden die Arme spätestens ab dem dritten Kilometer sehr lang oder man quält sich mit dem Sado-Maso-Ledertrageriemen ab, der sowieso alle 100 Meter von der Schulter rutscht. Und die Schultern hängen am Ende auf Höhe der Hüfte.



Aber das Schießen entlohnt für die Strapaze: Dieses rhythmische Hämmern! Das kontinuierliche Mündungsfeuer ist so groß wie ein verdammter Fußball! Wenn man nachts mit Leuchtspurmunition schießt, stinkt Star Wars voll ab. Jeder fährt auf diese Waffe ab, da bleibt kein Auge trocken. Insbesondere bei den Amis, aber nicht erst seit James Ryan.

Das MG3 im 21. Jahrhundert

Aber mal ganz ehrlich? Nüchtern betrachtet lässt die Waffe schon zu wünschen übrig. Sie ist nicht ohne Weiteres nicht nachtkampffähig, das Visier ist eine Katastrophe, die Ergonomie ist nahezu nicht vorhanden. Wenn man im Winter die falschen Handschuhe am Mann hat, kommt man nicht an den Abzug ran, muss daher mit bloßen Fingern schießen und hat nach einer Minute kein Gefühl mehr, da die Kälte des Stahlgriffstücks die Hand betäubt. Es gibt wenige wirklich gute MG-Schützen, die das Potenzial der Waffe mit ihrer geilen Präzision und Kadenz ausnutzen können. Die allermeisten Soldaten sind z.B. schon mit dem österreichischen MG74 (auch ein direkter Nachfahre des MG42) wesentlich effektiver. Es kommt einfach mehr Stahl im Ziel an, beim MG3 und speziell beim MG42 wird im infanteristischen Einsatz viel Munition verschwendet. Ein Laufwechsel bedingt Hilfsmittel – ab einer gewissen Schussbelastung schützen auch Lederhandschuhe nicht mehr vor Verbrennungen! Ich fand das M249 und M240 wesentlich angenehmer zu tragen und zu schießen. Bei diesen Waffen, auch speziell beim MG4, gibt es weniger Quellen für Bedienerfehler und diese wirken sich auch nicht so krass aus! Sie sind soldatensicher (ugs. für idiotensicher).

Ein Systemwechsel auf das kommende MG5 wird nur durch die verschlissenen MG3 bedingt – die letzten Gehäuse wurden 1979 gefertigt, die Dinger sind durch. Die letzten Jahre wurden immer aus vier defekten MG3 ein überholtes gewonnen. Die heutigen MG3-Produzenten können offenbar keinen geeigneteten Ersatz liefern und Rheinmetall müsste die Produktionslinie komplett neu hochziehen – da ist es schlicht und einfach sinnvoller, ein neues MG zu bauen. Zumal es mit dem MG60 bereits Besseres gab. Lasst euch nichts von diesen ganzen Romantikern erzählen! Hitler ist tot, die Nazis haben den Krieg verloren. Und auch das MG42 hat sie nicht vor dem Untergang gerettet!


 

 

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